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Bundestrainerin Silvia Neid : „Ich dachte immer, dass ich eine Boutique aufmache“

Bundestrainerin Silvia Neid vor ihrem letzten Turnier: „Ich wollte einfach nur Fußball spielen“ Bild: dpa

Am Mittwochabend beginnen die Olympischen Spiele - mit dem Frauenfußballturnier. Vor dem Spiel des deutschen Nationalteams gegen Zimbabwe spricht Silvia Neid im Interview über ein letztes Turnier und einen Abschied in ungewohnter Montur.

          7 Min.

          Fußballerischer Aufgalopp für die Olympischen Spiele. Traditionell beginnen die Fußballer aus organisatorischen Gründen schon vor der Eröffnungsfeier. Das deutsche Frauenfußball-Nationalteam startet am Mittwoch (23 Uhr/ live in der ARD) in Sao Paulo gegen Zimbabwe ins olympische Fußballturnier und steht vor einem vermutlich zweistelligen Auftaktsieg gegen den krassen Außenseiter, der sich auf kuriosem Weg für die Spiele qualifiziert hat. Nachdem Zimbabwe zu einem Qualifikationsspiel an der Elfenbeinküste nicht angetreten war, wurde diese Begegnung 0:3 gewertet. D die ivorische Elf anschließend die Olympiameldung zurückzog, kam Zimbabwe doch noch kampflos weiter. Das Team wird allgemein als schwächer eingeschätzt als Ghana, das dem deutschen Team im Abschlusstest mit 0:11 unterlegen war.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für Bundestrainerin Silvia Neid ist Olympia das Ende einer elfjährigen Tätigkeit als Bundestrainerin. Nach dem Turnier übergibt sie an Steffi Jones, die in Brasilien bereits als Assistentin mithilft. Die 52 Jahre alte Neid war seit dem ersten Länderspiel im Jahr 1982 gegen die Schweiz 34 Jahre lang ununterbrochen beim Nationalteam dabei. Bis 1996 spielte sie im DFB-Trikot, anschließend wurde sie Assistentin von Bundestrainerin Tina Theune, ehe sie 2005 Cheftrainerin wurde. Sie gewann 2007 den WM-Titel, 2009 und 2013 die EM. Nur Olympiagold fehlt in dieser exklusiven Sammlung.

          Sie gehen in Ihr letztes Turnier nach elf Jahren als Bundestrainerin. Welches Vermächtnis hinterlassen Sie außer Titeln?

          Ich will eigentlich noch nicht sterben, sondern weiterleben. Aber ich will, nachdem ich elf Jahre als Cheftrainerin und davor neun Jahre als Assistentin von Tina Theune am Nationalteam mitgewirkt habe, eine intakte Mannschaft an Steffi Jones übergeben. Es gibt ja keinen wahnsinnigen Verjüngungsbedarf nach Olympia. Wir haben in den vergangenen Jahren schon den Umbruch durchgeführt.

          Wie hat sich der Frauenfußball in den elf Jahren verändert, und was haben Sie mit Ihrem Team dazu beigetragen?

          Wir waren als deutsches Nationalteam schon immer Trendsetter, gleich ob es die Viererkette war oder vor ein paar Jahren das Gegenpressing, das Spiel mit weit nach vorne geschobenen Außenverteidigern oder abkippenden Sechsern.

          In dem Dokumentarfilm zur WM 2007 werden Sie für die Öffentlichkeit so sichtbar wie seither nie wieder. Damals waren Sie sehr emotional. Wie haben Sie sich seither verändert?

          Ich habe mich in meiner Emotionalität wenig verändert. Wenn ich beispielsweise bei unserem gemeinsamen Anschwitzen am Spieltag merke, dass Spielerinnen sich mit anderen Dingen beschäftigen, dann sage ich das. Von dieser Direktheit lebe ich. Das verhindert auch, dass ich Routine einkehren lasse. Dann würde ich vielleicht vermeintlich unwichtige Dinge durchgehen lassen. So aber löst jedes Abspielen der Nationalhymne immer noch Gänsehaut bei mir aus.

          Sie sind also noch dieselbe Silvia Neid wie einst, mit dem Unterschied, dass Sie nun altersbedingt Brille tragen?

          Ich bin erfahrener als früher. Das meine ich zu merken, indem ich mehr Kapazitäten habe, noch mehr Details zu bemerken. Ich gehe auch mit Dingen, die mich rund ums Team mal ärgern können, anders um als früher.

          Nun geht es zurück ins zweite Glied. Was reizt Sie am neuen Job im Scouting, nachdem Sie 34 Jahre des Nationalteams vom ersten Länderspiel bis jetzt mitgeprägt haben als Spielerin und Trainerin?

          Ich war in den letzten 20 Jahren fast nur damit beschäftigt, aufs nächste Spiel und das nächste Turnier hinzuarbeiten. Ich habe nun 435 Länderspiele hinter mir als Spielerin und Trainerin ...

          Silvia Neid : Top und Flop bei Olympia

          Das wissen Sie auswendig?

          Jemand hat sich kürzlich mal die Mühe gemacht, das nachzuzählen. Ich habe 16 Spiele als Spielerin verpasst wegen Verletzungen, sonst saß ich immer zumindest als Assistentin auf der Bank. Da war nie Platz, sich auch mal mit Langfristigkeit zu beschäftigen. In Zukunft kann ich mir auch einfach mal andere Teams anschauen, ohne die Entwicklung meiner Mannschaft im Kopf zu haben. Ich möchte einfach mal verrückte Gedanken entwickeln. Ich werde auch mal zur Handball-WM der Frauen gehen und mir Anregungen holen.

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