https://www.faz.net/-gtl-9z3o9

Fußball der Frauen : Lohnt der Corona-Aufwand?

Jubel vor spärlich gefüllten Rängen: Für Fußballerinnen würde sich wie hier beim Spitzenspiel Hoffenheim gegen Wolfsburg bei Geisterspielen nicht so viel veränden. Bild: Picture-Alliance

Der Wille zur Fortsetzung der Bundesliga-Saison im Fußball der Frauen ist ein wichtiges politisches Signal. Sportlich geht es aber nur noch um sehr wenig. Und wirtschaftlich herrscht keine allzu drängende Not.

          3 Min.

          Spötter könnten behaupten, dass die Fußball-Bundesliga der Frauen für Geisterspiele in der Corona-Krise prädestiniert sei. Tatsächlich liegen die Besucherzahlen der höchsten deutschen Spielklasse im weiblichen Fußball bei manchen Spielen nicht sehr wesentlich über den 120, die gemäß dem Konzept der Männer-Bundesliga bei Spielen unter Ausschluss der Öffentlichkeit höchstens im Tribünenbereich anwesend sein dürfen. Seit Jahren bewegt sich der Durchschnittswert in der Frauen-Bundesliga um die 1000 Zuschauer.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Tatsächlich ist es aber ein bemerkenswertes politisches Signal, dass der Fußball seine Frauen überhaupt mit in den Blick genommen hat in den vergangenen Wochen: Die DFL hat den Klubs der Frauenfußball-Bundesliga aus dem von den Champions-League-Klubs Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen bereitgestellten Solidarfonds genauso wie der dritten Liga Geld zur Verfügung gestellt, insgesamt sind es 7,5 Millionen Euro. Gut ein Viertel davon soll bei den Frauen ankommen.

          „Der Schulterschluss zwischen den Männer-Lizenzvereinen und der Frauenfußball-Bundesliga ist einfach ein tolles Signal von der DFL, das in dieser Situation enorm hilft“, sagt Siegfried Dietrich, Manager des FFC Frankfurt und Vorsitzender des DFB-Ausschusses Frauen-Bundesligen. So erspart sich der Fußball zumindest vorerst eine Diskussion wie im Handball, als nach dem Abbruch der Spielzeiten zwar bei den Männern der Meister THW Kiel verkündet wurde, bei den Frauen aber Tabellenführer Borussia Dortmund die Chance auf die Meisterschaft genommen wurde.

          Nur noch wenig sportliche Relevanz

          Dabei wäre die Situation bei den Fußball-Frauen deutlich einfacher: Der VfL Wolfsburg steht bei acht Punkten Vorsprung ohnehin schon so gut wie sicher als Meister fest. Sportlich ginge es im Grunde nur noch zwischen Bayern München und der TSG Hoffenheim um Champions-League-Platz zwei sowie zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Köln um den zweiten Absteiger neben dem Tabellenletzten USV Jena. Diese Fragen ließen sich pragmatisch auch mit Entscheidungsspielen lösen. Dazu wäre bei einem Minimalprogramm noch der DFB-Pokal mit den beiden Halbfinalspielen sowie dem Endspiel zu bewältigen. So bleibt die Frage, ob die weiteren 36 weitgehend bedeutungslosen Bundesligaspiele noch einen Sinn ergeben.

          F.A.Z.-Newsletter „Coronavirus“

          Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          „Ich bin total hin- und hergerissen. Man muss alles versuchen, dass man in den Spielbetrieb kommt. Dafür gibt es viele, viele Gründe“, sagt Ralf Zwanziger, der Frauenfußballchef der TSG Hoffenheim. Einerseits fürchten die Klubs, dass Sponsoren Geld zurückverlangen könnten, falls die ausstehenden Spiele nicht stattfinden könnten. Viele mittelständische Förderer, aber auch der Ligasponsor Flyeralarm dürften in der Krise ohnehin selbst wirtschaftlich schweren Schaden nehmen. „Wir haben uns an die Männer drangehängt, um die Chance zu nutzen“, sagt Zwanziger. Der Frauenfußball könnte angesichts des Mangels an Live-Sport mehr Medienpräsenz erzielen.

