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Die Zukunft der Mobilität : „Ein Fahrkartenautomat in der Hosentasche“

Die RMV-App: In ein paar Jahren sollen über die Anwendung Tickets durch ganz Deutschland buchbar sein. Bild: dpa

Über die RMV-App kann der Fahrgast jetzt auch Wochen- und Monatskarten kaufen. In zwei bis fünf Jahren wird man über dieses App durch ganz Deutschland Tickets buchen können – nicht nur für Züge.

          3 Min.

          Über die RMV-App kann man von Montag an auch Wochen- und Monatskarten kaufen. Ersetzt die App demnächst die Fahrkartenautomaten?

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          So weit sind wir noch nicht. Die Weiterentwicklung der App ist aber ein wichtiger Teil unserer Digitalisierungs-Strategie. Wir wollen den RMV-Kunden dadurch das Leben einfacher machen, dass wir deren Wünschen individueller folgen.

          Was hat der Kunde von der App?

          Er erreicht uns auf einfachere Weise. Wir wollen mit der App die Zugangsbarriere zum öffentlichen Nahverkehr, die ein Fahrkartenautomat mitunter darstellt, senken.

          Kann man die Automaten nicht vereinfachen?

          Die Geräte, die der RMV vor anderthalb Jahren aufgestellt hat, haben wir mit begleitender Marktforschung bedienerfreundlich entwickelt. Dennoch stellen sie nach meiner Einschätzung die letzte Automaten-Version dar. Weil unser Handy-Ticket, unser Web-Shop und der Verkauf über andere digitale Wege wie den der RMV-App schon in den vergangenen Jahren sehr gut lief, haben wir schon jetzt weniger Automaten aufgestellt als früher.

          Wird es bald automatenfreie Bahnhöfe geben?

          Nein. Natürlich findet der Fahrgast auch jetzt noch an jedem Bahnhof mindestens einen Fahrkartenautomaten. Aber nicht unbedingt mehr zwei oder an wichtigen Bahnhöfen fünf oder zehn.

          Knut Ringat, Geschäftsführer der RMV

          Wünscht und braucht das Gros ihrer Fahrgäste überhaupt eine RMV-App?

          Je mehr Angebote auf der RMV-App abrufbar sind, desto mehr Kunden werden sie nutzen. Wir sind ständig dabei, die App aufzurüsten. Im Jahr 2020 wollen wir ihr ein neues Design und eine neue Struktur geben, sie soll dann noch einfacher zu nutzen sein.

          Wohin soll das alles hinauslaufen?

          Das Ziel lautet: Informieren, buchen und bezahlen aus einer Hand – und zwar für alle Verkehrsmittel. Also auch das Car-Sharing, das Taxi, das Mietrad, später die Demand-Angebote, bei denen man ein Verkehrmittel anfordert, oder das autonome Fahren.

          Wird die RMV-App einmal für ganz Deutschland gelten?

          Es läuft schon eine Initiative zur Vernetzung der öffentlichen Verkehre, an der der RMV führend beteiligt ist. Sie heißt Mobility inside. In ihr haben sich neun Regionen und die Deutsche Bahn AG für einen Pilotbetrieb gefunden. Am Ende werde ich mit Hilfe der RMV-App oder der App des jeweiligen Partners durch ganz Deutschland reisen und dabei alle Verkehrsmittel nutzen können.

          Ist das eine Jules-Vernes-Spinnerei, die vielleicht in 50 Jahren verwirklicht wird?

          Nein. Ich gehe davon aus, dass wir regionsweise in den nächsten zwei bis fünf Jahren den Verkehr in Deutschland über einen solchen Dienst verbunden haben werden. Wir richten quasi einen Warenkorb ein, in die jeder Verkehrsverbund seine digitalen Daten, seine App und seine Angebote einstellt. Der Kunde aus Frankfurt oder München oder Köln kann sich aus diesem Warenkorb jenen Teil seiner Reisestrecke herausnehmen, die über seine Stadt beziehungsweise sein Verbundgebiet hinausgeht. Dabei kann er nicht nur die S-Bahn und den Fernzug buchen, sondern auch das Auto oder das Mietrad, das für seine Reisekette günstig ist.

          Ist das alles noch bloße Theorie?

          Wir testen das im Moment. Nicht auf der App, sondern auf der mobilen RMV-Website m.rmv.de. Hier wird das „Informieren, buchen und bezahlen aus einer Hand“ ausprobiert. Das Bezahlen funktioniert noch nicht durchgängig. Aber im nächsten Jahr werden wir so weit sein.

          Kommen wir zur Gegenwart. Sie haben die RMV-App aufgerüstet. Was ist neu?

          Von Montag an steht eine neue Version der RMV-App im App-Store. Der Kunde kann dann über die RMV-App Wochen- und Monatskarten kaufen. Dauerkunden wie Pendler haben damit mit ihrem Smartphone den Fahrkartenautomaten in der Hosentasche. Sie müssen sich nicht mehr am Anfang des Monats ihre Monatskarte am Automaten auf ihre Chipkarten laden, sondern können von jedem Ort aus das Ticket über ihr Handy kaufen.

          Bisher konnte man nur Einzelticket, Tageskarten und Hessen-Tickets über die App kaufen. Warum haben sie nicht von vornherein Dauerkarten angeboten?

          Einzel- und Tagestickets kosten einen überschaubaren Betrag. Bei Wochen- und Monatskarten geht es um deutlich höhere Beträge. Wir brauchten deshalb est ein besonderes sicheres und zertifiziertes Verfahren, das keinen Missbrauch erlaubt.

          Warum bieten Sie auf der RMV-App noch keine Jahreskarten an?

          Bei Jahrestickets geht es um besonders hohe Beträge. Wir testen jetzt zuerst mal den Verkauf von Wochen- und Monatskarten über die App. Wenn wir ganz sicher sind, dass die Technik nicht missbraucht werden kann, werden wir auch die Jahreskarte über die App anbieten.

          Was ist besser: Chipkarte oder App?

          Wir überlassen die Entscheidung dem Kunden. Der RMV wird aber, auch wenn die App rasend erfolgreich sein wird, die Chipkarte in den nächsten Jahren auf keinen Fall abschaffen. Denn sollte irgendwas mit dem Smartphone-Kanal sein, zum Beispiel, dass ein App-Store übergroße Provisionen verlangen würde, dann verfügt der RMV mit der Chipkarte immer noch über einen eigenen Verkaufsweg.

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