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Hoher Emissionserlös : Teamviewer mit durchwachsenem Börsenstart

  • Aktualisiert am

Ist nun an der Börse angekommen: Das Software-Unternehmen Teamviewer mit Vorstandschef Oliver Steil. Bild: Reuters

Die Aktien von Teamviewer haben ein durchwachsenes Börsendebüt hingelegt. Dennoch ist es der größte Tech-Börsengang seit dem Platzen der Dotcom-Blase.

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          Das Softwareunternehmen Teamviewer hat am Mittwoch einen durchwachsenen Börsenstart hingelegt. Nachdem der Eigner der Firma, der Finanzinvestor Permira, mit dem Verkauf der Aktien gut 2,2 Milliarden Euro eingenommen hatte, ging es nach dem Handelsstart in einem schwachen Marktumfeld erst einmal abwärts.

          Am Vormittag kosteten die Papiere kurzzeitig sogar weniger als 25 Euro und lagen damit unter dem Angebotspreis. Den hatte Permira am Vorabend auf 26,25 Euro festgelegt.

          Größter deutscher Tech-Börsengang seit Infineon

          Nichtsdestotrotz ist Teamviewer der größte Tech-Börsengang seit dem Platzen der Dot-Com-Blase. Zuletzt war es im Frühjahr 2000 beim Börsengang des damals zum Siemens-Konzern gehörenden Chipherstellers Infineon mit rund sechs Milliarden Euro mehr gewesen.

          Finanzchef Stefan Gaiser zeigte sich deshalb trotz des durchwachsenen Starts zufrieden. „Ich bin sehr zufrieden mit dem ganzen Prozess“, sagte er. Der gesamte Emissionserlös geht an Permira. Der Finanzinvestor hatte Teamviewer 2014 für 870 Millionen Euro gekauft und hält künftig noch gut 60 Prozent der Anteile.

          „Wir brauchen ja kein zusätzliches Geld für unser Wachstum“, sagte Gaiser. „Das schaffen wir aus eigener Kraft.“ Teamviewer erhofft sich durch den Börsengang mehr Aufmerksamkeit - vor allem im Großkundenbereich. Die Konjunkturabkühlung dürfte dem Softwarekonzern nichts anhaben. „Teamviewer ist durch alle Zyklen gewachsen“, sagte Gaiser. „Unsere Programme können Firmen in einem konjunkturellem Abschwung dabei helfen, Reisekosten einzusparen und Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten.“

          Teamviewer hat sich bei seinen künftigen Aktionären mit guten Wachstumsaussichten beworben. Für dieses Jahr wird bei den in Rechnung gestellten Umsätzen laut dem Börsenprospekt ein Wachstum von bis zu 39 Prozent auf bestenfalls 320 Millionen Euro erwartet. Das Unternehmen war zuletzt äußerst profitabel. Nach Angaben des Unternehmens sind für das laufende und das kommende Jahr noch keine Dividenden geplant.

          Unternehmen zögern weiterhin beim Börsengang

          Trotz teilweise guter Aussichten sind die Unternehmen angesichts der politischen Unsicherheiten und einer sich abschwächenden Konjunktur weiterhin mit Börsengängen noch zurückhaltend: Im traditionell wenig aktiven dritten Quartal wurden nach Angaben des weltweiten IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY (Ernst & Young) weltweit 256 Börsengänge gezählt, das waren 24 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das Emissionsvolumen sank um 22 Prozent auf 40 Milliarden Dollar.

          In China lagen demnach die Emissionserlöse mit 19,0 Milliarden Dollar deutlich – um 32 Prozent – unter dem Niveau des starken Vorjahresquartals. Die Zahl der IPOs stieg hingegen von 83 auf 88 – auch dank der erfolgreich neu eingeführten Technologiebörse STAR. Der amerikanische Markt entwickelte sich laut EY mit 39 IPOs (minus 30 Prozent) und einem Emissionsvolumen von 12,0 Milliarden Dollar (minus 6 Prozent) ebenfalls schwach.

          Dagegen liegt im Verhältnis Europa bei den Einnahmen aus Börsengängen mit 3,5 Milliarden Dollar auf Vorjahresniveau - jedoch auch Dank des heutigen Börsengangs von Teamviewer, dass mit einem Volumen von mehr als 2,2 Milliarden Euro den größten Anteil bei den europäischen Börsengängen hat. Die Zahl der IPOs an europäischen Börsen ging dagegen um 42 Prozent von 38 auf 22 zurück – vor allem aufgrund der sehr schwachen Entwicklung an den britischen Börsen, wo nur noch ein Börsengang stattfand, so die EY-Studie weiter.

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