Begehbares Video-Spiel : Wilhelm Tell im Fadenkreuz
Cemile Sahin hat den Nassauischen Kunstverein in ein begehbares Video-Kriegsspiel verwandelt. Die Schweiz erscheint hier alles andere als neutral.
Der Rütlischwur als Nachrichtentext. Gesprochen von einer jungen Frau mit ebenmäßigen, aber wenig bewegten Gesichtszügen und streng gescheitelten Haaren. Ihr Konterfei erscheint auf einem Monitor, als säße sie in einem Fernsehstudio. Hinter ihr Aufnahmen eines leuchtenden Alpenpanoramas, an die sich in jähem Kontrast Filmsequenzen eines durch graue Straßen kreuzenden Panzers anschließen. Die vorgetragenen Worte stammen aus dem Schiller-Drama „Wilhelm Tell“, mit dem der Schweizer Gründungsmythos zu weltliterarischem Ruhm kam. Die Bilder wurden zum einen mit Künstlicher Intelligenz erzeugt, zum anderen fanden sie sich in einer Internet-Präsentation der Eidgenössischen Armee. Umso irritierender, dass Hör- und Sichtbares nichts miteinander zu tun haben und doch genau aufeinander zugeschnitten zu sein scheinen.
Zugang zu allen FAZ+ Beiträgen (Originalpreis: 13,80 €) jetzt nur 0,99 €
Zugang zu allen FAZ+ Beiträgen (Originalpreis: 13,80 €) jetzt nur 0,99 €
- Mit einem Klick online kündbar





