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Ski-Camp : So richtig geschafft ist danach nur der Felix

„Vielleicht seh’ ich mal einen im Weltcup“: Felix Neureuther (zweiter von links) mit dem besten Nachwuchs auf der Piste. Bild: Magnus Winterholler

Ski-Weltmeister Felix Neureuther kuriert eigentlich seine hartnäckigen Rückenschmerzen aus – was ihn aber nicht daran hindert, mit dem Nachwuchs auf die Piste zu gehen. Für die war das „Race Camp“ das Highlight des Jahres.

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          Die Diagnose kam Ende März, und sie klang übel. Bandscheibenschaden, starke Entzündungsreaktion an den Wirbelgelenken. Sechs Wochen Belastungsverbot, mehrere Monate Trainingspause. Immer wieder hatten dem Skirennfahrer Felix Neureuther im vergangenen Winter extreme Rückenschmerzen zugesetzt – jetzt, nach der Weltcup-Saison, wollte er sich endlich Zeit nehmen, um die hartnäckige Entzündung in der Lendenwirbelsäule auszukurieren.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Vier Wochen später steht Neureuther vor dem Einstieg zur Gondelbahn am Rettenbachgletscher in Tirol, auf knapp 2700 Meter, hoch über dem Ort Sölden im Ötztal. In voller Skimontur. Es ist Samstagmorgen, die Sonne kämpft sich durch dichte Wolkenwatte, die Piste ist menschenleer, die Neuschneeauflage aus der Nacht noch unberührt. Von solchen Augenblicken träumt jeder Skifahrer. Trotzdem ist es nicht die Lust am Pulverschnee, die Neureuther trotz Rückenschmerzen und Stillhalteabkommen hierher geführt hat. Es sind die fünfzehn Kinder mit Helmen, Rennanzügen und Startnummern, die ihn umringen. Und die jedes Wort, jede Bewegung von ihm aufsaugen.

          Sie haben sich über die Nachwuchs-Rennserie des Deutschen Skiverbands (DSV) für das „Felix Neureuther Race Camp“ qualifiziert. Für zwei Tage lädt der Skistar dabei die besten zehn bis zwölf Jahre alten Kinder ein, mit ihm und den Ausbildern des DSV zu trainieren. Unterstützt vom Verband, mehreren Sponsoren – und zum Teil auf eigene Kosten. „Ich kenne keinen anderen Skirennläufer, der so was macht“, sagt Wolfgang Maier, der Alpindirektor des DSV.

          Weswegen man mit dem Sport anfängt

          Vorbilder, sagt Neureuther, könnten entscheidend sein für eine Karriere im Skisport. Er hat das selbst erfahren. „Mein Idol war Alberto Tomba“, sagt er, „er war schuld, dass ich Skirennfahrer geworden bin“. Die Verehrung ging so weit, dass der junge Neureuther begeistert Tombas Unterwäsche trug, „La Bomba“ hieß damals die Marke des italienischen Ski-Helden. Neureuther war als Kind einst selbst bei einem Race Camp dabei, er weiß, wie viel Freude und Motivation einer als Knirps daraus ziehen kann.

          Das Wochenende mit Felix Neureuther soll den jungen Ski-Sportlern ein Ansporn sein.

          Aus der Chance, einen der besten Skirennläufer nicht nur persönlich zu treffen, sondern mit ihm über die Hänge zu kurven, von ihm skitechnisch zu lernen oder auch einfach nur mit ihm rumzublödeln. Für alle drei Punkte ist Neureuther die perfekte Besetzung – durch sein Talent, seine Erfahrung und seine Popularität. Seine „Strahlkraft“, wie Maier das nennt.

          Es war die siebte Auflage des Camps, die am vergangenen Wochenende in Sölden stattfand. Und wenngleich sich Neureuther diesmal wegen seiner gesundheitlichen Probleme im Skitraining stark zurücknehmen musste, wollte er doch unbedingt dabei sein. Wegen der Kids und wegen des Erlebnisses. „Wenn du in die Augen der Kinder schaust, wenn du ihren Enthusiasmus und ihre Leidenschaft siehst“, sagt er, „dann weißt du wieder, warum du mit diesem Sport mal angefangen hast.“

          „Eigentlich recht cool“

          Am Samstag, oben auf dem Gletscher, gehen die Nachwuchsläufer nach ein paar Stunden freiem Fahren auf den Wellenparcours – einen Riesenslalom-Kurs, der auf einem eigens präparierten Gelände mit zahlreichen Kuppen und Wellen gesteckt ist. „Eigentlich recht cool“, sagt einer von ihnen sehr routiniert. Tatsächlich ist es ein anspruchsvoller Kurs, der gefühlvolles Fahren und unterschiedliche Bewegungsformen abverlangt, der den Renn-Nachwuchs an seine Grenzen bringt.

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