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Frankfurter Theater : Ganz und gar dem Islam begegnen

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Teppich, Tropenhelm, Wüstenwind: In Frankfurt schrecken Markus und Markus vor Orientklischees nicht zurück. Bild: Katja Renner

Morgenland, Abendland, dazwischen das Theater auf der Suche: Performer Markus Schäfer und Markus Wenzel zeigen im Frankfurter Künstlerhaus das Stück „Zwischen den Säulen“.

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          Die Reise endet in Mekka, dem wichtigsten Wallfahrtsort der Muslime. Auf einer großen Leinwand wird übertragen, wie die Pilger, meist in hell leuchtenden Gewändern, entgegen dem Uhrzeigersinn um die Kaaba kreisen, wie sie sich dem heiligen Ort hingeben, auf den sie sich durch Gebete vorbereitet haben, wie sie aufgehen in der Masse der Gläubigen: Als „heftig und hemmungslos Liebende“ werden sie bezeichnet.

          Bis nach Saudi-Arabien sind auch die Zuschauer an diesem Abend im Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm der Gruppe Markus & Markus gefolgt, die ihr dokumentarisches Theaterstück „Zwischen den Säulen“ als eine Art Schnitzeljagd gestaltet hat, mit den fünf Säulen des Islam als Stationen. Das Stück ist Resultat eines über mehr als ein Jahr angelegten Versuchs, sich dem Islam und seiner Kultur anzunähern, inhaltlich wie räumlich.

          Das sei nötig in einer „Zeit von Menschenfeindlichkeit und Hass“, sagen die Performer Markus Schäfer und Markus Wenzel, und leider geben ihnen auch die jüngsten Ereignisse recht. Sie wollten für Minderheiten eintreten, sagen sie. Obwohl die Freiheit der Religion im Grundgesetz verankert sei, blickten wir auf die anderen, ohne uns wirklich zu begegnen. Klischees möchten sie eigene Erfahrungen entgegensetzen: als Reisende ohne fertige Weltanschauung.

          Auf einer Bühne, die mit Palmen, Teppichen, einem batteriebetriebenen Kamel und anderen den Orient zitierenden Versatzstücken ausgestattet ist, betreiben die Performer Spurensuche. Goethe und seinen „West-östlichen Divan“ können sie zitieren und Lessings Ringparabel. Doch nicht nur die Klassiker wussten um den Reichtum, den uns das Morgenland beschert. Schon immer hat der Westen arabische Begriffe, orientalische Pflanzen und Musikinstrumente übernommen. Im schiitischen Passionsspiel entdeckte der Regisseur Peter Brooks Verfremdungseffekte, wie sie das westliche Avantgardetheater verwendet.

          Fiktion und Wahrheit verschwimmen

          Von Katarina Eckold mit der Kamera begleitet, reisen Markus & Markus nach Sarajewo und Jordanien, besuchen aber auch Moscheen in Deutschland. Zuletzt die Moschee in Penzberg, wo sie bei Imam Benjamin Idriz zum Islam konvertieren. Der Moment, in dem sie das Glaubensbekenntnis sprechen, habe nicht gefilmt werden dürfen, berichten sie. Gefilmt wurde eine nachgestellte Szene, die im Mousonturm auf einer großen Leinwand in der Bühnenmitte zu sehen ist.

          Was wahr ist und was fiktiv, ist in dem performativen Stück der Hildesheimer Theatergruppe, zu der als Vierte im Bunde Lara-Joy Hamann gehört, nicht immer nachzuvollziehen. Was an dem Reigen aus Zitaten, kleiner Arabischstunde, Filmausschnitten, Tanzeinlagen und der Lesung tagebuchartiger Erlebnisprotokolle aber besonders auffällt, ist die affirmative Haltung der Performer. Alles, was ihnen begegnet, wird wohlwollend aufgenommen. Auf der Bühne nehmen Einlagen wie die mit der sprechenden Schlange, der Einsatz eines Lichtschwerts und Anleihen aus dem „Herrn der Ringe“ und „Star Wars“ dem Thema zudem die Schwere.

          Lässt sich Authentizität tatsächlich herstellen, indem jemand eine Religion wechselt oder annimmt und – so wirkt es zumindest – mal schnell, wenn auch durchaus ernst gemeint, in eine andere Rolle schlüpft? Der Wille, sich ganz und gar in eine Sache zu begeben, wirkt naiv, reißt die Zuschauer aber auch mit. Man kann das Stück als längst notwendige Ergänzung sehen: Es werden ausschließlich positive Bilder des Islams den vielen negativen entgegengesetzt. Zusammen mit anderen ergeben sie ein vielstimmigeres Bild.

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