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Software AG : Kurseinbruch, aber keine Katastrophe

Die Software AG muss wohl noch weiter polieren Bild: ddp images/dapd/Nigel Treblin

Heftig bricht der Aktienkurs der Software AG am Dienstag ein, nachdem die Geschäftszahlen des Unternehmens enttäuschten. Für langfristige Investoren könnte es eine Gelegenheit sein.

          Noch hat die Berichtssaison in Deutschland noch nicht so richtig begonnen, da hat sie schon ihre erste negative Überraschung gebracht. Um knapp 15 Prozent bricht der Kurs der Software AG ein, nachdem das Unternehmen am Dienstag seine Jahresbilanz vorgelegt hat.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei ist das Unternehmen nicht irgendwer: Es ist Deutschlands zweitgrößtes Software-Unternehmen und stand nach Marktkapitalisierung am Montag noch auf Platz 51 an den deutschen Börsen. Heute ist es nur noch Platz 54.

          Datenbankgeschäft weiter auf dem Rückzug

          Das vierte Quartal zeigte einen Rückgang von Umsatz und Ergebnis. Der Gesamtumsatz des Konzerns sank um 5,9 Prozent auf 276,7 Millionen Euro, der Reingewinn auf gut 50 von 52 Millionen Euro. Grund ist ein weiter schwächeres Geschäft in Amerika sowie die Investitionen des Konzerns in Vertrieb und Forschung.

          Immerhin erreichte das Unternehmen seine eigenen Jahresziele. Die betriebliche Marge belief sich sogar auf 27,2 Prozent. Angestrebt hatten die Darmstädter 23 bis 24,5 Prozent. Allerdings hatten Analysten mit einem Umsatz von 54 Millionen Euro und ein höheres Betriebsergebnis als die erzielten  75,4 Millionen Euro erwartet..

          Der Produktumsatz stieg zwar um 4 Prozent auf 196,8 Millionen Euro, im Geschäft mit Produkten zur schnellen Datenanalyse (BPE) sogar um 12,2 Prozent. Das bedeutete aber auch, dass das traditionelle Datenbankgeschäft (ETS) um 4,3 Prozent auf 78 Millionen Euro schrumpfte.

          Lückenhafter Ausblick

          Schon seit längerer Zeit laboriert die Software AG daran herum, ihr Geschäft auf stabilere Füße zu stellen. Zu lange hatte man sich auf die Pflege von Bestandskunden verlassen und Investitionen in den Vertrieb vernachlässigt. Insgesamt enttäuschen die Quartalsergebnisse schon eine ganze Weile und jetzt scheint den Anlegern der Geduldsfaden gerissen zu sein. Dies gilt um so mehr als, der Ausblick, dem Prognosen für die Margenentwicklung fehlen, als lückenhaft eingestuft wird.

          Die Software AG gab lediglich bekannt, der BPE-Produktumsatz werde währungsbereinigt um 16 und 22 Prozent steigen, der ETS-Umsatz währungsbereinigt um 4 bis 9 Prozent fallen. 2018 soll der BPE-Umsatz erstmals die Marke von 1 Milliarde Euro übersteigen.

          Anhaltende Transformation

          Insgesamt macht die jüngste Entwicklung damit wenig Hoffnung, dass sich die Lage des Unternehmens so schnell verbessert, wie sich das mancher wünschen mag. Vorstandschef Karl-Heinz Streibich bemüht sich zwar um gute Stimmung. „2012 war ein Jahr der Transformation“, sagte er der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. In diesem Jahr will er wieder Marktanteile gewinnen, technologisch sei man stark. Das bezweifelt eigentlich auch niemand.

          Den wunden Punkt aber nennt Streibich auch selbst:  „Es geht darum, die Vermarktung in vielen Ländern weiterzuentwickeln.“ In den Vereinigten Staaten zeigen sich im Produktumsatz Erfolge, BPE laufe dort gut. das vierte Quartal sei in den Vereinigten Staaten ein fulminanter Erfolg gewesen.

          Das Unternehmen war nicht schnell genug gewesen, als es darum ging, den Vertrieb an die veränderten Gegebenheiten – weg von Großrechnern hin zur Integrations- und Prozess-Software – anzupassen und zahlt nun den Preis.

          Hinzu kommt, dass aus dem Erwerb der IDS Scheer weiter Belastungen folgen. 2009 hatte die Software AG das des SAP-Beratungsunternehmen gekauft. Schon damals steckte Scheer in der Restrukturierung. Und die Wende blieb aus: Von knapp 400 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2008 fiel dieser auf nun nur noch 125 Millionen Euro. Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass das Produkt ARIS im Geschäftsbereich BPE aufging, der 2009 68 Millionen Euro Umsatz verbuchte, zeigt sich ein deutlicher Rückgang. Letztlich aber war wohl der Erwerb von ARIS damals auch das eigentliche Ziel.

          Einsteigen oder Zuwarten

          Mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp 15 für das laufende und rund 14 für das kommende Jahr erscheint die Aktie derzeit eher höher bewertet als es für Kursgewinne günstig wäre. Derzeit hat der Kurs an der Unterstützungslinie im Bereich von 29,90 Euro halt gemacht, was ein gutes Zeichen ist, solange es dabei bleibt.

          Grundsätzlich ist das Unternehmen solide und bietet eine Software-Lösung mit vielversprechendem Potential. Doch scheint die Transformation noch nicht bewältigt. Langfristige Investoren können den derzeitigen Kurs zum Aufbau von Positionen nutzen, auch wenn die großen Kursgewinne wohl noch etwas auf sich warten lassen werden.

          Wer opportunistischer investiert, könnte daher auch noch etwas zuwarten. Denn hält die Unterstützung knapp unter 30 Euro noch, könnte auch ein Rückfall auf ein fundamental günstiges Niveau von 22 bis 24 Euro folgen.

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