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Wolfgang Kirsch : Fresenius bekommt einen Banker als Aufsichtsratschef

Tritt in große Fußstapfen: Wolfgang Kirsch Bild: dpa

Der Nachfolger von Konzern-Ikone Gerd Frick an der Spitze des Kontrollgremiums hat viele Jahre die DZ Bank als Vorstandsvorsitzender geprägt. Mit ihm bekommt Fresenius einen guten Moderator und versierten Banker, der vor kurzem der Commerzbank einen Korb gab.

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          Eine Ära geht zu Ende: Der Gesundheitskonzern Fresenius bekommt mit dem ehemaligen DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden. Kirsch übernimmt das Amt mit Ablauf der Hauptversammlung im Mai nächsten Jahres von Gerd Krick, wie der Dax-Konzern am Dienstag mitteilte.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Der 82 Jahre alte Krick führt den Vorsitz des Kontrollgremiums schon seit dem Jahr 2003, war zuvor zudem von 1992 bis 2003 der Vorstandsvorsitzende. Insgesamt ist er seit 45 Jahren in leitenden Positionen im Unternehmen tätig. Krick soll zum Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrats ernannt werden. Des Weiteren hat der Aufsichtsrat den Vertrag des Fresenius-Vorstandsvorsitzenden Stephan Sturm um fünf Jahre verlängert. Der 57 Jahre alte Sturm ist seit Juli 2016 in dieser Funktion tätig, zuvor war der frühere Investmentbanker elf Jahre lang im Vorstand für das Finanzressort verantwortlich.

          Krick kam im Jahr 1975 als Geschäftsführer für Forschung, Entwicklung, Produktion und Technik zu Fresenius. In dieser Zeit entstanden wichtige Entwicklungen wie die ersten eigenen Dialysatoren. Auch der Ausbau des Blutwäschegeschäfts, das in der börsennotierten Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care gebündelt ist, geht auf ihn zurück. Zudem hat er den Einstieg in das Krankenhausgeschäft maßgeblich vorangetrieben. „Fresenius sehe ich für die Zukunft sehr gut gerüstet und auch weiterhin in besten Händen“, sagte Krick. Mit seinem Nachfolger Kirsch arbeite er seit Beginn des Jahres eng zusammen.

          Kirsch hat sich als fähiger Moderator erwiesen

          Der 65 Jahre alte Kirsch hat im Dezember 2018 das Amt des Vorstandsvorsitzenden der DZ Bank niedergelegt, doch nach wie vor ist er im Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken sehr präsent. Dies liegt auch an den Mandaten, die Kirsch auch nach der Staffelübergabe an die neue Vorstandsdoppelspitze aus Cornelius Riese und Uwe Fröhlich ausübt. So ist Kirsch im Beirat des Schraubenhändlers Würth, im Mai 2020 wurde er Mitglied des Boards des amerikanischen Agrarunternehmens Agco, und nun kommt der Aufsichtsratsvorsitz im Gesundheitskonzern Fresenius hinzu, dem Kirsch schon viele Jahre im Beraterkreis der Else Kröner-Fresenius-Stiftung verbunden ist. Als der Bund als größter Aktionär der Commerzbank dort in diesem Sommer einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden suchte und das Interesse von Kirsch auslotete, sagte der nach Informationen der F.A.Z. ab.

          Ins Rampenlicht trat Kirsch am Finanzplatz Frankfurt eher überraschend. Im Jahr 2002 von der Deutschen Bank gekommen, setzte sich der Rheinländer 2006 in einem Dreikampf um die Nachfolge des DZ-Vorstandsvorsitzenden Ulrich Brixner gegen Thomas Duhnkrack und Alexander Erdland durch. Mit ruhiger Hand führte Kirsch die DZ Bank durch die Finanzkrise. Im Jahr 2016 gelang ihm die mehrmals gescheiterte Fusion mit der WGZ-Bank. Mit Kirsch gewinnt Fresenius nicht nur einen hochkarätigen Banker mit Schwerpunkt auf dem Risikomanagement, sondern auch einen guten Moderator.

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