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Stuttgart hat ein Problem : Ratten zerstören wissenschaftlichen Buchbestand

„Die Ratten kamen durch ein Abwasserrohr ohne Rückschlagsventil in die Bibliothek“, sagte ein Sprecher der Universität Stuttgart (Symbolbild). Bild: dpa

Einen Schaden in Höhe von 200.000 Euro haben Ratten in der Universitätsbibliothek in Stuttgart verursacht. Wenn sich nichts ändert, kann das jederzeit wieder passieren.

          Stuttgart, die Stadt der Kehrwoche, hat ein Rattenproblem: Ratten sind in das Magazin der Universitätsbibliothek eingedrungen und haben einen verheerenden Schaden angerichtet: Etwa 7800 Bände aus den Fachbereichen Jura, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften wurden mit Rattenkot beschmiert und mussten deshalb vernichtet werden.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die Bibliothek liegt an einer städtischen Parkanlage im Zentrum. „Es ist ein Schaden in Höhe von 200.000 Euro entstanden. Die Ratten kamen durch ein Abwasserrohr ohne Rückschlagsventil in die Bibliothek“, sagte ein Sprecher der Universität Stuttgart. Die Universität war erst in der vergangenen Woche mit zwei Clustern erfolgreich aus dem Exzellenzwettbewerb hervorgegangen. Nun leidet das Ansehen der Universität  unter dem ekelerregenden Vorfall.

          Die „Stuttgarter Zeitung“ spricht mit Blick auf die Verschmutzung der baden-württembergischen Landeshauptstadt schon von einer „Spirale der Verwahrlosung“. Glücklicherweise hielten sich die Ratten nicht dort auf, wo wertvolle Zeichnungen aus dem 18. Jahrhundert aufbewahrt werden. Die Fachliteratur aus dem sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts konnte von der Bibliotheksleitung schon wieder beschafft werden.

          Lernende Studenten und forschende Professoren haben keine Probleme – die Universität aber schon. „Wenn sich nichts ändert, kann das jederzeit wieder passieren“, sagte der Sprecher der Universität FAZ.NET. Es gebe für das Verschmutzungsproblem zwei Ursachen: die Universitätsbibliothek auf dem Innenstadt-Campus müsse dringend saniert werden. Das sei Angelegenheit der Universität.

          Universitätsbibliothek in Stuttgart: Etwa 7800 Bände wurden mit Rattenkot beschmiert.

          Aber auch die Stadt müsse endlich handeln. „Unsere Prodekanin hat Anfang des Jahres, bevor der Schaden entstanden ist, im Bezirks- und im Bauausschuss der Stadt Stuttgart auf das Rattenproblem hingewiesen“, sagte der Sprecher der Universität. Passiert sei nichts. Weder habe die Stadt die Stadtreinigung angewiesen, den Park, der auf städtischem Gebiet liege, ein weiteres Mal zu reinigen. Noch habe sich die Stadt Stuttgart in den letzten Haushaltsberatungen dazu durchringen können, die städtebauliche Sanierung des Areals in Angriff zu nehmen. Vor 2020 wird sich daran nichts ändern, obwohl es sogar einen städtebaulichen Wettbewerb gab und Stuttgart von November 2018 schuldenfrei ist.

          Zunehmende Vermüllung der Innenstadt

          Das Problem dürfte im Stuttgarter Rathaus auch bekannt sein, es sei auf Fachebene und zwischen Universitätsrektor Wolfram Ressel und Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) mehrfach  besprochen worden. Ein Sprecher der Stadt sagte: „Der Stadtgarten ist ohnehin im Blick unseres Eigenbetriebs für Abfallwirtschaft, es ist aber denkbar, dass man die Reinigung noch intensiviert.“

          Wegen der zunehmenden Vermüllung der Innenstadt muss Stuttgart wie andere deutsche Großstädte auch viel Geld investieren, damit die Müllberge wenigstens halbwegs abgetragen werden können. In Stuttgart will der Gemeinderat bis 2023 etwa 50 Millionen Euro zusätzlich für die Stadtreinigung ausgeben. 2018 sind es allein fünf Millionen Euro.

          Gründe hierfür sind die Einwegverpackungen der Schnellrestaurants und das schlechte Benehmen der Bürger: Sie erklären – in Stuttgart und vielen anderen deutschen Großstädten – jeden Platz zur Partyzone, kümmern sich aber nicht um die Beseitigung des Abfalls. Ein zugeschütteter Brunnen im Stuttgarter Universitätspark ist an den Wochenenden ein beliebter Feierplatz – auch weil eine Tankstelle in der Nähe als Versorgungsposten für die Feiernden dient.

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