https://www.faz.net/-gzg-9ftzq

Netzausbau im Nahverkehr : Kurzfristig keine große Lösung

Kampf gegen Diesel-Fahrverbote: Kann ein Netzausbau im Nahverkehr die Autofahrer Frankfurts retten? Bild: Ricardo Wiesinger

Dauerthema Diesel-Fahrverbote: Nun springt der Rhein-Main-Verkehrsverbund auf und will mit einem Netzausbau für bessere Luft sorgen. Doch kann diese Rechnung aufgehen?

          Nun sollen Busse und Bahnen die Welt retten. Oder zumindest die Städte vor einem Diesel-Fahrverbot bewahren. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) tut mit der Ausweitung der Hauptverkehrszeit, mit zusätzlichen Fahrzeugen für die S-Bahn und Erweiterungen seines X-Bus-Angebots, was ihm in der Kürze der Zeit möglich ist. Ob damit die Richter in den Stickoxid-Prozessen von einer Verhängung von Fahrverboten abgehalten werden können? Das können nur ausgesprochene Optimisten glauben.

          Um es schon jetzt klar zu sagen: Der öffentliche Nahverkehr wird bei einem Diesel-Fahrverbot in Frankfurt wegen der Überlastung der Schienenstrecken während des Berufsverkehrs nicht alle Pendler, die nicht mehr mit dem Auto zu ihrem Arbeitsplatz kommen, zur gewünschten Zeit in die Mainmetropole befördern können. Längere Hauptverkehrszeiten und mehr Bahnen, wie der RMV sie jetzt ankündigt, sind kurzfristig ein guter Ansatz, sie können das Problem aber nur verkleinern, nicht lösen. Wirklich helfen wird nur der Ausbau des Schienennetzes, in den der Bund nicht nur viele Milliarden investieren, sondern den er außerdem planungsrechtlich beschleunigen muss.

          Eine andere kurzfristige Strategie könnte darin bestehen, parallel zu den überlasteten Bahnstrecken Buslinien einzurichten. Das Problem besteht darin, dass die Autobahnen, auf denen diese Busse fahren müssten, verstopft sind. Denkbar wäre, dass man die für den Verkehr freigegebenen Seitenstreifen für Busse und Autos mit mindestens zwei oder drei Insassen reserviert.

          Versagen auf ganzer Linie?

          Womit man beim Thema Elektrobus ist. Für solch lange Strecken taugen sie wegen ihrer zu geringen Reichweite vorerst nicht. Nötig wären Hybrid-Busse, die mit Diesel und Strom fahren können. Die allerdings gibt es nicht. Leider hat die deutsche Automobilindustrie nicht nur mit ihren Dieselautos, die im Regelbetrieb mehr Stickoxid ausstoßen als angegeben, versagt, sondern auch bei der Entwicklung von E-Bussen und Hybrid-Bussen.

          Wer Busse mit Elektroantrieb möchte, muss sie zurzeit zu Mondpreisen bei chinesischen Herstellern bestellen und beten, dass sie irgendwann geliefert werden. Dabei ist noch nicht einmal gesagt, ob dem E-Bus die Zukunft gehört oder womöglich dem Bus mit Wasserstoffantrieb. Dieser Treibstoff ist im Industriepark Höchst ein Abfallprodukt.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          TV-Kritik: Anne Will : Klimawandel und Professionalisierung

          In dieser Woche will die Bundesregierung ihre klimapolitischen Pläne festschreiben. Vorher schärfen alle Akteure noch einmal ihr Profil. Das gelang gestern Abend auch dem AfD-Politiker Björn Höcke, während es bei Anne Will um die Autoindustrie ging.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.