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Frankfurter Mainufer-Straße : Sperrung für Autos wohl für immer

Noch viel Betrieb: Von August an soll das nördliche Mainufer für ein Jahr Passanten gehören. Bild: dpa

Für ein Jahr wird das nördliche Mainufer in Frankfurt gesperrt, um Fußgängern mehr Platz zu bieten und die Innenstadt von Autoverkehr zu entlasten. Ob die Rückgewinnung von längerer Dauer ist, ist eine Frage der Politik.

          Die Sperrung des nördlichen Mainufers in Frankfurt für Autos, Lastwagen und Motorräder reiht sich ein in zwei Großtrends in Deutschland und Europa. Den der Rückgewinnung verbauter Flussufer für Spaziergänger und Flaneure sowie den der Entlastung der Innenstädte von übermäßigem Autoverkehr. Beide Effekte, mehr Raum für die Fußgänger und weniger Autos in der Stadt, dürften in Frankfurt eintreten.

          Es handelt sich freilich um einen auf ein Jahr beschränkten Versuch. Theoretisch zumindest. Tatsächlich wird die Sperrung der Straße zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke wohl zum Dauerzustand werden – es sei denn, es kommt wegen dieser Sperrung zu einem dauerhaften Verkehrskollaps in der Stadt. Genaueres wird man im August nächsten Jahres wissen.

          Eine politische Entscheidung

          Befürworter der Sperrung hoffen, dass sich eine punktuelle Erfahrung auch im Dauerbetrieb bestätigt: Frankfurt verkraftet seit Jahren die Sperrung des besagten Straßenabschnitts während des Mainfestes, während des Museumsuferfestes und des Triathlons.

          Die Entscheidung, ob nach dem einjährigen Verkehrsversuch die Sperrung wieder aufgehoben wird, fällt nicht nach festgelegten Kriterien, sondern politisch. Für eine Fortsetzung der Sperrung bedarf es einer Mehrheit im Stadtparlament. Selbst die CDU, in der viele an der Sinnhaftigkeit der Maßnahme zweifeln, dürfte es sich dreimal überlegen, mit der Forderung einer Wiedereröffnung des Mainufers für den Autoverkehr in den Kommunalwahlkampf 2021 zu ziehen.

          Denn viele Autofahrer, die unter der Sperrung leiden, sind Pendler aus dem Umland, die in Frankfurt kein Stimmrecht haben. Die für die Kommunalwahl wahlentscheidenden Stimmen kommen aus den innenstadtnahen Stadtteilen mit ihrer relativ hohen Wahlbeteiligung. Hier leben die urbanen Schichten, denen Umweltschutz, eine Reduzierung des Autoverkehrs und eine hohe Lebensqualität besonders wichtig sind.

          Auf diesen wahlstrategisch wichtigen Bewohneranteil werden die Wahlkämpfer ein besonderes Augenmerk richten, auch die der CDU. Würde ihre Partei als Autolobby auftreten, bekäme sie mit besagten Wählern Probleme. Die SPD hat übrigens mit ihrem jüngst verkündeten Ziel, auf längere Sicht eine autofreie Innenstadt zu schaffen, speziell die modernen Stadtbewohner rund um die City im Blick. Die Grünen dürften sich schwarzärgern, dass die Roten ihnen bei einem Kernthema die Show stehlen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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