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Handball : „Botts“ Botschaft

„Ich brauche das Rampenlicht nicht“, sagt Heuberger, der sich als Co-Trainer der Nationalmannschaft und als Juniorentrainer einen Namen gemacht hat. Bild: dpa

Martin Heuberger muss als Handball-Bundestrainer seinen eigenen Stil finden. Beim Supercup, der an diesem Donnerstag beginnt, bietet sich dem Nachfolger von Heiner Brand die Chance, sein Profil zu schärfen.

          3 Min.

          Manche in Schutterwald nennen Martin Heuberger "Bott", den Boten. Das hat mit seinem Urgroßvater zu tun, der Briefträger des Ortes war und sein Kommen mit einer großen Klingel ankündigte. Es ist ein passender Spitzname für Heuberger, gerade jetzt, da auch von ihm ein klares Signal ausgeht. Er, seit langem ein Diener des Handballs, will antreiben, will wachrütteln, will den Erfolg zurückbringen ins Land des Weltmeisters von 2007. Das ist ein schwieriges Unterfangen für Heuberger, den neuen Bundestrainer, umso mehr, als er Nachfolger einer Ikone des deutschen Handballs ist, als er aus dem Schatten des Schnauzers treten muss. Heuberger statt Heiner Brand: ein gewöhnungsbedürftiger Wechsel.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Der einstige Assistent Brands, der loyale zweite Mann, muss innerhalb kurzer Zeit sein Profil schärfen, seinen Stil finden. Immerhin steht im Januar schon, mit der Europameisterschaft in Serbien, ein richtungweisendes Turnier an. Dort kann noch bewerkstelligt werden, woran Brand zuletzt gescheitert war: die Teilnahme an einem Qualifikationswettbewerb für Olympia 2012. Würde Deutschland auch diese letzte Gelegenheit verpassen, würde sein Renommee noch einmal deutlich beschädigt werden. "Aber auch dann", sagt Heuberger, "ginge der Weg weiter." Nur ein bisschen anders als geplant vielleicht, mit einem schnelleren Umbruch in der Nationalmannschaft.

          Keine Zeit für Experimente

          Die Spieler sollen Heuberger nun kennenlernen, sie sollen erfahren, woran sie mit ihm sind in seiner neuen Funktion. Diese Ära beginnt an diesem Donnerstag, mit den Stationen Berlin, Hannover und Halle/Westfalen. Mit den Gegnern Dänemark, Schweden und Spanien. Mit dem Supercup, einer traditionsreichen Veranstaltung in Deutschland. Es ist Heubergers Einstand, ganz im Zeichen bereits des serbischen Intermezzos. Heuberger setzt auf bewährte Kräfte, die Zeit für Experimente fehlt. Aber der Wandel wird kommen, das steht außer Frage.

          Er ist eines der Ziele von Heuberger, der sich als Juniorentrainer, als Förderer von Talenten einen Namen gemacht hat. Eine Chance für die Jugend: Das ist sein Credo, das wünschte er sich auch in der Bundesliga. Das soll die Basis sein, um in einigen Jahren, etwa 2014, wieder über ein schlagkräftiges Team zu verfügen, das für neue Medaillen sorgen soll. So sieht es die mittelfristige Planung von Heuberger vor.

          Aus dem Schatten des Schnauzers: Als Nachfolger von Heiner Brand, der Ikone des deutschen Handballs, muss Heuberger nun in kürzester Zeit seinen eigenen Stil zu finden.
          Aus dem Schatten des Schnauzers: Als Nachfolger von Heiner Brand, der Ikone des deutschen Handballs, muss Heuberger nun in kürzester Zeit seinen eigenen Stil zu finden. : Bild: dapd

          Möglich, dass in den kommenden Tagen immer wieder Vergleiche gezogen werden zwischen ihm und Brand, dem Gesicht des deutschen Handballs. Heuberger, 47 Jahre alt, scheint das nicht aus der Ruhe zu bringen. Er werde sich schon entwickeln, betont der eher zurückhaltende Südbadener, auf seine eigene Art, solide und verlässlich. Er hat kein markantes Merkmal wie der Bartträger Brand, er tritt - anders als der populäre Gummersbacher - nicht als Werbefigur auf, aber er ist offensichtlich zufrieden mit seiner Rolle. "Ich brauche das Rampenlicht nicht", sagt Heuberger, der Bodenständige, der seine ganze Karriere als Spieler und Vereinstrainer beim TuS Schutterwald verbrachte.

