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Früherer Sprintstar : Berufungsgericht verurteilt Oscar Pistorius wegen Mordes

  • Aktualisiert am

Oscar Pistorius bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht in Pretoria im August 2013. (Archiv-Foto) Bild: dpa

Nun also doch: Das Berufungsgericht kassiert das Urteil der Vorinstanz und spricht Oscar Pistorius des Mordes schuldig. Dem Sportler drohen nun mindestens 15 Jahre Haft.

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          Der südafrikanische Sprintstar Oscar Pistorius ist in einem Berufungsverfahren wegen Mordes an seiner Freundin Reeva Steenkamp verurteilt worden. Der Angeklagte ist „des Mordes schuldig“, da er mit „krimineller Absicht“ gehandelt habe, urteilte das Gericht in Bloemfontein am Donnerstag und verwies den Fall an die Vorinstanz zurück.

          Die vorherige Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung habe „grundlegende Fehler“ enthalten, sagte Richter Eric Leach. Wörtlich erklärte er, Pistorius habe sich mit der Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp am Valentinstag 2013 des „Mordes“ schuldig gemacht. Er hatte Steenkamp durch eine geschlossene Toilettentür erschossen.

          Dabei sei es nicht entscheidend, ob Pistorius gewusst habe, dass sich seine Freundin in der Toilette befand. Vielmehr gehe es darum, ob die Person hinter der Tür habe getötet werden können, sagte der Richter: Kein rationaler Menschen würde annehmen, er dürfe mehrfach auf eine Person schießen, ohne zumindest einen Warnschuss abzugeben. Pistorius beteuerte stets, Steenkamp für einen Einbrecher gehalten und sie in Panik erschossen zu haben. Er selbst war bei der Verlesung des Urteils in Bloemfontein nicht im Gerichtssaal.

          Haftstrafe von mindestens 15 Jahren

          Nach deutschem Recht entspricht die Verurteilung am ehesten dem Tatbestand des Totschlags. Darauf steht in Südafrika eine Haftstrafe von mindestens 15 Jahren. Unter besonders milden Umständen könnte das Gericht der ersten Instanz, das im nächsten Jahr auch das neue Strafmaß festlegen soll, eine geringere Strafe als 15 Jahre verhängen.

          Bis dahin dürfte Pistorius weiter unter Hausarrest in der Villa seines Onkels in Pretoria bleiben müssen. In einem ersten Prozess war er zu fünf Jahren Haft verurteilt, und im Oktober diesen Jahres wegen guter Führung in den Hausarrest entlassen worden. Mitte November trat er einen Sozialdienst an, den er im Zusammenhang mit dem Hausarrest ableisten muss.

          Gegen das Urteil des Berufungsgerichts hätten seine Anwälte nach Ansicht von Rechtsexperten noch die Möglichkeit, vor dem südafrikanischen Verfassungsgericht zu klagen. Dort könnte Pistorius wegen des intensiven medialen Drucks auf alle Prozessbeteiligten versuchen, das Verfahren der ersten Instanz für ungültig erklären zu lassen, sagte Strafrechtler Cliff Alexander. Pistorius Familie sagte in einer Mitteilung, sie habe das Urteil zur Kenntnis genommen, wolle es aber nicht weiter kommentieren.

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