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Herzblatt-Geschichten : Diese schrecklichen Blumensträuße

Frisch verheiratet: Anna Eberstein und Hugh Grant. Bild: AFP

Die Boulevardpresse erfindet einen Anschlagsversuch auf Prinz George und eine Freundin der Neu-Herzogin Meghan spekuliert öffentlich über deren Verhütungspraxis. Unterdessen könnte der Sprössling von Mats Hummels den deutschen WM-Erfolg gefährden.

          Englands Boulevardpresse hat ein fürchterliches Image: Sie gilt als blutrünstig, dreist, verlogen, als scham- und skrupellos. Die Fußball-WM dürfte ihr ein willkommener Anlass sein, ihren schlechten Ruf zu verteidigen, den sie sich mit Headlines wie „Let’s Blitz Fritz“ erarbeitet hat.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dank ihrer Unseriosität sind Britanniens Tabloids beliebter Themenlieferant für die deutsche Regenbogenpresse. Die Aktuelle etwa macht diese Woche auf mit der Schlagzeile „Prinz George – Gift in seinem Vanille-Eis! Der Täter konnte gefasst werden“ und zeigt die Titelseiten britischer Blätter, die über die Taten des Dschihadisten Husnain Rashid berichten. „Das Gift-Eis sollte ins Klassenzimmer geliefert werden“, schreibt Die Aktuelle, und zwar von einem Kurierfahrer, der vergiftetes Vanille-Eis geladen hatte, aber unterwegs einen Verkehrsunfall hatte und von der Polizei geschnappt wurde – ebenso wie Rashid, sein „Auftraggeber“, der nun vor Gericht steht.

          Schaut man in britische Zeitungen, dann zeigt sich: Es stimmt, dass Rashid vor Gericht steht. Und es stimmt, dass er in einem Messenger-Dienst zu Anschlägen aufgerufen hat, als eines von vielen Zielen wurde Prinz George genannt, und auch dazu, Eis aus dem Supermarkt zu vergiften. Alles andere aber hat augenscheinlich Die Aktuelle erfunden: den konkreten Anschlagsversuch, den Kurierfahrer, dessen Unfall, das Vanille-Eis. Dreister zu lügen als der britische Boulevard: Das muss der Aktuellen erst einmal jemand nachmachen. Beziehungsweise: besser nicht.

          Hochzeit in Notting Hill

          Hugh Grant hat den Tabloids stets viel Stoff und sich mit ihnen etliche Schlachten geliefert. In den vergangenen sieben Jahren hat der Schauspieler fünf Kinder bekommen, drei davon mit der Schwedin Anna Eberstein; sie hat Grant, der laut Gala ewig „als Sinnbild des kauzigen Junggesellen“ galt, nun tatsächlich geheiratet, im zarten Alter von 57. „Ihr Ehering ist schlicht und golden, seiner üppig und selbstentworfen“, lesen wir. „Die drei Steine im Ring stehen für die Lieben seines Lebens, so ein Insider zu Gala: Liz Hurley, Anna Eberstein und Tinglan Hong.“

          Sollte Prinz George mit einem Vanille-Eis vergiftet werden? Das bleibt zu bezweifeln.

          Das ist wirklich rührend, am Ende haben die drei Damen für den Ring noch zusammengelegt. Der ach so moderne Prinz Harry hätte sich das gewiss nicht getraut, einen Ring mit je einem Steinchen für Meghan, Chelsy Davy und Cressida Bonas zu bestellen. Geheiratet hat Hugh Grant übrigens ausgerechnet in Notting Hill, jenem Londoner Stadtteil, nach dem einer seiner beiden größten Filmerfolge benannt ist. Für seine Braut Anna Eberstein wollen wir hoffen, dass sich Grant nicht auch noch den Titel seines zweiten großen Erfolgs zu Herzen nehmen möchte, nämlich „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“.

          Beerdigungen sind im Gegensatz zur Ehe zumindest für immer

          Rupert Everett, der im Kino den steifen Engländer immer dann spielte, wenn Hugh Grant keine Zeit hatte, kann mit der Ehe nichts anfangen. „Ich mag keine Hochzeitsfeiern, keine Hochzeitskleider, diese schrecklichen Blumensträuße gefallen mir nicht, und ich finde auch die Idee von Flitterwochen nicht toll“, sagt er Frau im Spiegel. „Lieber mag ich Beerdigungen. Sie sind interessanter, emotionaler, und letztlich ist es hier ja auch für immer.“ Sogar wesentlich häufiger, würden wir sagen, als bei Ehen. Schreckliche Blumensträuße kann es freilich auch bei dieser Gelegenheit geben.

          Der Ring an Meghans Finger gehörte einst Harrys verstorbener Mutter Lady Diana.

          Doch wechseln wir zum Beginn des Lebens. „Baby-Geheimnis gelüftet“, behauptet Freizeitwoche über Harry und Meghan. Eine Freundin habe wissen lassen, „dass die einstige Schauspielerin schon seit geraumer Zeit nicht mehr verhütet hatte – schließlich ist sie schon 36 Jahre alt und weiß, dass es mit einer Schwangerschaft meist nicht auf Knopfdruck klappt“. Was uns am stärksten fasziniert an diesem Satz, ist das Wörtchen „meist“. Das heißt, manchmal klappt so etwas schon auf Knopfdruck? Und welchen Knopf genau muss man dafür drücken?

          Müllgestank einfach wegatmen

          Ein Prozedere, das wir auch nicht ganz verstehen, praktiziert das Fernseh-Pärchen Mimi Fiedler und Otto Steiner laut Bunte: „Konflikte? Atmen sie weg. Dafür haben beide transzendentale Meditation gelernt.“ Wenn sich beide also, nur mal angenommen, darüber streiten, wer von ihnen den Müll runterbringt – kann man das Problem dann einfach so wegatmen? Oder geht am Ende einfach derjenige runter, der den Gestank nicht mehr länger inhalieren möchte?

          Mehr mit weltlichen als mit transzendentalen Genüssen hält es Köchin Léa Linster: „Alles trinken, alles essen – ohne Rücksicht auf Verluste. Heute ist das ja leider anders geworden. Alles scheint verboten“, klagt sie im Neuen Blatt. „Niemand fährt mehr nach einem tollen, langen Essen fröhlich beschwipst nach Hause, wie das auf dem Land üblich war.“ Und kaum einer landet noch fröhlich beschwipst im Straßengraben. Schade um die schönen Traditionen!

          Doch wir wollen lieber in die Zukunft schauen. Ob ihr Söhnchen Ludwig mehr nach Mama oder nach Papa kommt, könne sie noch nicht sagen, erzählt Cathy Hummels Frau im Spiegel. „,Aber ich kann auf jeden Fall sagen, dass er einen starken Willen hat – und den hat er definitiv von mir‘, meint sie stolz.“ Und merkt damit gar nicht, dass sie den deutschen WM-Erfolg gefährdet. Sollten zum Beispiel die Engländer mitkriegen, dass seine eigene Gattin Mats Hummels für willensschwach hält, werden sie bestimmt die Parole ausgeben: „Let’s Blitz Mats.“

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