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Street One & Cecil am Parkett : Modehändler CBR will mit Börsengang Schulden abbauen

CBR will auch diese Kleiderbügel vollhängen Bild: Picture-Alliance

Seit neun Jahren spekuliert man auf den Börsengang des Labels Street One. Unter dem Holding-Namen CBR kommt er jetzt - und scheint interessant bewertet.

          Am Markt für Börsengänge scheint ein Knoten geplatzt zu sein. Mit dem Angebot des Modehändlers CBR bieten nun vier Unternehmen gleichzeitig Anteile zur Zeichnung an. CBR umfasst im Wesentlichen die Modemarken Street One und Cecil, die schon in den achtziger Jahren in Warenhäusern verkauft wurde. Gründer von CBR war der Unternehmer Detlev Meyer, dem heute die Weinhandelskette Hawesko gehört und der CBR vor elf Jahren an die Finanzinvestoren Cinven und Apax verkaufte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seit 2007 gehört CBR im Wesentlichen dem schwedischen Finanzinvestor EQT, der auch nach dem Börsengang die Mehrheit halten wird. Bis zu 19,4 Millionen Aktien können seit Dienstag bis zum 1. Juli gezeichnet werden, davon stammen rund 14,3 Millionen aus einer Kapitalerhöhung. EQT will jedenfalls drei Millionen Aktien abgeben und stellt 2,12 Millionen als Mehrzuteilung zur Verfügung. Unter dem Strich behält der Finanzinvestor mindestens 50,6 Prozent der Anteile.

          Bis zu 292 Millionen Euro soll der Börsengang einbringen, brutto sollen 200 Millionen Euro an CBR fließen, und zwar unabhängig vom Ausgabepreis, so dass bei einem höheren Preis weniger neue Aktien plaziert werden können. In diesem Fall würde der Anteil von EQT höher sein.

          Dividende in Aussicht

          Mit dem Geld will CBR einen Teil der Schulden tilgen, die ihm die Finanzinvestoren in der Vergangenheit aufgebürdet hatten. In den acht Jahren seit dem Einstieg des schwedischen Investors hat CBR seine Schulden schon um 700 Millionen auf 500 Millionen Euro reduziert. In Zukunft soll der Gewinn größtenteils an die Aktionäre gehen: Bis zu 60 Prozent des bereinigten Nettogewinns will das Unternehmen aus dem niedersächsischen Celle vom nächsten Jahr an als Dividende ausschütten. In Abzug gebracht werden dabei größtenteils Abschreibungen auf immaterielle Werte. Für 2015 fallen zudem noch Finanzierungsaufwendungen an.

          Da CBR im Vorjahr mit 88.000 Euro bei Umsätzen von 609 Millionen nach zwei Verlustjahren erstmals wieder einen bescheidenen Gewinn erwirtschaftet hat und obendrein im ersten Quartal ein Verlust von 1,3 Millionen Euro anfiel, sollte man die Erwartungen an die Dividendenzahlung für 2016 vielleicht nicht allzu hoch schrauben.

          Unruhige Zeiten bewältigt

          Die Preisspanne für die Aktien wurde auf 14 bis 18 Euro festgelegt. CBR wird damit mit bis zu 650 Millionen Euro bewertet. Zu Monatsanfang wurde noch über einen Wert von mehr als einer Milliarde Euro spekuliert. Das Unternehmen bringt zwölf Kollektionen im Jahr heraus, verkauft einen Großteil davon aber nicht in den 64 eigenen Läden, sondern über unabhängige Einzelhändler und Warenhäuser.

          Weil 85 Prozent vom Umsatz im Großhandel erwirtschaftet werden, sind die Margen von CBR höher als die von Konkurrenten wie Tom Tailor, Gerry Weber und Esprit. Produktion und Logistik hat CBR ausgelagert.

          Der Börsengang von CBR war lang erwartet worden: Schon 2006 wurde die Holding als Kandidat gehandelt, wurde dann aber an EQT verkauft. In den Jahren 2009 bis 2011 sei es dann zu einer Reihe von "strategischen und unternehmerischen Fehlentscheidungen" gekommen, heißt es im Prospekt. Mehrfach wechselte die Geschäftsführung, der Aufbau eines jungen Labels wurde 2012 nach kurzer Zeit eingestellt: „Die einzige Konstante bleibt der ständige Wechsel“, schrieb der Branchendienst „Textilwirtschaft“ im März 2012. Auch 2013 wurde das Führungsteam des Labels „Cecil“ ausgetauscht. Man sei sich bewusst, dass es dort auch jetzt noch weiteres Verbesserungspotential gebe. Man konzentriere sich daher auf die umfassende Neupositionierung von Cecil, heißt es im Prospekt. So wolle man die erfolgreiche Kehrtwende von Street One wiederholen.

          Die Bewertung von Aktien von Modehändlern liegt je nach Stärke der Markennamen vergleichsweise weit auseinander. H&M und Inditex sind mit dem 25- beziehungsweise 33-fachen des für das laufende Jahr prognostizierten Gewinns bewertet. Tom Tailor bringt es nur auf das 19- und die Adler Modemärkte etwa auf das 13-fache.

          Die operative Marge von CBR liegt indes näher bei denen von Inditex und H&M, so dass eine Bewertung mit mehr als dem 20-fachen des Gewinns vertretbar erscheint. CBR müsste dafür im laufenden Jahr einen Gewinn um 30 Millionen Euro erzielen. Geht man davon aus, dass es im Gegensatz zu den Vorjahren 2015 keinen Umsatzrückgang gibt, so entspricht dies einer Marge um 5 Prozent. Das erscheint durchaus im Bereich des Möglichen.

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