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Aktien Fernost : Japan ist besser als sein Ruf

Die Kurse in Japan sind besser als viele annehmen. Bild: AP

Auch wenn zuletzt Zinssorgen für Abschläge gesorgt haben: Japanische Aktien sind so begehrt wie seit Jahrzehnten nicht. Die Unternehmen verdienen gut, die Notenbank pumpt viel Geld in den Markt. Eine Chance für Anleger.

          Der aktuelle Wirtschaftsboom hat alle Regionen der Welt erfasst, darunter auch solche, die schon so gut wie totgesagt waren. Zum Beispiel den Euroraum, der vor einiger Zeit als Auslaufmodell galt. Inzwischen wächst die Wirtschaft ordentlich, selbst in den ärgsten Euro-Krisenländern von gestern.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Noch überraschender erscheint der Aufschwung eines Landes, das von vielen Anlegern schon vor Jahren abgeschrieben wurde. Wenn es um Japan ging, war von überalterter Gesellschaft, schwacher Produktivität, geringen Wachstumsaussichten und gefährlich fallenden Preisen die Rede. In Fernost nichts Neues, so lautete das überlieferte Credo.

          Das alte Bild

          Dass es nun anders ist, hat aber noch nicht jeder mitbekommen. Noch immer halten viele Anleger „am alten Bild“ von Japan fest, heißt es von Blackrock, dem größten Vermögensverwalter der Welt. Dabei ist es an der Zeit für einen frischen, unverstellten Blick, denn es tut sich etwas in Japan. Die Wirtschaft wächst von einem Quartal zum nächsten, und das seit fast zwei Jahren und damit so lange wie nur einmal zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg.

          Nur langsam spricht es sich herum, dass Japan seine wirtschaftlichen und demographischen Probleme zwar nicht gelöst hat, doch die Unternehmen gut verdienen und die Börsen attraktiv sind. Sowohl der Aktienindex Nikkei mit seinen 225 Firmen als auch der breiter gefasste Topix haben jüngst den höchsten Wert seit Anfang der 1990er Jahre erreicht. „Nach verlorenen Jahrzehnten ist Japans Wirtschaft und Aktienmarkt zurück zur Normalität gelangt“, sagt Lilian Haag, die als Fondsmanagerin der Deutsche Asset Management die japanischen Aktien besonders im Blick hat.

          Große Investoren wissen Japan wieder zu schätzen. Dass die Vermögensverwalter von Blackrock, Goldman Sachs, State Street und vielen anderen Gesellschaften verstärkt auf fernöstliche Werte setzen, hat viele Gründe. Allen voran: Die Gewinne der Unternehmen steigen, und das mittlerweile im vierten Jahr in Folge.

          NIKKEI

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          Hinzu kommt, dass die Gewinnspannen, die im internationalen Vergleich viele Jahre ziemlich dürftig ausfielen, inzwischen größer werden. Wobei weiteres Potential durchaus vorhanden ist, was die liberaldemokratische Regierung um Premierminister Shinzo Abe aus den Unternehmen herauskitzeln will. „Die Abe-Regierung hat einen gesetzlichen Rahmen geschaffen, der die Unternehmen dazu zwingt, effizienter zu arbeiten“, sagt Fondsmanagerin Haag. Allmählich greifen die Wirtschaftsreformen, die Abes Regierung seit 2013 durchgesetzt hat, um das Land wettbewerbsfähiger zu machen.

          Der schwächere Yen hilft

          Attraktiv sind japanische Aktien nicht zuletzt deshalb, weil sie im internationalen Vergleich günstig sind. Während das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) amerikanischer und europäischer Aktien über dem Durchschnittswert der vergangenen fünfzehn Jahre liegt, befindet sich das KGV im Nikkei bei 15 und damit exakt auf dem langjährigen Mittelwert. Zwar sind die Aktienkurse allein im vergangenen Jahr um fast 20 Prozent gestiegen, doch haben gleichzeitig die für die kommenden zwölf Monate erwarteten Unternehmensgewinne stark angezogen.

          Zugute kommt den japanischen Konzernen der schwache Yen, der gegenüber Währungen wie dem Dollar und dem Euro stark an Wert verloren hat. Dadurch werden japanische Waren auf dem Weltmarkt günstiger. Grund für den schwachen Yen ist, dass die japanische Notenbank eine Geldpolitik verfolgt, die noch ein ganzes Stück lockerer als jene der Europäischen Zentralbank ist und damit viel zum Aufschwung an den Börsen beiträgt.

          Die Bank of Japan hält die Zinsen niedrig und kauft nicht nur Anleihen wie die EZB, sondern auch Aktien-ETF – und zwar für mehr als 50 Milliarden Dollar im Jahr. Die Notenbank kann folglich gar kein Interesse daran haben, dass die Börsen nachgeben. Wie lange die ultralockere Geldpolitik in Japan anhält, ist allerdings fraglich. Denn die Zentralbank kann längst nicht mehr in so großem Stil Anleihen kaufen, wie sie vorhat – es mangelt nämlich bald an Verkäufern.

          Kein Platz für Dividendenjäger

          Außerdem könnte die Inflation, wie von der Bank of Japan erwünscht, langsam auf einen Wert von zwei Prozent steigen. Viele Firmen haben die Preise schon erhöht, zudem sollte der Mangel an Arbeitskräften dazu führen, dass die Löhne und somit die Preise weiter steigen. Japans Regierung plant sogar weitere Steuererleichterungen für Unternehmen; zwar nicht in so großem Umfang wie Trumps Steuerreform in Amerika, aber immerhin. So hat die Regierung Abe beschlossen, Unternehmen für drei Jahre Steuererleichterungen zu gewähren, wenn sie ihren Angestellten höhere Löhne zahlen.

          Bis jetzt horten japanische Konzerne enorme Barbestände, obwohl sie seit einiger Zeit vermehrt in neue Maschinen und die Automatisierung investieren. Auf die Idee, ihre Anteilseigner ausgiebig an den Gewinnen zu beteiligen oder eigene Aktien zurückzukaufen, kommen vergleichsweise wenige Unternehmen.

          Insofern erscheint ein Dividendenfonds, der auf japanische Aktien setzt, für Anleger weniger attraktiv als ein ETF, der einen Index abbildet. So bildet der ETF von iShares den Nikkei ab, den breiteren Topix der währungsgesicherte Amundi-ETF Japan Topix. Ebenfalls in Euro abgesichert ist der db x-trackers MSCI Japan, der dem entsprechenden Index folgt. Wenn schon Japans Notenbank auf Indexfonds setzt, liegt der Privatanleger kaum falsch.

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