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Risikoaufschläge steigen : So zeigt sich die Angst um die Deutsche Bank

Wie steht es um die Deutsche Bank? Die Anleger an der Börse sind sich darüber derzeit sehr unsicher. Bild: AFP

Ganz verschiedene Wertpapiere signalisieren eine wachsende Sorge der Anleger um die Deutsche Bank. Es geht zum Beispiel um sogenannte Coco-Bonds.

          Nach dem Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2015 bei der Deutschen Bank erreichten die Sorgen am Anleihemarkt an diesem Montag einen Höhepunkt: Die Prämie für die Kreditausfallversicherung, den sogenannten Credit Default Swap (CDS), stieg auf 2,2 Prozentpunkte, das höchste Niveau sei dreieinhalb Jahren. Die Absicherung einer Forderung von 100.000 Euro kostet damit eine jährliche Prämie von 2200 Euro.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch für andere Banken sind die Risikoaufschläge gestiegen. Für die Commerzbank kostet die jährliche CDS-Prämie 1660 Euro. Vor gut einer Woche waren für die Deutsche Bank noch 1360 Euro und für die Commerzbank 1130 Euro aufgerufen worden.

          Ähnlich wie am Aktienmarkt steht die Deutsche Bank auch am Anleihemarkt noch deutlicher unter Druck als die anderen Bankenwerte, die von den Investoren derzeit ebenfalls gemieden werden. Seit März 2015 hat sich die CDS-Prämie der Deutschen Bank fast vervierfacht. Das im Umlauf befindliche CDS-Volumen auf die Deutsche Bank beträgt derzeit knapp 3,2 Milliarden Dollar. Anfang 2010 lag es noch mehr als doppelt so hoch.

          Für die riskanteren Nachrang-Anleihen der Deutschen Bank müssen die Gläubiger sogar eine Versicherungsprämie von 4,4 Prozentpunkten zahlen. Die Investoren zweifeln an der dauerhaften Fähigkeit der Deutschen Bank, die hoch verzinsten Hybridanleihen, die von den Aufsehern als Ergänzungskapital anerkannt werden, bedienen zu können.

          Diese Titel werden in Eigenkapital gewandelt, wenn bestimmte aufsichtsrechtliche Kapitalvorgaben nicht erreicht werden. Ob diese Nachrang-Anleihen gewandelt werden müssen, darüber entscheiden auch die Aufsichtsbehörden. Das ist im Falle der Deutschen Bank die Europäische Zentralbank (EZB).

          Was ist mit den Coco-Bonds?

          Zwar hatte Finanzvorstand Marcus Schenck den Investoren die unmittelbare Sorge genommen, dass die Mittel für die Ausschüttung in diesem Jahr nicht reichen könnten. Diese Zahlungsverpflichtung beträgt insgesamt 852 Millionen Euro. Davon entfallen knapp 350 Millionen Euro auf die neuen Hybridanleihen, von denen die Deutsche Bank insgesamt 4,6 Milliarden Euro begeben hat. Den Puffer an für Ausschüttungen fähigen Mittel bezifferte Schenck auf 2,9 Milliarden Euro.

          Das auf Anleihen spezialisierte Analysehaus Credit Sights ist nicht um die Ausschüttung in diesem Jahr besorgt, sondern um die Zahlung der Zinsen im kommenden Jahr. So erwarten die Analysten der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley einen Aufwand der Deutschen Bank für Rechtsstreitigkeiten von 3,5 Milliarden Euro. Die Titel, die am Finanzmarkt Coco-Bonds (die Kurzform für die englische Bezeichnung Contingent Convertible Bonds) heißen, werden deutlich höher verzinst als gewöhnliche Anleihen, weil sie deutlich riskanter sind. Die Coco-Bonds der Deutschen Bank über 1,75 Milliarden Euro werden jährlich mit 6 Prozent verzinst. Dieser Titel hat nur noch einen Kurs von 75 Prozent des Nominalwerts (100 Prozent). Vergleichbare Anleihen der Credit Suisse oder der UBS notieren gegenwärtig mit mehr als 100 Prozent.

          Doch die Bank teilte am Montagabend in Frankfurt mit, dass trotz des Rekordverlusts im vergangenen Jahr die finanziellen Mittel ausreichen würden, um 2016 die Zinsen für die 2014 ausgegebenen nachrangigen Schuldverschreibungen, sogenannte Cocos, bezahlen zu können.

          Abermals verlor der Aktienkurs der Deutschen Bank am Montag stärker als der Gesamtmarkt. Bis kurz vor Handelsschluss büßte der Kurs 6,6 Prozent auf 14,27 Euro ein. Die Analysten der Berenberg Bank kürzten das Kursziel von 25 auf 14 Euro. Sie sehen die Deutsche Bank in einer Zwickmühle: Entweder muss sie das Eigenkapital erhöhen oder die Bilanz schrumpfen.

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