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TecDax : Kein guter Tag für deutsche Technologieaktien

Bei SMA Solar gibt es derzeit weniger zu tun Bild: dpa

Gleich drei TecDax-Aktien stehen am Freitag unter Druck. Das zieht auch den Index nach unten. Das allein ist zwar Kein Grund für Unkenrufe, doch das Klima war auch schon besser.

          Der 19. Oktober ist schon ein denkwürdiges Börsendatum. In diesem Jahr wird er wohl Tec-Dax-Anlegern im Gedächtnis bleiben. Gleich drei Ergebniswarnungen zogen den Index in die Tiefe, der um 1,8 Prozent auf 812 Punkte fällt und damit weit entfernt ist von irgendwelchen Rekorden.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch diesmal ist es ein Solarwert, der allen voran für das Drama sorgt. Um knapp 30 Prozent fällt der Kurs von SMA Solar, einer von zwei im TecDax verbliebene Solarwerten. Einst machten diese ein Viertel des Index‘ aus.

          SMA Solar stürzt ins Solartränental

          Grund für den Kurssturz von SMA Solar sind schwache Prognosen. Die massiven Förderkürzungen für Photovoltaik ließen den europäischen Photovoltaikmarkt einbrechen. Der Umsatz des Weltmarktführers bei Wechselrichtern werde 2013 auf 0,9 bis 1,3 Milliarden Euro nach erwarteten 1,3 Milliarden bis 1,5 Milliarden Euro in diesem Jahr zurückgehen. Ob unter dem Strich ein Gewinn bleibe, sei ungewiss.

          Ab 2014 könnte SMA wieder zur Profitabilität zurückkehren. Dies gilt allerdings nur dann, wenn es gelinge, durch Innovationen die Herstellungskosten zu reduzieren und den Markt für Energiemanagement- und Solar-Diesel-Hybrid-Systeme zu erschließen. Hier werden Dieselaggregate mit Photovoltaik ergänzt.

          Bisher war SMA in einer trüben Branche so etwas wie ein Fels in der Brandung. Preisdruck und Konkurrenz aus Asien waren bei Wechselrichtern bei weitem nicht so groß wie bei Modulen. 2011 erzielte das Unternehmen das zweitbeste Ergebnis seiner Geschichte.

          Margendruck bei Stratec

          Um rund 14 Prozent fällt dagegen der Kurs von Stratec Biomedical. Das Diagnostik- und Biotechunternehmen senkte die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 120 bis 125 Millionen Euro. Bisher hatte die Unternehmensführung 125 bis 139 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Auch die betriebliche Gewinnspanne sollt nur noch 14 bis 16 Prozent statt wie ursprünglich prognostiziert 17 bis 19 Prozent erreichen.

          Grund seien eine schwächere Nachfrage nach Verbrauchsmaterial, verzögerte Markteinführungen und geringere Gewinne bei Analysesystemen an. Das kommt sehr plötzlich, denn in den ersten neun Monaten war der Umsatz um gut neun Prozent auf 87,6 Millionen Euro gewachsen. Allerdings war die Marge schon abgesunken.

          Analyst Sven Kürten von der DZ Bank sieht eine große Enttäuschung. Die gab es auch vom Biotech-Unternehmen Evotec, dessen Kurs allerdings nur um 6,5 Prozent fällt. Aufgrund der Verschiebung von Meilensteinzahlungen wird der operative Ergebnis in diesem Jahr voraussichtlich sinken. Bisher hatte Evotec einen operativen Gewinn über den 5,8 Millionen Euro des Vorjahres in Aussicht gestellt.

          Stoppkurse beschleunigen Kursverfall

          Ein Händler aber bewertete den Kursrutsch als übertrieben. „Das Geld aus den Meilensteinzahlungen wird fließen, zwar nicht in diesem, aber doch im nächsten Jahr“. Offensichtlich hätten einige Anleger nach den vorherigen Gewinnwarnungen von SMA Solar und Stratec Biomedical schnell ihre Aktien verkauft, ohne den Gehalt der Meldung von Evotec genau zu analysieren. Dadurch seien eine Reihe automatischer Verkaufsaufträge zur Verlustverringerung ausgelöst worden, die in einer Art Kettenreaktion den Kurs im Tagestief um fast 15 Prozent drückten.

          Letzteres ist an einem Crash-Jubiläum irgendwie schon denkwürdig. Die Börse funktioniert immer noch wie damals. Es gibt zwar mehr Sicherungsmechanismen, aber die Automatismen sorgen immer noch für Unruhe. Man kann daher schon fast froh sein, dass es sich nur um Evotec handelte und nicht um die fast zehn Mal so hoch kapitalisierten United Internet und Qiagen. Denn das hätte sich im TecDax deutlich bemerkbar gemacht und am Ende noch zu Verkäufen im Index geführt.

          Schwache Vorzeichen

          Tatsächlich aber sind alle drei Meldungen voneinander isoliert zu sehen. Bei Evotec handelt es sich um eine Verschiebung, bei SMA Solar um eine Branchenkrise, die aus der Künstlichkeit des vorangegangenen Booms resultiert. Bei Stratec ist die Tragweite über das Unternehmen hinaus schwer einzuschätzen. Angesichts der geringen Umsatzgröße sind allerdings volatile Entwicklungen nie ganz auszuschließen.

          Indes sind die Vorzeichen für Technologiewerte derzeit eher schwach. Amerikanische Technologieriesen wie Google und Microsoft enttäuschten am Donnerstag. AMDs Krise geht weiter, auch Intel und IBM konnten nicht begeisterten. Die PC-Hersteller Dell und HP stecken in der Krise und Apple macht zunehmend der Erwartungsdruck zu schaffen.

          Andererseits ist der TecDax zwar kein SolarDax mehr, aber immer noch kein reiner Technologie-Index. Noch nicht einmal zwei Drittel der Marktkapitalisierung entfallen auf Technologie-Aktien, aber fast ein Drittel auf Aktien aus der Bio- und Medizintechnik, die anderen Gesetzen gehorchen. Knapp 5 Prozent entfallen noch auf die Erneuerbaren Energien. Just diese aber sorgen am Freitag für den Kursdruck. Insofern bleibt die weitere Entwicklung im TecDax abzuwarten.

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