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Scherbaums Börse : Trump oder Biden? Anleger können in beiden Fällen cool bleiben

  • -Aktualisiert am

Übertragung des letzten TV-Duells zwischen Trump und Biden Bild: dpa

Nächste Woche wird der wichtigste Job der Welt neu vergeben. Der politische Zündstoff der amerikanischen Präsidentenwahl ist auch international immens, trotzdem zeigen sich die meisten Börsenprofis im Vorfeld erstaunlich gelassen. Woran liegt das?

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          Nächste Woche um diese Zeit haben die Amerikaner hoffentlich klare Fakten geschaffen und einen neuen Präsidenten gewählt. Egal, wer am Ende diese wichtige Wahl gewinnen wird – Donald Trump von den Republikanern oder Joe Biden von den Demokraten – der Gewinner wird den politischen Rahmen der Vereinigten Staaten und auch die internationale Staatengemeinschaft in den nächsten vier Jahre maßgeblich prägen.

          Das gilt erst recht vor dem Hintergrund, dass die Amerikaner auch einen Teil des Senats und das komplette Repräsentantenhaus wählen. Der Ausgang der Kongresswahl wird daher zeigen, inwieweit der nächste Präsident seine Politik auch wirklich umsetzen kann.

          Für Anleger stellt sich dagegen die Frage, ob die Wahl wirklich größere Folgen an den Börsen mit sich bringt. Klar ist, dass Amtsinhaber Donald Trump für niedrigere Steuern und weniger Regulierung steht, während Joe Bidens Programm höhere Steuersätze für Unternehmen und wohlhabende Haushalte sowie mehr staatliche Eingriffe in Sachen Klimapolitik, Gesundheitsversorgung und Energie vorsieht.

          Börsianer sehen Biden vorn

          Viele Finanzexperten gehen davon aus, dass Joe Biden die Wahl gewinnen könnte. Sein Vorsprung könnte laut amerikanischer Wahlumfragen für einen Sieg sprechen. Dies fördert die Risikobereitschaft der Investoren trotz steigender Corona-Zahlen in vielen Industrieländern, so die Einschätzung von Experten der Investmentgesellschaft NN Investment Partners.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg
          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg : Bild: Christoph Scherbaum

          Sie verweisen auf den Stimmungsindikator Bulle-Bär-Index, der sich derzeit auf dem höchsten Stand seit Jahresbeginn befindet. Jedoch ist es nicht nur das Anwachsen von Joe Bidens Vorsprung, dass den Index steigen lässt. Unterstützende Faktoren seien ebenso das Vertrauen in die Zentralbanken, die eine lang anhaltende und deflationäre Nachfrageschwäche verhindern sollen, sowie die Hoffnung auf die Impfstoff-Bereitstellung in der ersten Hälfte des Jahres 2021 und die deutliche Erholung Chinas.

          Marktexperte Maarten-Jan Bakkum, bei NN Investment Partners, kommentiert: „Das stetige Anwachsen von Joe Bidens Vorsprung in den Umfragen war vielleicht der wichtigste positive Faktor für die Risikobereitschaft der Investoren der vergangenen Wochen. Wachsende Erwartungen auf einen klaren Biden-Sieg am 3. November haben die Bedenken hinsichtlich einer möglichen Wahlanfechtung verringert. Die Investoren preisen noch nicht das Risiko ein, dass ein Biden-Sieg in Kombination mit einer möglichen demokratischen Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses zu verschärften Regularien und höheren Steuern für amerikanische Unternehmen führen könnte. Im Moment zählt vor allem die reduzierte Ungewissheit.“

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          Auch Matthew Benkendorf, Finanzstratege bei Vontobel, verweist mit Blick auf die Vergangenheit darauf, dass zwar Marktreaktionen schwer vorherzusagen seien, dass aber Wahlergebnisse nicht derart dramatische Auswirkungen auf die Märkte hätten. „Wie die Märkte auf Wahlen reagieren, hängt von mehr ab als davon, wer gewählt wird.“ Wichtige Faktoren seien vielmehr das das Bewertungsniveau der Märkte, das wirtschaftliche Umfeld, die Konjunkturaussichten und, wohl am entscheidendsten, die Prognosen für die Unternehmensgewinne.

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