          In der Liga herrscht dabei eine große Einigkeit, die Willensbekundung zur Fortsetzung der Spielzeit wurde anders als beispielsweise in der ebenfalls vom DFB organisierten dritten Liga der Männer ohne Gegenstimme verabschiedet. „Es ist sehr wichtig und positiv, dass man als Liga gemeinsam Gesicht zeigt und das große Ganze im Blick hat“, sagt der Ausschuss-Vorsitzende Dietrich dazu. Die Grundlage für alle weiteren Planungen ist dabei die Finanzspritze aus dem Männerfußball. Der Solidarbeitrag würde vermutlich die Lücken in den meist kaum eine Million Euro übersteigenden Etats stopfen, auch wenn daraus zunächst die Tests auf Corona-Infektionen finanziert werden sollen. Mit dem restlichen Geld würden jene sechs reinen Frauenfußballklubs unterstützt, die nicht auf den Rückhalt durch einen Lizenzverein aus der ersten oder zweiten Bundesliga bauen können, pro Verein vermutlich mehr als 200.000 Euro. „Die Kosten durch mögliche Ausfälle von Sponsorengeldern und fehlende Zuschauereinnahmen könnten bei den Vereinen weitgehend durch die Unterstützung gedeckt werden“, sagt Dietrich, dessen FFC vor der geplanten Fusion mit Eintracht Frankfurt noch als reiner Frauenfußballklub behandelt wird.

          Bei den sechs Ablegern der Männer-Bundesligaklubs von Bayern München bis zum SC Freiburg gibt es unterdessen nach Informationen der F.A.Z. auch noch keine Tendenz, dass die Frauen aus Sparzwängen für die Männer „geopfert“ werden könnten.

          Köln fürchtet Überlastung der Spielerinnen

          So bleibt am Ende allein die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Saisonfortsetzung im Angesicht der gesundheitlichen Gefahren. Der 1. FC Köln, als Tabellenvorletzter in Abstiegsgefahr, möchte die Saison zwar auch gerne zu Ende führen. Der Klub hat aber Sorgen um seine Spielerinnen, und dies nicht nur wegen der Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus. „Wir müssten vermutlich samt zwei Nachholpartien acht Spiele in vier Wochen bestreiten nach den jetzigen Planungen“, sagt Monika Beckmann, beim FC für den Spielbetrieb verantwortlich. „Da sehe ich für unsere Spielerinnen, die beruflich oder in ihrer Ausbildung durch die Krise ohnehin zusätzlich belastet sind, Gefahren, dass sie sich verletzen aufgrund der Belastung.“

          Viele sind auch deshalb erst einmal froh, dass die Frauen ohnehin erst nach der Männer-Bundesliga in den Spielbetrieb zurückkehren sollen. So wird sich auf anderer Bühne weisen, ob das Vorhaben überhaupt umsetzbar ist. „Wir erleben in allen Bereich brutale Einschränkungen, Schule und alles“, sagt der Hoffenheimer Zwanziger. „Da müssen wir eben auch im Sport damit leben. Und wenn dann eben doch nicht gespielt wird, dann ist es so.“

          Weitere Themen

          Klub mit klarer Kante

          Die Werte der Eintracht : Klub mit klarer Kante

          Eintracht Frankfurt hat sich nicht nur sportlich gut entwickelt. Der Verein versucht auch, Werte zu definieren und durchzusetzen. Das sorgt für Aufsehen, Konflikte – und viele Sympathien.

          Topmeldungen

           Unsere Autorin: Anna-Lena Ripperger

          F.A.Z.-Newsletter : Showdown für Scheuer

          Andreas Scheuer soll heute vor einem Ausschuss zur Pkw-Maut aussagen, und die EU-Staaten beraten in Sachen Türkei. Armin Laschet trifft in Rom nicht nur auf Italiens Regierung, sondern auch auf Papst Franziskus. Der F.A.Z.-Newsletter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.