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Corona-Krise vor Olympia : So trainieren deutsche Sportler im „Homeoffice“

  • Aktualisiert am

Gina Lückenkemper träumt von Olympia, doch der Weg dahin ist nicht leicht (Bild von Juli 2019). Bild: dpa

Und nun? Viele Sportler können wegen der Corona-Krise nicht mehr wie gewohnt üben. Sie verlegen das Training in die eigenen vier Wände und kämpfen mit ganz eigenen Problemen. Und manche werden sehr kreativ.

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          Zwischendurch muss Jan Frodeno sich mal kurz den beiden Kindern widmen, die im Hintergrund ein bisschen Lärm machen. So ist das, auch für Hochleistungssportler im „Homeoffice“. Training in Zeiten der Coronavirus-Pandemie fordert auch Athletinnen und Athleten einiges mehr ab. „Es geht jetzt darum, ein gewisses Niveau zu halten und dann zu schauen, wie es weitergeht“, sagt Frodeno in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Der 38 Jahre alte dreimalige Ironman-Weltmeister ist besonders betroffen von der Coronavirus-Pandemie – Frodeno lebt mit seiner Familie im spanischen Girona, sprich: Ausgangssperre.

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          Soweit ist es in Deutschland noch nicht gekommen. Dennoch wachsen vor allem bei denjenigen die Sorgen, die sich auf die Olympischen Spiele vorbereiten, die – Stand jetzt – noch immer am 24. Juli in Tokio beginnen sollen. „Du kannst als Sportler versuchen, deine Tage zu strukturieren und zu planen. Aber das ist nicht immer ganz so einfach, denn häufig passieren Dinge, die du nicht planen kannst“, schreibt Gina Lückenkemper bei Instagram. Die 23 Jahre alte Sprinterin wollte mit ihrem Coach eigentlich nach Florida ins Trainingslager. Sonne, gute Laune, Top-Bedingungen. Hinfällig. „Wo ich stattdessen trainieren kann? Das ist eine gute Frage! Da, wo man mich aktuell überhaupt noch trainieren lässt.“

          Lückenkemper ist diesbezüglich in Gesprächen. Sie ist kein Einzelfall. Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler reiste nach einer Nacht am Flughafen noch rechtzeitig von Belek in der Türkei zurück nach Deutschland. „Was uns hier jetzt erwartet? Wir dürfen nicht die Augen vor der Realität verschließen. Nicht nur wir Sportler werden uns auf weitere Einschränkungen gefasst machen müssen“, sagte der 28-Jährige aus Jena. Röhlers Arbeitsgerät blieb noch in der Türkei, es soll am Freitag mit dem Rest der Athleten mitkommen.

          Präsident Alfons Hörmann vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sorgt sich um die Gesundheit der deutschen Top-Athleten, die plötzlich nicht mehr trainieren könnten. Dabei gehe es eben nicht darum, so Hörmann im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst, wie viele Medaillen bei möglichen Olympischen Spielen zu holen sind. „Die Athletinnen und Athleten haben sich bis vor wenigen Tagen noch im Hochleistungsmodus befunden und stehen plötzlich vor der Situation, dass sie von heute auf morgen nicht mehr trainieren können“, sagte Hörmann und erklärte, dass man auf diese Situation vonseiten des DOSB reagieren müsse. Deshalb prüfe der DOSB die Möglichkeit, wie man auch die professionelle Betreuung der Athleten in Sachen Gesundheit gewährleisten könne. Und da gehe es um die Frage, kann das an den Olympiastützpunkten in Deutschland oder zentral in einem Leistungszentrum wie etwa Kienbaum östlich von Berlin geschehen.

          Die Hürdensprinterin Cindy Roleder absolvierte am Wochenbeginn Sprints und Kraftübungen auf einem Feldweg. „Ich wohne zum Glück auf dem Land“, sagt Roleder der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist für ein, zwei Tage okay.“ Wegen der Coronavirus-Krise blieb ihr nichts anderes übrig. Die Sportstätten in Halle seien geschlossen gewesen. Bei Instagram teilte die gebürtige Chemnitzerin in einer Story ein Foto von sich: „Wo ein Wille, da ein Weg!! Trainingsplatz 2.0“. Am Dienstag durfte sie wieder auf einem Sportplatz trainieren, für Kadersportler gebe es eine Ausnahme. „Aber erstmal können wir nur von Tag zu Tag schauen“, sagt die Sprinterin vom SV Halle.

          Planung, in einem erfolgreichen Sportlerleben einer der wichtigsten Faktoren, ist in diesen Tagen und Wochen und womöglich Monaten fast unmöglich – weil die Durchführung letztlich offen ist. Unsicherheit macht sich breit mit Blick auf Olympia, und damit sind nicht mal die Spiele selbst gemeint. „Wenn sie sechs Wochen lang nicht trainieren, brauchen wir sie nicht mehr zu entsenden“, sagte beispielsweise die Leiterin des Olympiastützpunkts Hamburg/Schleswig-Holstein, Ingrid Unkelbach, der dpa.

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