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Spätes Studium Neuanfang mit vierzig

Berufstätige zieht es immer häufiger an die Universität. Das ist nicht nur für sie eine große Herausforderung - auch die Hochschulen müssen sich umstellen.

© Peter von Tresckow

Norbert Zachenhuber arbeitet hart daran, einen alten Traum wahr werden zu lassen. „Ich wollte immer schon ein Studium absolvieren, musste dieses Ziel aber immer wieder verschieben“, sagt der 50 Jahre alte Münchener. Nach dem Realschulabschluss war Zachenhuber gezwungen zu arbeiten, weil er das Geld brauchte. Er ließ sich zum Werkzeugmacher ausbilden und bestand auch die Meisterprüfung. Und dann musste er nebenbei erst sein Fachabitur nachholen, ehe er studieren durfte; zuvor hatte er noch im Vertrieb gearbeitet, und jetzt ist er, zusätzlich zum Studium, im Außendienst tätig.

Mit 47 Jahren gab sich Norbert Zachenhuber einen Ruck: „Ich sagte mir, bevor ich 50 werde, muss es passieren.“ Ende dieses Jahres wird der Berater für Medizinprodukte sein Studium der Business Administration an der FOM Hochschule in Essen abschließen. Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland machen es so und beschließen im fortgeschrittenen Alter, ein Studium aufzunehmen. „Wir stehen ganz am Anfang dieser Entwicklung, der Trend zum Studieren ab 40 wird noch deutlich zunehmen“, schätzt Lutz Hoffmann, Professor an der FOM Hochschule, der die Gruppe der Studierenden jenseits des 40. Lebensalters derzeit untersucht. Die demographische Entwicklung und die zunehmenden Schwierigkeiten von Arbeitgebern, junge Fachkräfte zu rekrutieren, lassen laut Hoffmann - dessen Arbeitgeber von diesem Trend freilich profitiert - aus Sicht der Arbeitgeber die Attraktivität älterer Arbeitnehmer, die sich mit einem Studium weiterbilden, steigen. „Derzeit liegt der Anteil der Studierenden, die 40 Jahre und älter sind, an berufsbegleitenden Hochschulen bei schätzungsweise einem Prozent. Doch in den kommenden zehn Jahren könnte dieser Wert auf 5 bis 10 Prozent ansteigen“, meint Hoffmann.

Ü-40-Studenten können für die Dozenten unangenehm sein

Seine Karriere hatte Norbert Zachenhuber aber gar nicht im Sinn, als er sich noch mit Ende 40 für ein Studium entschied. „Primär geht es mir darum, etwas nachzuholen, was ich mir vor langer Zeit in den Kopf gesetzt habe“, sagt der Außendienst-Mitarbeiter. Dass Studierende in diesem Alter mit anderer Motivation an eine Hochschule kommen, als ihre 20 Jahre jüngeren Kommilitonen direkt nach dem Abitur, bestätigt der Forscher Lutz Hoffmann. Sie seien weniger karriereorientiert und stellten mehr grundsätzliche Fragen, wollten große Zusammenhänge verstehen. Zugleich sei ihnen wichtig, das Wissen im Alltag umsetzen zu können. So können die „Ü 40“-Studenten unbequem für die Dozenten sein, andererseits bringt auch für sie das Studium Schwierigkeiten mit sich. Ältere Studierende verfügen etwa oft nicht über Lerntechniken, die heute an Hochschulen gefragt sind: „Ich bin beeindruckt, wie gut die Jüngeren auswendig lernen können“, berichtet Norbert Zachenhuber. Auch seine Mathematikkenntnisse musste er auffrischen, um Vorlesungen folgen zu können.

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