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Photovoltaikbranche : Frostige Zeiten für Solaraktien

Modulproduktion bei Solarworld: in Freiberg Bild: dapd

Die jüngsten Quartalszahlen aus der Sonnenstrombranche lassen erahnen, dass der anstehende Ausleseprozess nun Fahrt aufnimmt. Es gibt wenig Positives zu berichten.

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          Wenn Solarfachleute wie Wolfgang Hummel die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Photovoltaikfirmen beurteilen sollen, fällt ihnen wenig Positives ein. In einer neuen Kurzanalyse hat der Chef des Berliner Zentrums für Solarmarktforschung für die beiden Branchengrößen Solarworld und Q-Cells jetzt Stärken und Schwächen gegenübergestellt. Die Liste der Schwächen ist jeweils sechs- bis siebenmal so lang wie die der Stärken. Doch auch wer die Branche optimistischer einschätzt als Hummel, muss eingestehen: Es sind frostige Zeiten für die Solarunternehmen hierzulande - und für ihre Aktien.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das haben nicht zuletzt die Quartalszahlen vom Wochenbeginn unter Beweis gestellt. Die Solarworld AG in Bonn wies erstmals seit der Aufnahme in den Tec-Dax im Jahr 2004 einen Quartalsverlust aus. Konzernchef Frank Asbeck musste seine Jahresprognose senken. Noch heftiger traf es die Konkurrenz aus dem sachsen-anhaltinschen Solar Valley. Q-Cells, früher schon mal als Kandidat für den Dax gehandelt, veröffentlichte einen Verlust, der über den Erwartungen lag. Dazu verabschiedete sich die Finanzchefin mit sofortiger Wirkung aus dem Konzern. Nicht genug damit, dürfte das Unternehmen voraussichtlich Schwierigkeiten haben, eine im Februar fällige Anleihe pünktlich zurückzuzahlen.

          Heftige Ausschläge

          Auf diese schlechten Nachrichten reagierten die Kurse mit selbst für Solartitel unüblich heftigen Ausschlägen. Q-Cells-Aktien verloren zeitweise mehr als 25 Prozent an Wert, Solarworld gaben 15 Prozent nach. Ob das schon wieder Kaufkurse sind, sollten sich Anleger lieber zweimal überlegen. Denn das Schlimmste hat die Branche noch nicht hinter sich.

          „Ein intensiver Wettbewerb und sinkende Preise drücken die Margen zusammen“, analysiert Matthew Yates von Bank of America Merrill Lynch die Lage. Alleine in diesem Jahr ist der Preis für Solarmodule um 40 Prozent gefallen. Das geht einher mit einem hohen Überangebot. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg haben die zehn größten Modulproduzenten im vergangenen Jahr ihre Kapazitäten verdoppelt. Und beklagen jetzt, wie Q-Cells, eine Unterauslastung, die auf das Ergebnis drückt. Was die Kunden freut, belastet die Unternehmen erheblich. Solarworld-Chef Asbeck stellt sich auf magere Zeiten ein. „Ich erwarte im kommenden Jahr einen weiteren Preisrückgang um 10 Prozent“, sagte er am Montag. Damit sei die Branche nahe an den Produktionskosten, und nur noch einstellige Margen seien möglich.

          Schneller Ausleseprozess

          In diesem Kontext dürften die noch immer hohen Subventionen, die die Branche indirekt über die Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energien erhält, das Sterben vieler Unternehmen allenfalls verlängern. Vielmehr gehen Branchenbeobachter davon aus, dass der bereits angelaufene Ausleseprozess jetzt richtig Fahrt aufnimmt.

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          Und so senken die Analysten mehrheitlich die Daumen. Die Aktien des Herstellers von Wechselrichtern SMA Solar, bisher ein Liebling der Anleger, empfehlen laut Bloomberg nur zwei Analysten zum Kauf, elf raten zum Halten und neun zum Verkaufen. Ähnlich die Verhältnisse bei Solarworld, wo drei Kaufempfehlungen 17 Halten- und acht Verkaufsempfehlungen gegenüberstehen. Gänzlich den Glauben verloren haben die Branchenbeobachter offenbar an Q-Cells. Hier rät kein Analyst mehr zu einem Kauf, dagegen sieben zum Halten und 16 zum Verkaufen. „Q-Cells kämpft darum, dass Investoren und Kunden den Glauben an die Fähigkeit des Unternehmens zum Überleben behalten“, sagt Steubing-Analystin Alla Gorelova, um zugleich hinzuzufügen: „Mit dem Weggang des Finanzvorstandes wird das noch schwieriger.“

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