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Geldsorgen? – Meghan, Herzogin von Sussex Bild: Getty

Herzblatt-Geschichten : Trau niemals einem Insider

Wer sind eigentlich diese anonymen Quellen, von denen Zeitschriften ihren Klatsch beziehen? Sind Meghan und Harry pleite? Und was ist Liebe, wenn nicht ein Teller Knödel? Die Herzblatt-Geschichten.

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          Arm, aber blaublütig: So sieht die Gala das Schicksal von Harry und Meghan, die nun laut einem „Insider“ von Netflix Geld bekommen, um ihr Privatleben zu Hause filmen zu lassen, weil es bisher mit anderen lukrativen Jobs nicht geklappt hat. „Es ist ein Mix aus Selbstüberschätzung und finanziellem Druck“, unkt das Blatt.

          Julia Bähr
          Koordinatorin F+Inhalte und redaktionelles SEO.

          Um vier Seiten später in einem ganz anderen Kontext eine viel bessere Lösung vergleichbarer Finanznöte zu präsentieren, die ultimative Gelddruckmaschine für Stars: Robbie Williams macht jetzt Kunst, gemeinsam mit einem Freund, und verlangt 23.500 Euro pro Bild. Die Qualität steht hier nicht im Vordergrund, schließlich ist es viel besser, wenn jemand fragt, warum das scheußliche Bild da hängt, und man dann antworten kann: Ach das, das ist ein echter Williams. Oder eben ein Sussex.

          Insider, Freundin, Kumpel

          Aber wie wir von Das Neue Blatt erfahren, ist Geld das geringste Pro­blem des royalen Paares. Viel schlimmer sei Meghans „eitles Getue“ und dass sie ihren Mann und sein 37 Millionen Euro schweres Vermögen schröpfe. 37 Millionen, das klingt nicht nach Geldnot – hat der „Insider“ des anderen Artikels etwa Unsinn erzählt? Das wäre schockierend, schließlich setzen die Herzblätter traditionell auf namenlose Quellen, deren Aussagen meist entweder vogelwild oder völlig banal ausfallen.

          Kann selbst kaum noch über ihre Witze lachen: Gwyneth Paltrow
          Kann selbst kaum noch über ihre Witze lachen: Gwyneth Paltrow : Bild: AFP

          Häufig sind sie sowieso ausgedacht. Das Goldene Blatt etwa zitiert gleich „das ganze Königreich“, das über die angebliche Zwillingsschwangerschaft der spanischen Königin Letizia juble: eher kühn. Es schreibt aber auch, „laut Insider-Informationen“ liebe der britische Prinz George Video- und Computerspiele. Der Junge ist acht, da scheint die Wahrscheinlichkeit, dass er sich nicht von blinkenden Bewegtbildern begeistern lässt, verschwindend gering. Und schon hat das Blatt wieder eine halbe Seite gefüllt!

          Die IN ist da origineller: „Eine Freundin“ von Gwyneth Paltrow hat angeblich erzählt, dass die Ehe der Schauspielerin krisele. „‚Gwyneth macht immer Witze darüber, dass sie lieber Zeit mit ihren Freunden verbringt als mit Brad‘“, wird die Vertraute zitiert. Amüsant. Welche Freundin würde nicht sofort eine deutsche Zeitschrift anrufen, um ihr das zu erzählen? Hohen Nachrichtenwert hat auch Die Aktuelle, die „einige treue Fans“ von Helene Fischer gesprochen haben und von ihnen Lobeshymnen auf den Bodyguard gehört haben will. Das muss einem die 1,99 Euro, die das Blatt kostet, schon mal wert sein.

          Die Herzblätter haben eben absolute Premium-Informanten. „Ein Kumpel“ von Tom Kaulitz soll der IN erzählt haben, dass jener Kinder „total gerne“ möge und ein toller Vater wäre. Schlägt das Gossip-Herz da nicht sofort höher? In Bunte berichtet „ein Insider“, es sei Boris Becker am Anfang im Gefängnis „sehr, sehr schlecht“ gegangen – das hat man von Promis, die plötzlich ohne ihre goldenen Toiletten auskommen mussten, wirklich noch nie gehört. Richtig wissenschaftlich wird es in Die Aktuelle: Das Blatt zitiert eine nicht näher benannte Umfrage, laut der jede fünfte Frau sich eine Affäre mit Jogi Löw vorstellen könnte. Da hört es nun wirklich auf . Erfundene Babys, na gut, angedichtete Liebeskrisen, was soll’s – aber das hätten wir nun doch ganz gern belegt!

          Wäre ein guter Vater, findet irgendjemand, was sofort abgedruckt wird: Tom Kaulitz mit Heidi Klum
          Wäre ein guter Vater, findet irgendjemand, was sofort abgedruckt wird: Tom Kaulitz mit Heidi Klum : Bild: AFP

          Oft sind die Informationen auch widersprüchlich. Während „eine Hofdame“ in Das Goldene Blatt erklärt, die Queen werde derzeit von ihrer Schwiegertochter Sophie so rührend umsorgt, dass sie wieder lachen könne, führt Die Aktuelle die königliche Laune auf jemand ganz anderen zurück: Sir Michael Rake, „ein charmanter Gentleman“, dem Königshaus schon lange verbunden. Rake ist jugendliche 74 und damit 22 Jahre jünger als die Queen, aber diese Zeitschriften sind sehr tolerant mit Altersunterschieden in Liebesbeziehungen.

          Im selben Blatt steht etwa, dass Jasmin Wagner, 42, in den Neunzigern „vier Jahre heimlich mit Lucas Cordalis, 54, liiert“ war – wer sich nun fragt, warum heimlich, kann schnell ausrechnen, dass die Sängerin zu Beginn der Beziehung minderjährig war und der Sänger Mitte 20. Die Bunte berichtet derweil von der 21-jährigen Sophia Schneiderhan, der neuen Freundin des 45 Jahre alten Michael Ballack: „Sein Sohn Louis ist nur ein Jahr jünger als seine neue Freundin. Aus seinem Umfeld hört man, dass Michael Ballack der Altersunterschied überhaupt nicht störe.“ Wie großherzig von ihm! Einfach toll, dass jemand ein Fußballstar und trotzdem so reflektiert sein kann.

          Das ist eben Liebe, nicht wahr? Klar. Aber es gibt da auch noch die Liebe, die Andy Borg für seine Frau empfand, als er ihr zum Heiratsantrag ihr Lieblingsessen Knödel mit Schweinebraten organisierte – und zwar in Thailand. Und es gibt die Liebe der Tierheim-Betreuerin des 13 Kilo schweren Katers Beejay. Als er ein neues Zuhause suchte, gab es einigen „Rummel auf den Pummel“ schreibt die IN, die früher gern die Bikinifiguren von Stars kritisch kommentierte und wohl noch ein paar lustige Reime übrig hatte. „Er ist nicht übergewichtig, er hat einfach große, schwere Knochen“, erklärte das Tierheim. So ist es recht.

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