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Kommentar zur Stadtplanung : Auch Frankfurt muss bauen

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Man sieht sie schon vor sich, die Protestierenden und Demonstranten. Mit einhelliger Begeisterung für ihre Pläne zu einem neuen Stadtteil Frankfurts können die Sozialdemokraten nicht rechnen. Umso mehr sind sie für ihren Vorschlag zu loben.

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          Man sieht sie schon vor sich, die Protestierenden und Demonstranten. Bauern kippen Mist vor dem Frankfurter Rathaus Römer aus, Umweltschützer ketten sich an Bäumen fest, Einwohner von Nieder-Erlenbach veranstalten Pfeifkonzerte, weil ihnen die Sicht verbaut wird. Nein, mit einhelliger Begeisterung können die Sozialdemokraten für ihren Vorschlag, auf den Äckern zwischen Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach einen neuen Stadtteil zu errichten, nicht rechnen.

          Umso mehr sind sie dafür zu loben, dass sie die Mühe auf sich genommen haben, einen bedenkenswerten Vorschlag zu unterbreiten. Es reicht nicht, das Fehlen von Wohnungen zu beklagen. Die eingesessene Bevölkerung, die sich vor überproportionalen Mieterhöhungen fürchtet, und die Zuzügler, die verzweifelt eine bezahlbare Wohnung suchen, erwarten Taten. Dass nun die oppositionelle SPD liefert, muss der schwarz-grünen Koalition weh tun. Wieder einmal ist sie vom SPD-Oberbürgermeister Peter Feldmann an die Wand gespielt worden.

          Frankfurt macht nichts falsch

          Er hat CDU und Grüne längst zu dem Eingeständnis gezwungen, dass Frankfurt mit seiner wachsenden Bevölkerung nichts nötiger braucht als zusätzlichen Wohnraum. Es reicht aber nicht, Baulücken zu schließen und Stadtteile zu verdichten oder Büros in Wohnraum umzuwandeln. Ohne den Bau von neuen Wohnungen ist das Problem nicht zu lösen. Die Stadtregierung sollte sich hüten, ganz auf die Einhausung der A 661 und einen neuen Stadtteil dort zu setzen. Denn dass das in weiter Ferne liegende Projekt gelingt, ist noch keineswegs ausgemacht.

          Frankfurt macht nichts falsch, wenn es auf die Kooperation mit Kommunen im Umland setzt. Aber die Metropole muss auch eigene Flächen für den Wohnungsbau ausweisen. Im Süden Frankfurts ist das wegen des Fluglärms nicht möglich, größere Freiflächen stehen nur noch im Norden zur Verfügung.

          Eine Bebauung des Areals dort dezimiert die landwirtschaftlichen Flächen und versiegelt weiteren Boden. Das dürfte vor allem den Grünen gar nicht gefallen. Es gibt aber gute Gründe, in diesem Fall dem Wohnungsbau den Vorzug vor dem Landschaftsschutz zu geben. Diese Diskussion muss die schwarz-grüne Koalition nun angesichts des SPD-Vorschlags konkret führen.

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