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Gesichter der Tour de France : Watt-Monster und tragische Helden

Am Ende hat es nicht ganz gereicht für Simon Geschke. Er verlor das Bergtrikot. Bild: dpa

Die Tour ist vorüber, doch die Erinnerungen bleiben: Nach 21 Etappen und mehr als 3300 Kilometern sind die Fahrer im Ziel. Sieben Geschichten aus drei harten Wochen des wohl bekanntesten Radrennens der Welt.

  • -Aktualisiert am
          6 Min.

          Untröstlicher Simon Geschke

          So traurig kann man sein. Simon Geschke war untröstlich. Auf der letzten Bergetappe, der schwersten in den Pyrenäen über drei Bergriesen, verlor er am Donnerstag ein Stückchen Stoff, das ihm und deutschen Radsportfans ans Herz gewachsen war. Der Freiburger Profi hatte das Gepunktete Trikot getragen, das für den besten Bergfahrer der Tour de France reserviert ist. Oder vielmehr für den, der bei Bergwertungen die meisten Punkte gesammelt hat.

          Punkte gibt es auch an kleineren Erhebungen, da braucht man einen guten Plan. Den hatte Geschke, und er hatte auch die Chance genutzt, als sein Kapitän im Team Cofidis, der Franzose Guillaume Martin, zur neunten Etappe nach einem positiven Corona-Test nicht mehr antreten konnte. Bei Cofidis legte man den Schalter um. Das Team arbeitete nun für Geschke, für den Gewinn des Bergtrikots.

          Wer dieses prestigeträchtige weiße Trikot mit seinen 75 roten Punkten (Geschke hat nachgezählt) bis Paris trägt, steht am Ende vor einem Millionenpublikum auf der Bühne, zusammen mit den Trägern des Gelben und des Grünen Trikots.

          Mit dem Gesamtsieger und dem besten Punktesammler bei den Sprints. Geschke hat nicht viel gefehlt. Sein Traum ist spät geplatzt. Erst auf der letzten Bergetappe. Neun Tage hatte er das Trikot getragen, hatte es jeden Tag mit Hilfe seiner Mannschaft und mit viel Herz und Leidenschaft erfolgreich verteidigt. Dann verließ ihn die Kraft, eine Chance war dahin, die wohl nie wieder kommen wird. Welche Enttäuschung! So traurig also kann man sein.

          Hartnäckiger Chris Froome

          Chris Froome? Hielten manche für eine Witzfigur vor dieser Tour. Andere mit etwas mehr Einfühlungsvermögen sahen in ihm einen Fahrer der traurigen Gestalt. Der Brite, in Kenia geboren, hatte zwischen 2013 und 2017 vier Mal die Tour de France gewonnen. Als er sich 2019 bei der Dauphiné-Rundfahrt auf den Gewinn des fünften Titels vorbereitete, fuhr er bei der Besichtigung der Zeitfahrstrecke in eine Mauer und verletzte sich schwer. Froome hatte bei Tempo 60 eine Hand vom Lenker genommen, um sich die Nase zu putzen, und war dann von einer Windböe aus der Bahn geworfen worden.

          Ein Oberschenkelknochen brach, die Hüfte, ein Ellbogen und vier Rippen. Er wurde acht Stunden operiert, lag wochenlang im Krankenhaus. Ein Dreivierteljahr später fuhr er wieder Rennen, aber er fuhr nur noch hinterher, ein Schatten seiner selbst. Die Tour de France im vergangenen Jahr beendete er auf Platz 133. Auch die, die es gut mit ihm meinten, redeten ihm zu: Hör auf, lass es gut sein, sei froh, dass du noch am Leben bist!

          Christopher Froome nach der Zielankunft in Alpe d’Huez
          Christopher Froome nach der Zielankunft in Alpe d’Huez : Bild: AP

          Aber Froome fuhr weiter. Er brauche Zeit, sagte er. Viel Zeit. Aber er werde an die Spitze zurückkommen. Als die Tour in diesem Jahr begann, stand er wieder an der Startlinie. Verwunderung und Mitleid schlugen ihm entgegen. Auf der Königsetappe mit Zielankunft in Alpe d’Huez dann der Befreiungsschlag: Platz drei. Was keiner erwartet hatte außer ihm, geschah: Froome is back! Dass er wegen eines positiven Covid-Tests später ausschied, geschenkt.

          Superman Wout van Aert

          Wout van Aert war im Feld der 176 Fahrer, deren Zahl sich im Lauf der Tour auf 135 verringert hat, immer gut zu sehen. Die zweite, dritte und vierte Etappe fuhr er in Gelb, den Rest in Grün, dem Trikot des punktbesten Sprinters. Das war hilfreich, man erkannte ihn sofort im großen Pulk. Die Ideallösung war das Grüne Trikot aber nicht. Ein seinen Leistungen angemessener Dresscode hätte anders ausgesehen. Rote Hose, blaues Trikot, darauf ein großes rotes „S“ auf gelbem Grund. Und ein roter Umhang. Superman. So jedenfalls ist er diese Tour gefahren. Wie Superman. Bei acht Etappen stand er auf dem Podium. Drei gewann er. Viermal war er Zweiter.

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