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Carsten Knop

Corona-Tristesse : Warum man 2 G im Handel nicht braucht

  • -Aktualisiert am

Zugangsbeschränkung: Ein Schild weist auf die 2-G-Regel in einem Bekleidungsgeschäft hin. Bild: Martin Albermann

Ein Einkauf nach Feierabend erregt Mitleid mit den Einzelhändlern. Die 2-G-Regel sollte für die Branche auch in Hessen fallen. Dafür gibt es gute Gründe.

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          Ob man nach Feierabend noch einmal ins Main-Taunus-Zentrum fährt, ob man die Erledigungen auf der Zeil machen möchte oder in einem anderen Stadtzentrum der Region: Man tätigt seine Einkäufe in diesen Tagen mit einem Gefühl größten Mitleids. Denn in den Geschäften herrscht eine gähnende Leere. Obwohl es sich mit Blick auf die große Zahl der Geimpften und Genesenen nicht recht erklären lässt, wirkt es so, als ob die Einführung der 2-G-Regel im Handel den Stecker gezogen hätte. Einkaufen im Laden an Ort und Stelle? Dann lieber nicht. Vielleicht trägt auch die rasante Verbreitung der Omikron-Variante noch einen Teil dazu bei, dass die Leute besonderen Schutz vor Ansteckungen suchen und größere Ansammlungen von Menschen meiden: Ihnen sei aber gesagt, dass man in der Hinsicht im Handel derzeit keinerlei Sorgen haben muss.

          Noch etwas ernsthafter formuliert: In Restaurants oder Kneipen ist die Regelung ganz gewiss sinnvoll, denn dort werden die Masken abgenommen, wenn man sitzt – und die Menschen halten sich über eine lange Zeit im selben Raum auf. Wer durch ein Geschäft läuft, behält aber seine Maske auf. Zudem steht man nicht über lange Zeitspannen hinweg an Ort und Stelle. Selbst das Anprobieren einer Hose oder gar die Auswahl einer neuen Waschmaschine ist mit dem Zeitaufwand für ein Abendessen nicht zu vergleichen. Es gibt in fast zwei Jahren Corona-Berichterstattung keine leicht auffindbaren Meldungen darüber, dass ein Geschäft als Corona-Hotspot hätte ausgemacht werden können.

          Eine Kette anderer Probleme

          In den Bundesländern Bayern und Niedersachsen sind die Einzelhändler von den entsprechenden Zugangsregelungen schon befreit. In Hessen sollte die Landesregierung sich nicht erst von einem Gericht dazu zwingen lassen, sondern lieber selbst handeln. Allein auf der Zeil und in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft stehen nach der jüngsten Zählung rund 80 Läden leer. Gewiss sind dafür vielfältige Gründe zu nennen, aber die wesentliche Ursache für diese Ballung dürfte Corona sein. Die leer stehenden Geschäfte ziehen eine Kette anderer Probleme nach sich. Der Besuch der Innenstadt wird durch sie noch unattraktiver, den frei werdenden Raum auf den Gassen erobern Menschen, denen man zum Feierabend oder am Wochenende nicht begegnen will; sie ziehen also das Gesamtbild noch weiter herunter. Diese Entwicklung wird sich nicht mit der Wiederöffnung auch nur der Hälfte der jetzt leer stehenden Geschäfte umkehren lassen.

          Natürlich gilt es, weiterhin Vorsicht walten zu lassen. Impfungen bleiben wichtig, auch wenn Omikron seinen raumgreifenden Erfolg selbst bei Geboosterten in großer Zahl feiert. Abstand halten, Maske tragen – und doch: Es bleibt eine Daueraufgabe, die Verhältnismäßigkeit aller Maßnahmen wieder und wieder zu überprüfen – und sie im Zweifel zu korrigieren.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

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