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Handball bei Olympia : Frisch und flexibel gegen Frankreich

Auch Uwe Gensheimer ist bereit Frankreich zu besiegen und ins Finale einzuziehen. Bild: AP

Das deutsche Handballteam schlägt sich in Rio ausgezeichnet. Nun gilt es einen überaus starken Gegner aus dem Weg zu räumen. Mit Selbstbewusstsein und kleinen Vorteilen gehen die Deutschen ins Halbfinale.

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          Als Deutschland im Januar Handball-Europameister wurde, galt das als große Überraschung. Dass man nun das olympische Halbfinale erreicht hat, schon nicht mehr. Dabei ist es wohl eine genauso große Leistung - die, für die Leistung der EM „eine Bestätigung“ geliefert zu haben, wie der aus Island stammende Bundestrainer Dagur Sigurdsson sagt. Sie bestand auch darin, anders als bei der EM auch mit dem Druck der gestiegenen Erwartungen in der Heimat zurechtkommen zu müssen. Und darin, die vielen olympischen Ablenkungen zu meistern.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Es gibt hier mehr Stress, mehr Ablenkung“, sagt Torhüter Andreas Wolff. In Rio beweist er, dass er dem gewachsen ist und seinen blitzartigen Aufstieg zu einem der gefragtesten Stars des deutschen Sports in den letzten sechs Monaten verdaut hat. Beim 34:22-Sieg im Viertelfinale gegen Qatar bot er im Zusammenspiel mit der starken Abwehr eine glänzende Leistung. Und das, obwohl die Nacht davor unruhig war. „Um halb vier haben ein paar weißrussische Sportler im Pool großes Trara gemacht“, schilderte Wolff das manchmal laute Nachtleben im Olympischen Dorf. Er verpasste etwas Schlaf, war im Tor aber so ausgeschlafen wie immer.

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          Viele im Dorf schießen und verbreiten Selfies mit Weltstars wie Usain Bolt oder Michael Phelps. Wolff aber wollte von Beginn an nur einen Sportler treffen. Er wusste sogar genau, wann: „Nikola Karabatic im Finale“. An diesem Freitag bekommt er das Vergnügen zwei Tage früher als erhofft, im Halbfinale gegen Frankreich, das „bisher in einer eigenen Liga gespielt hat“, wie Bob Hanning, der Leistungssportchef im Deutschen Handball-Bund, über das dominante Team der letzten zehn Jahre sagt. Unter der Regie Karabatics errang es zwei Olympiasiege, drei WM-Titel und drei EM-Titel.

          „Die Franzosen sind eine kämpferische, eingeschworene Truppe“, sagt Wolff, „mit den Säulen Omeyer und Karabatic“, dem Torwart und dem Spielmacher, die mit drei, vier Aktionen „jederzeit im Alleingang ein Spiel drehen können“. Der Beweis, ebenfalls solche Typen für die wichtigsten Momente zu besitzen, ist vielleicht der einzige, den das deutsche Team nach der EM nun auch bei Olympia noch erbringen muss. Hanning sieht es nun endgültig „zurück in der Weltspitze“. Die fünf Gründe dafür zählt er so auf: „Dagur, Dagur, Dagur, Dagur, Dagur“. Mit 38 Siegen in fünfzig Spielen seit 2014 kommt der Isländer auf eine Siegquote von 76 Prozent, die höchste aller Handball-Bundestrainer.


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          Frankreich hat den Vorteil der großen Erfahrung. Neben Karabatic sind die beiden Außen Mickael Guigou und Luc Abalo seit dem EM-Sieg 2006 dabei, Torwart Thierry Omeyer und Rückraumspieler Daniel Narcisse sogar schon seit dem ersten WM-Titel 2001. Viele haben die Erfahrung von einem Dutzend großer Turniere oder mehr. Für die meisten Deutschen dagegen ist es erst das zweite oder dritte. Doch hat das deutsche Team, das jüngste bei der EM und das jüngste im Halbfinale von Olympia, den Vorteil der Frische und der Flexibilität - was durch die neue Regel, die in der gerade begonnenen Saison erstmals den fliegenden Wechsel des Torwarts gegen einen siebten Feldspieler erlaubt, ein wichtiger Faktor im Halbfinale werden könnte.

          Während Deutschland das hektische und schwierig zu koordinierende Wechselspiel im Training und in mehreren Vorrundenspielen bereits getestet hat, fehlt den Franzosen diese Option. Sie setzen weiter auf das konservative Spiel mit Torwart und sechs Feldspielern. Vom Torwart verlangt die neue Variante, vom Fänger und Blockierer im Kasten auch zum Sprinter zwischen Tor und Bank zu werden.

          Wolff, dessen Laufwege dabei nach anfänglichen Kollisionen zuletzt besser mit den Kollegen koordiniert waren, hält die Franzosen trotz des Vorsprungs beim Ausschöpfen der neuen Regelvariante „für den Topfavoriten“. Hanning nennt sie „die beste Mannschaft der Welt“. Nur Sigurdsson liegt es fern, einen Gegner stark zu reden. Er sagt nur: „Nach dem Frankreich-Spiel werden wir wissen, wo wir stehen.“ Im Finale um Gold - oder im Spiel um Bronze.

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