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Millionen-Deal mit Sponsor : Zurück in die Zukunft für Eintracht Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Bekannt für besondere Choreografien: Das Frankfurter Stadion beim Europapokal-Halbfinale gegen Chelsea im Mai 2019. Bild: Picture-Alliance

In der Corona-Krise gelingt dem Fußball-Bundesligaklub Eintracht Frankfurt ein mächtiger Coup: Die Deutsche Bank übernimmt nicht nur die Namensrechte am Stadion. Es geht um mehr.

          3 Min.

          In normalen Zeiten hätte der neue Sponsorenvertrag der Frankfurter Eintracht mit der Deutschen Bank Fußball-Deutschland kaum bewegt. Aber in diesen Wochen, in denen die Corona-Pandemie Deutschland lähmt, die Wirtschaft schwächt und für den Fußball Horrorszenarien entworfen werden, ist die Vereinbarung zwischen dem Dax-Unternehmen und dem Bundesliga-Traditionsverein über einen Zeitraum von sieben Jahren ein gutes Zeichen. „Es ist aktuell so, dass die Welt und die Volkswirtschaften mit anderen Themen beschäftigt sind und nicht mit Sponsorenfragen“, sagte Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann am Mittwoch. „Ich glaube aber, dass es wichtig ist, ein Signal zu setzen, dass es nach der Corona-Krise weitergeht, Menschen sich wieder begegnen und Sportveranstaltungen beiwohnen werden.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Zusammenarbeit, die am 1. Juli dieses Jahres beginnen wird, erstreckt sich auf drei wesentliche Bereiche. Die Deutsche Bank erwirbt die Namensrechte an der Frankfurter WM-Arena und das gesamte Areal um sie herum, das unter der Verwaltung der Eintracht steht. Der Name steht schon fest: „Deutsche Bank Park“. Darüber hinaus kooperieren Bank und Klub bei der Digitalisierung, sie wollen die Arena zu einem „Leuchtturm“ der IT machen, unter anderem ein mobiles bargeldloses Bezahlsystem entwickeln, das nicht nur für den Besuch der Arena und des Parks gelten soll, sondern auch bei Geschäften und Läden außerhalb. Zudem wird das Geldhaus die zahlreichen Amateurabteilungen des Bundesligaklubs unterstützen.

          „Es ist ein Bekenntnis für den Standort Deutschland, Frankfurt und die Menschen der Region“, sagte Hellmann auf einer Video-Pressekonferenz, an der er mit seinem Pressesprecher allein teilnahm. Ein Vertreter der Deutschen Bank war nicht zugegen – wegen anderer dringlicherer Aufgaben, wie Hellmann mitteilte. Zu einem späteren Zeitpunkt werde die Vorstellung der künftigen gemeinsamen Projekte jedoch gemeinsam und inhaltlich ausführlich nachgeholt.

          Als Namenspatronat des Stadions löst die Deutsche Bank die Commerzbank ab, die seit der Eröffnung der Arena 2005 die Rechte innehatte. Die Commerzbank war weiter an einem Sponsoring interessiert, doch das Gesamtpaket, das der Verein und die Deutsche Bank erarbeitet hatten, sprach für sich. „Wir haben der Eintracht ein faires und attraktives Angebot unterbreitet. Die Eintracht hat sich jedoch für ein anderes Angebot entschieden“, hieß es in einer Mitteilung der Bank. „Die Commerzbank hat die Entscheidung sportlich fair aufgenommen“, sagte Hellmann.

          Über den Umfang der finanziellen Zuwendungen vereinbarten beide Parteien Stillschweigen. Indes wird ein genauer Gesamtbetrag kaum zu beziffern sein, da die Zusammenarbeit auf dem Feld der Digitalisierung sehr eng sein wird und die Bank Leistungen erbringen wird, die sich nicht in Heller und Pfennig abrechnen lassen. Als Zwischensumme für die Namensrechte wird sicher ein höherer Betrag angesetzt werden als jener, den die Commerzbank in der Vergangenheit zahlte. Seit der letzten Vereinbarung darüber vollzog die Eintracht einen spektakulären sportlichen Aufstieg. Noch 2016 entging der hessische Traditionsklub in der Relegation gegen Nürnberg nur knapp dem Abstieg in die zweite Liga. Seitdem stand die Eintracht zweimal im Pokalfinale, gewann dabei 2018 das Endspiel gegen den FC Bayern und zog in der Saison darauf bis ins Halbfinale der Europa League ein. Durch den Verkauf ihrer Stürmer Luca Jovic und Sebastien Haller nahm der Klub rund 100 Millionen Euro ein.

          Nach zähen Verhandlungen mit der Stadt Frankfurt übernimmt die Eintracht die Verwaltung der WM-Arena und des Stadionareals zum 1. Juli dieses Jahres. Dadurch kommt sie in den Genuss der Einnahmen, trägt allerdings auch das wirtschaftliche Risiko, das durch ihre ehrgeizigen Projekte recht hoch ist. Derzeit wird ein neues Proficamp errichtet mit Trainingsplätzen, Funktionsräumen und einer neuen Geschäftsstelle. Zudem ist ein Stadionausbau auf 60.000 Plätze projektiert. Deshalb hob Hellmann hervor, dass die Vereinbarung die Eintracht zwar nicht zu einem Krösus der Liga machen werde: „Dennoch ist der Vertrag ein großer Schritt in die Zukunft. Er gibt uns Planungssicherheit. Denn durch die Übernahme des Stadions und unsere baulichen Aktivitäten entstehen Kosten, die nun durch diese Beträge entsprechend abgesichert sind.“

          Mit der Umgestaltung des Stadions soll schon in diesem Sommer begonnen werden, bis sie abgeschlossen ist, könnten allerdings, so Hellmann, bis zu zweieinhalb Jahre vergehen, was mit dem Stadionumbau zusammenhänge. Auf jeden Fall, so kündigte der Vorstand an, werde die Arena nun in den Eintracht-Farben Schwarz-Weiß-Rot erstrahlen. Hellmann weiter: „Auch da ist uns die Deutsche Bank entgegengekommen.“

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