          Er stand zunächst im Tor und später am Kreis, er wurde Nationalspieler, er sorgte einige Male sogar für größeres Aufsehen. 1994 beispielsweise, als er für ein halbes Jahr gesperrt wurde, nachdem er Gegenspieler Jochen Fraatz bei einer Abwehraktion heftig im Gesicht getroffen hatte. Oder 1996, als er - pikante Fügung - Brands Rücktritt als Trainer des VfL Gummersbach auslöste, mit einem Sieg seines Klubs über die Oberbergischen im DHB-Pokal.

          Kein Handball-Profi

          Nie, sagt Heuberger, sei er als Handballspieler ein Profi gewesen, immer achtete er auf seine berufliche Ausbildung neben dem Sport. Er ist Diplom-Verwaltungswirt geworden, er beschäftigte sich beim Landratsamt Offenburg, das ihn jetzt bis 2014 freistellte, mit Umweltschutz. Er sei jedoch kein Grüner, behauptet Heuberger, "das kann man nicht sagen". Die Heimat empfindet er wie einen Frischequell, er ist tief verwurzelt mit ihr, und man weiß in Schutterwald auch ganz genau, was man an seinem "Bott" hat: "Wir sind Bundestrainer", hieß es stolz in der Ortenau, als der Deutsche Handball-Bund (DHB) sich für Heuberger als frische Führungskraft entschied.

          Seit dem Weltmeistertitel 2007 war auch Heubergers Vorgänger Brand an Grenzen gestoßen: Zehnter bei der EM, Elfter bei der WM, Deutschland rutschte ab.
          Seit dem Weltmeistertitel 2007 war auch Heubergers Vorgänger Brand an Grenzen gestoßen: Zehnter bei der EM, Elfter bei der WM, Deutschland rutschte ab. : Bild: imago

          Es sollte ja wieder ein Deutscher sein auf diesem Posten, das hatte Brand vorgeschlagen, das betrachtet auch Heuberger als angemessen für den größten Handballverband der Welt. "Es wäre schade gewesen, wenn man keinen deutschen Trainer gefunden hätte." Er ist in vielerlei Dingen einer Meinung mit seinem ehemaligen Chef, trotz der Bemühungen, das Ich jetzt zu stärken. "Wir sprechen eine Sprache", sagt Heuberger über sich und Brand, inzwischen Manager beim DHB, zuständig nicht zuletzt für Nachwuchs. Da gebe es sehr viele Berührungspunkte, sagt Heuberger; aber generell gilt der erfahrene Brand ihm als willkommener Ratgeber. Dessen Schaffen für den deutschen Handball würdigte Heuberger kürzlich wieder in Berlin: Er hielt die Laudatio, als Brand von einem Männer-Magazin für sein Lebenswerk in der Kategorie Sport ausgezeichnet wurde.

          Zuletzt aber war auch Brand an Grenzen gestoßen: Zehnter bei der EM, Elfter bei der WM, Deutschland rutschte ab. Ginge es so weiter, sagt Heuberger, würde das den Handball in Deutschland wirklich tief treffen, es würde sich nachteilig auch auf die Bundesliga auswirken. Er sucht deshalb den Schulterschluss mit der Liga, und die Anfänge scheinen vielversprechend zu sein.

          Vor allem aber nahm er vor dem Supercup die Spieler in die Pflicht. Mit einem Appell an Ehre und Disziplin. Mit der Forderung, sich nicht zu sehr ablenken zu lassen von der eigentlichen Aufgabe. In jüngerer Vergangenheit, sagt Heuberger, seien "zu viele persönliche Dinge" in den Vordergrund gestellt worden. "Voll aufopfern", heißt das nun bei ihm. Für das Nationalteam, für den Neuanfang. Heuberger ist überzeugt, dass seine Botschaft verstanden worden sei. Als "Bott" kennt er sich mit solchen Dingen ja sehr gut aus.

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