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Andere Länder, andere Sitten : Großartiger Mist

Zumindest diese beiden erfüllen auf Twitter voll und ganz die nationalen Klischees. Bild: Reuters

Dass jede Nation ihre eigenen Klischees besitzt, ist bekannt. Woher diese Stereotypen kommen, scheint bislang aber rätselhaft. Forscher haben sich der Frage nun auf Twitter genähert. Eine Glosse.

          Das Paradox der nationalen Stereotypen ist altbekannt: Kaum im Urlaub, erkennt man Vertreter anderer Nationen schon von weitem, um gleich erleichtert festzustellen, wie gut es doch ist, dass man selbst so völlig anders als der Durchschnittslandsmann ist. Die Frage, wie es sein kann, dass wir nationale Eigenschaften so treffsicher identifizieren können, ohne dass die meisten Individuen diese Eigenschaften sich selbst zuschreiben würden, treibt Wissenschaftler schon länger um. Woher kommt der allgemeine Erfolg unserer Vorurteile, sofern er nicht im Speziellen wurzelt?

          Drei kanadische Linguisten der McMaster University in Hamilton, Ontario, haben die Sprache als einen Schuldigen im Verdacht. Wenn eine Gruppe von Menschen beispielsweise eine sehr höfliche Ausdrucksweise pflegt, wird man sie tatsächlich für höflich halten, selbst wenn sich unhöfliche Individuen dabei nur der allgemeinen Sprachetikette angepasst haben. Sind nationale Stereotype also der Sprache ihrer Vertreter geschuldet? Die Wissenschaftler konsultierten zur Klärung dieser Frage die Datenschätze des sozialen Netzwerks Twitter. 40 Millionen Tweets aus Kanada und den Vereinigten Staaten werteten sie zunächst auf der Suche nach Signalwörtern aus, um die meistgebrauchten Ausdrücke dann in einem zweiten Schritt als Grundlage für eine Einschätzung des nationalen Charakters zu nehmen.

          Wie sich zeigte, tweeten Kanadier tatsächlich anders als ihre Nachbarn: Der Kontrast zwischen dem Lieblingswort Ersterer – „great“ – zum Lieblingswort Letzterer – „shit“ – illustriert einen allgemeineren Trend: Kanadier äußern sich auf Twitter gerne positiv. Amerikaner dagegen lieben Tabu-Wörter, Slang und Emojis – ein Hinweis auf Offenheit und Neurotizismus, der sich in den genutzten Emotionsbeschreibungen weiter verdichtet: „hate, love, miss, mad, feel, swear, tired“ in den Vereinigten Staaten, „thanks, good, amazing, happy“ in Kanada. Wenn man nun die Kanadier fragt, halten sie sich tatsächlich selbst für wenig neurotisch und ziemlich angenehm, finden ihre Nachbarn aber aggressiv, engstirnig, egoistisch und unhöflich – eine Analyse, die von Amerikanern im Wesentlichen bestätigt wird.

          Wie die Linguisten feststellen, stehen sie damit nun vor einer neuen Frage: Was bestimmt unser sprachliches Verhalten? Wir spekulieren: Gruppendruck? Bessere Resonanz, mehr Twitter-Herzen also? Wenn das so wäre, dann lieferte die Studie uns Deutschen immerhin ein Erfolgsrezept für unsere Twitterpräsenz: disziplinierte Beiträge mit großer Gewissenhaftigkeit und der international geschätzten deutschen Humorlosigkeit.

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