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Zweifelhafte Analysen : Prozessfinanzierer Burford beklagt Marktmanipulation

  • -Aktualisiert am

Die Gründer von Burford Capital im Jahr 2012 Bild: FRED R CONRAD/The New York Times

Vorgetäuschte Verkäufe könnten den Aktienkurs des Prozessfinanzierers Burford zum Absturz gebracht haben. Involviert ist wieder der Leerverkäufer Muddy Waters, bekannt von ähnlichen Vorfällen bei Groupe Casino und der deutschen Ströer.

          Der angeschlagene amerikanische Prozessfinanzier Burford Capital wehrt sich gegen die Angriffe des Leerverkäufers Muddy Waters. Burford spricht von „Marktmanipulation“. In einer Mitteilung an die Londoner Börse LSE argumentiert der Prozessfinanzierer, eine „forensische Untersuchung“ der Handelsdaten vom 6. August (an diesem Tag veröffentlichte Muddy Waters per Twitter seine vernichtenden Kommentare) und 7. August zeige „illegale Aktivitäten“. In London wird spekuliert, dass eine Schadenersatzklage vorbereitet wird. Das Unternehmen wollte das am Montag noch nicht bestätigen.

          Wie berichtet war nach den Muddy-Waters-Kommentaren der Aktienkurs von Burford an einem Tag um mehr als 60 Prozent abgestürzt; fast 2 Milliarden Pfund wurden vernichtet. Die Finanzspekulationsfirma Muddy Waters (wörtlich „Schlammwasser“), die in der Branche einen durchaus zweifelhaften Ruf genießt, hatte Burford als „armes Unternehmen“ bezeichnet, in dessen Prozessen es um „esoterische“ Vermögenswerte gehe. Später fügte sie hinzu, Burford sei „wohl insolvent“.

          Am Wochenende schoss sich noch ein zweiter Leerverkäufer, Gotham City Research (in Deutschlkand bekannt wegen seiner Aktivitäten in der Aktie des Beteiligungsunternehmens Aurelius) auf Burford ein: Das amerikanische Unternehmen sei „ungenügend finanziert“. Leerverkäufer spekulieren auf fallende Kurse. Ihre negativen Kommentare können, wenn andere ihnen glauben, Profite für sie generieren. Gotham City sagte, sie hätten derzeit keine Position in Burford-Papieren. Bei Muddy Waters könnte das anders sein.

          BURFORD CAP LD

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          Burford spricht von einer „Leerverkäufer-Attacke“ mit betrügerischen Täuschungen („Spoofing“ und „Layering“). Dabei werden Verkäufe vorgetäuscht, um die Marktteilnehmer über das tatsächliche Ausmaß an Angebot und Nachfrage hinters Licht zu führen. Burford beruft sich auf eine Untersuchung eines externen Fachmanns, Professor Joshua Mitts von der Columbia Law School in New York, der sich auf die Analyse von Marktdaten spezialisiert hat. Er habe herausgefunden, dass am 6. August im Volumen von 90 Millionen Pfund Verkaufsordern aufgegeben und dann storniert wurden. Das habe zu dem Kursabsturz um 60 Prozent in zehn kurzen Handelsperioden von rund einer Minute geführt. Am nächsten Tag habe es noch ein größeres Volumen solcher stornierten Aufträge gegeben.

          Der Burford-Aktienkurs erholt sich am Mittwoch um 5 Prozent, liegt aber um mehr als 40 Prozent unter dem Niveau vom 5. August, vor den Twitter-Kommentaren von Muddy Waters. Ein Sprecher der Börsenaufsicht Financial Conduct Authority (FCA) teilte mit, dass man schon eine Untersuchung eingeleitet habe. Muddy Waters kommentierte am Montag trocken: Die „einzige Manipulation“, die es gebe, finde in Burfords Geschäftsberichten statt.

          Ein Prozessfinanzierer verdient damit Geld, indem er in Rechtsstreitigkeiten der Klägerseite die Kosten vorfinanziert und am Ende im Erfolgsfall ein Honorar oder eine Beteiligung erhält. Die 2009 von Jonathan Molot und Christopher Bogart gegründete Burford Capital ist in Deutschland an den Massenklagen von Zehntausenden VW-Kunden beteiligt. Besonders groß ist ihr Geschäft in den Vereinigten Staaten. Wie viel die Firma wert ist, hängt an dem Streitwert und der Erfolgswahrscheinlichkeit der von ihr finanzierten Prozesse.

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