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Brillenkauf für jedermann : Welche Brille darf’s denn sein?

Bild: Rainer Wohlfahrt

Millionen Deutsche brauchen eine Brille. Doch der Kauf ist nicht einfach: Soll man im Internet bestellen oder doch lieber zum Optiker? Und welches Modell ist gerade in? Hier ein paar Entscheidungshilfen.

          4 Min.

          Cicero hatte keine Wahl. Als er mit dem Alter schlechter sah, musste ein Sklave ihm vorlesen. Der römische Philosoph klagte darüber in einem Brief an einen Freund. Das Hilfspersonal der Antike gibt es nicht mehr - dafür nun die Brille und mit ihr die Qual der Wahl. Für fünf Euro eine Lesehilfe im Drogeriemarkt kaufen? Zum Fachmann gehen? Per Internet ordern? Die Augen lasern lassen?

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor diesen Fragen steht eine Mehrheit im Land: Gut 40 Millionen Deutsche ab 16 Jahren setzen sich gelegentlich eine Brille auf die Nase, um schärfer zu sehen. Und mehr als drei Millionen drücken sich Kontaktlinsen ins Auge, so das Umfrageinstitut Allensbach. Damit helfen sechs von zehn Erwachsenen ihrer Optik nach.

          Die Gläser und Gestelle sind ein Milliarden-Business - müssen die Deutschen doch immer nachkaufen, sobald sich ihre Sehstärke spürbar ändert. Und selbst wenn sie das nicht tut: Mit immer neuen Trends animieren die Hersteller dazu, eine weitere Brille zu erwerben. Manchmal sind es auch uralte Trends, nur neu aus der Kiste geholt. Mode halt. Diese Woche trifft sich die Branche zur Fachmesse Opti in München. Optiker und Trendscouts diskutieren dort über neueste Formen und Farben. Und der normale Brillenträger? Muss sich trotz scharfer Sicht anstrengen, den Durchblick zu bewahren bei all der Vielfalt.

          Besuch beim Filialanbieter Apollo im Frankfurter Europaviertel. Hunderte Fassungen stehen zur Ansicht auf kleinen Plastikhaltern: Mehrere hundert Euro kann ausgeben, wer eine Gleitsichtbrille will, also ein Modell, in dem beide Gläser jeweils verschiedene Brechwerte aufweisen - fürs Sehen in nah und fern. Wem einfachste Gläser genügen und dazu die billigsten Gestelle, kommt mit 19 Euro aus.

          Was aber auswählen? Farblich gesehen, kann dezent nicht schaden. Ein Tipp vom Branchenführer: „Im Trend liegen Kunststoff-Fassungen in Havanna und Schwarz“, sagt Günther Fielmann, Gründer und Chef der gleichnamigen Kette. Havanna, zur Erinnerung, ist Braun mit hellen Einsprengseln. Mit der klassischen Pilotenbrille - meist als Sonnenbrille angeboten - sei man nach wie vor gut angezogen. Generell gilt: „Sonnenbrillen werden größer.“

          Muss der Kunde noch ins Fachgeschäft?

          Wer hip ist, öffnet seinen Blick für unkonventionelle Materialien. Holz etwa - aber auch Stein, Bambus und Papier sind gefragt. Ebenfalls noch immer angesagt: auffällige, klobigere Brillen. „Dicke Fassungen - die sind ein klarer Trend“, sagt ein Sprecher der Messe. Jeder kennt ja mindestens einen solchen Fall im Bekanntenkreis: Saß da eben noch eine randlose, kaum sichtbare Brille in unauffälligem Gesicht, thront plötzlich ein mächtiges Horngerät auf der Nase und ruft: „Schaut auf dieses Antlitz!“ Alle haben auch Alexander Dobrindt vor Augen, Verkehrsminister und vormals CSU-Generalsekretär, der eines Tages mit Monsterbrille vor die Welt trat. Geraume Zeit schon werden diese Brillen durchs Land getragen. Aber auf jeden Trend folgt ein Gegentrend - zeichnet sich da etwas ab?

          Besuch beim Einzelhändler. „Rainer Brenner Augenoptik“ auf der Goethestraße, Frankfurts Nobelviertelmeile. „Die Fassungen sind nach wie vor groß, aber die Rahmen werden jetzt eher schmaler“, sagt Geschäftsführerin Nadine Brenner. Rund 5000 verschiedene Fassungen sind hier erhältlich. Knapp 300 Euro - darunter geht hier keine Brille über den Tisch. Ein typischer Preis liegt zwischen 400 und 600 Euro für ein Modell mit Einstärkengläsern, also nicht Gleitsicht.

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