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Debatte nach Unfall in Berlin : „Bei Tempo 50 ist egal, ob es ein SUV oder ein Smart ist“

Nach einem Unfall in Berlin sind SUVs in Verruf geraten. Bergen sie mehr Gefahren als andere Fahrzeuge? Bild: dpa

Ein tödlicher Unfall mit einem Sportgeländewagen in Berlin hat eine Debatte über SUVs ausgelöst. Unfallforscher Wolfram Hell spricht im Interview darüber, ob ein SUV-Verbot Sinn ergibt und ob die Fahrzeuge gefährlicher sind als andere.

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          Herr Hell, ein schwerer Unfall mit einem Sportgeländewagen in Berlin, bei dem vier Fußgänger getötet wurden, hat eine Debatte ausgelöst: Sollen SUVs in Städten verboten werden, weil sie gefährlicher sind als andere Autos?

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Das muss man differenziert betrachten. Für die Insassen sind sie häufig sicherer, während die hohe Fahrzeugfront für Fußgänger oft problematisch ist. In Berlin war das Auto auch durch seine Masse kaum aufzuhalten. Dennoch ist nicht der Fahrzeugtyp, sondern die Geschwindigkeit das Hauptproblem: Bei Tempo 50 ist die Überlebenschance für den Fußgänger sehr niedrig – egal, ob er von einem SUV, einem VW Polo oder einem Smart angefahren wurde. Untersuchungen zeigen, dass bei Unfällen mit Tempo 50 ein Großteil der Fußgänger ums Leben kommt. Bei Tempo 30 hingegen überlebt in der Regel ein Großteil. Da kann man nicht pauschal eine Fahrzeuggruppe verantwortlich machen.

          Im Verkehr fühlt sich Tempo 50 meist nicht besonders schnell an. Wodurch steigert sich das Risiko?

          Der Mensch muss erst seit etwa 100 Jahren Geschwindigkeit einschätzten, aber seit der Steinzeit hat er Angst vor großen Höhen. Verglichen mit einer Fallhöhe entspricht ein Tempo 30 Unfall eines Fußgängers oder Radfahrers einer Fallhöhe von circa 3,5 Meter, das kann man gerade am besten mit einem Helm überstehen. Bei Tempo 50 sind es schon rund 9,5 Meter, bei Tempo 70 sogar 19 Meter. Diese Energien sind uns in der heutigen Zeit nicht mehr so ganz klar.

          Also sollte man eher über Geschwindigkeitsbeschränkungen debattieren?

          In der Städteplanung richtet man sich derzeit auf einen Mischverkehr aus: E-Scooter, Autos, Radfahrer, Fußgänger. Wer die Zahl der Verkehrstoten reduzieren will, muss über Tempo 40 oder sogar Tempo 30 für alle Verkehrsteilnehmer nachdenken. Auch der Toleranzbereich bei Kontrollen sollte kleiner werden. In der Schweiz bekommen Sie ein Ticket mit einer hohen Geldstrafe, wenn Sie 53 statt 50 Kilometern pro Stunde fahren. Der Raserparagraph ermöglicht dort zudem einen Entzug und Verkauf des Autos, wenn jemand im Stadtbereich 100 Kilometer pro Stunde oder schneller fährt. Es droht sogar eine Gefängnisstrafe. Wenn ich hingegen in Deutschland die Geschwindigkeit überschreite, ist der Toleranzbereich höher und die Geldstrafe ist niedriger.

          Der Porsche Macan, der in Berlin in den Unfall verwickelt war, hat je nach Ausführung zwischen 240 und 440 PS. Spielt das eine Rolle?

          Die Fahrzeugbeschleunigung kann schon problematisch sein. Wer beispielsweise vor einem Kindergarten aufs Gas drückt, der erreicht mit 300-PS-Boliden schnell hohe Geschwindigkeiten – also nicht nur 50, sondern möglicherweise 60 oder 70 Kilometer in der Stunde. Das gilt aber auch für eine Limousine oder einen Sportwagen.

          Radfahrer mit Helm fahren oft riskanter, weil sie sich sicherer fühlen. SUVs gelten ebenfalls als sicher – gehen die Fahrer womöglich mehr Risiken ein?

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