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Edelmetalle : Indien will Gold höher besteuern

Gold: Für viele Inder kaum wegzudenken Bild: REUTERS

Indien gehört zu den wichtigsten Ländern für den internationalen Goldmarkt. Immerhin ist das Land der größte Importeur des Metalls. Jetzt tritt die Regierung auf die Bremse.

          Der führende Goldimporteur der Erde tritt auf die Bremse: Der indische Finanzminister Palaniappan Chidambaram erklärte am Mittwoch, die indische Regierung wolle die Goldeinfuhr mindern. Deshalb prüfe sie das weitere Anheben der Steuern auf den Kauf von Gold im Ausland. „Uns dürfte keine andere Wahl bleiben, als es noch ein bisschen teurer zu machen, Gold zu importieren“, sagte Chidambaram. Der Minister appellierte an seine Landsleute, den Goldkauf einzuschränken.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Zentralbank stößt ins selbe Horn: Sie will mit Gold unterlegte Produkte im Markt zulassen, um die Nachfrage nach physischem Gold abzukühlen. Gold machte gut 20 Milliarden Dollar des gesamten indischen Imports in Höhe von 237 Milliarden Dollar in der ersten Hälfte dieses Fiskaljahres (31. März) aus. Damit steht Gold an zweiter Stelle der importierten Güter nach Rohöl. Chidambaram erklärte, er rechne mit einer Goldeinfuhr im Gesamtwert von rund 40 Milliarden in diesem Fiskaljahr, immerhin 31 Prozent weniger, als im vergangenen Fiskaljahr mit einem Wert von 58 Milliarden Dollar.

          Inflations- und Leistungsbilanzproblem

          Der Regierung fällt es leicht, die Einfuhrsteuern für Gold anzuheben. Sie erhöhen, anders als bei Treibstoff oder Lebensmitteln, nicht die galoppierende Inflation für den Durchschnittsinder. Doch sieht sich die Regierung gezwungen, das Leistungsbilanzdefizit zu drücken. Es hat sich im zweiten Quartal des Fiskaljahres auf 22 Milliarden Dollar erhöht und macht damit schon mehr als 5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Im Vorquartal hatte der Wert noch bei 16 Milliarden Dollar gelegen.

          Bild: FAZ.NET

          Indien baut kein eigenes Gold ab, sondern deckt seine hohe Nachfrage nur durch die Einfuhr. Zwischen Januar und September vergangenen Jahres lag die Goldnachfrage bei 608 Tonnen, 24 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Allerdings berichtet der World Gold Council, dass Indien im dritten Quartal mit einer Wachstumsrate von 7 Prozent bei Goldschmuck und 12 Prozent bei physischem Gold der beste Markt weltweit gewesen sei. „Der indische Markt stand für 30 Prozent des gesamten Konsums, 223 Tonnen insgesamt“, berichtet der Branchenverband.

          Im März vergangenen Jahres hatte die Regierung die Einfuhrsteuer auf Goldbarren auf 4 Prozent erhöht und diejenige für andere Goldformen sogar auf 10 Prozent verdoppelt. Allerdings hat die Steuererhöhung nach Medienberichten lediglich dazu geführt, dass das Schmuggeln von Gold nach Indien interessanter geworden ist.

          Quelle: F.A.Z.

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