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Umfrage in sieben EU-Ländern : Junge Menschen sind müde, aber zuversichtlich

Langsam kehrt das Leben zurück: Junge Menschen im März im Frankfurter Hafenpark Bild: dpa

Mehr als die Hälfte der unter 26-Jährigen gibt an, dass sich ihre Lebenssituation durch die Pandemie deutlich verschlechtert hat. Sie beschreiben sich als „müde“ oder „gestresst“ – und blicken trotzdem optimistisch in die Zukunft.

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          Keine Freunde treffen, keine Partys, Home Schooling: Die Lebenssituation für junge Menschen in Europa hat sich durch die Pandemie deutlich verschlechtert. Trotzdem schaut die Generation der unter 26-Jährigen aus sieben EU-Ländern, darunter Deutschland, mehrheitlich optimistisch in die Zukunft. Das zeigen die am Mittwoch in Berlin vorgestellten Ergebnisse der Jugendstudie „Junges Europa“ der TUI Stiftung.

          Othmara Glas
          Volontärin

          Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass sich ihre Lebenssituation verschlechtert habe. Vier von zehn jungen Menschen zwischen 16 und 26 Jahren verloren während der Pandemie ihren Job oder erlitten finanzielle Einbußen. In Deutschland gaben 29 Prozent an, von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen gewesen zu sein, in Griechenland sogar 58 Prozent.

          Fast jeder Zweite beschreibt seinen momentanen Gefühlszustand als „müde“, „unsicher“, „genervt“ oder „gestresst“. Die Befragten fühlen sich in allen Lebensbereichen stark belastet und befürchten, dass dies auch vorerst so bleibt. Am schwierigsten empfinden 72 Prozent der jungen Europäer die Beschränkungen im öffentlichen und sozialen Leben, etwa reduzierte Kontaktmöglichkeiten mit Freunden und Familie oder geschlossene Geschäfte und Sportvereine. Trotzdem blicken fast zwei Drittel aller Befragten optimistisch in die Zukunft.

          Junge Europäer folgen Corona-Regeln

          Während der Pandemie haben sich die jungen Erwachsenen nach eigenen Angaben überwiegend regelkonform verhalten: Nur knapp ein Fünftel gab an, gesetzliche Maßnahmen und Empfehlungen zu ignorieren. Spanier und Italiener halten sich nach eigenen Angaben am striktesten an die Vorgaben. In Deutschland zeigt sich zudem, dass mehr als die Hälfte der Befragten die Corona-Maßnahmen im April, als die Infektionszahlen wieder anstiegen, für nicht ausreichend hielt. Dem Pandemie-Management der Europäischen Union wird mehrheitlich ein mittelmäßiges Zeugnis ausgestellt. Knapp ein Drittel der jungen Europäer bewertet es als „schlecht“ und nur 16 Prozent mit „gut“.

          Besser schneidet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei den Befragten ab. 42 Prozent der Befragten bezeichneten Merkels Politik als „eher gut oder sehr gut“. Nur die jungen Griechen waren weniger zufrieden mit ihr. Dort bewerteten nur 23 Prozent ihre 16 Jahre andauernde Amtszeit positiv.

          Klimaschutz drängendstes Problem für die Politik

          Die Gesundheitspolitik gehört erstmals seit dem Start der Jugendstudie der TUI Stiftung im Jahr 2017 zu den drängenderen Problemen der EU – dieser Ansicht sind 28 Prozent der Befragten in den sieben europäischen Ländern. Allerdings führt der Umwelt- und Klimaschutz diese Liste an (41 Prozent), vor der Wirtschafts- und Finanzpolitik (32 Prozent) sowie Migration und Asyl (31 Prozent). Insgesamt interessiert sich ein Drittel aller Befragten für Politik.

          Für die Jugendstudie befragte das Meinungsforschungsinstitut YouGov im April 6253 Menschen zwischen 16 und 26 Jahren in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland und Polen. In Deutschland waren es 1004. Die Studie wird seit 2017 jährlich durchgeführt.  

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