https://www.faz.net/-gzg-8l166

Tierischer Helfer : Hessens erster Handy-Spürhund

  • Aktualisiert am

Feine Nase: Der zwei Jahre alte und speziell ausgebildete Schäferhund sucht in Gefängnissen nach Mobiltelefonen, Sim-Karten und Akkus. Bild: dpa

Bono ist zwei Jahre alt und hat eine spezielle Ausbildung. Der Schäferhund sucht in Gefängnissen nach Handys.

          2 Min.

          Bono wedelt aufgeregt mit dem Schwanz. Sein Hundeführer Florian Gimbel befiehlt „Such!“ – und der Belgische Schäferhund läuft durch die Gefängniszelle in der Justizvollzugsanstalt KasselI. Unter einem Spalt zwischen Boden und Kühlschrank wird er fündig: ein verstecktes Smartphone. Selbst eine kleine Sim-Karte, unter eine Tischkante geklemmt, kann er ausfindig machen. Bono ist Hessens erster Handyspürhund. Er entdeckt in Haftanstalten Mobiltelefone, die für Häftlinge verboten sind. „Der Einsatz der Hunde dient dazu, eine unkontrollierte Kommunikation von Inhaftierten mit der Außenwelt zu unterbinden“, sagt Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), die sich gestern einen Eindruck von den Fähigkeiten des für 10.000 Euro ausgebildeten Tiers machte.

          Es gibt schon länger Vierbeiner, die Drogen, Waffen und Falschgeld finden. Dagegen gibt es Handyspürhunde erst seit 2013 in Deutschland. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen hat man gute Erfahrungen mit solchen Tieren gemacht, deswegen beginnt jetzt auch Hessen mit Bono ein Pilotprojekt. Seit April ist der zweijährige Schäferhund im Einsatz. Wie der verspielt wirkende Vierbeiner mit schwarzer Schnauze Handys aufspürt? Das will sein Führer im Detail nicht erklären – Betriebsgeheimnis. So viel aber verrät das Ministerium: Der Hund ist auf die Geruchsstoffe der Hardwarekomponenten in den Handys konditioniert. Er erkennt Mobiltelefone und Teile wie Lithium-Ionen-Akkus und Sim-Karten.

          Bono ist bei der Suche erfolgreicher als die Vollzugsbeamten

          Auf welcher Frequenz das Gerät arbeitet, ob es ausgeschaltet ist, spielt keine Rolle. Bono könne Handys in Räumen, Autos, Erdverstecken, Kleidung, Gepäckstücken und an Personen finden, heißt es. Um sein Können zu zeigen, wurde gestern ein Handy in einer Gefängniswerkstatt versteckt. Nach wenigen Minuten wurde er fündig – es war mit Klebeband unter einem Hubwagen befestigt. Handys werden von Häftlingen oft außerhalb der Zelle deponiert. Dort gibt es mehr Verstecke, und wenn es entdeckt wird, kann es nicht so leicht zugeordnet werden. Pro Jahr werden in der JVA Kassel I etwa 15 Stück gefunden. „Handys sind ein echtes Problem im Strafvollzug. Sie sind wertvoller als Drogen und werden versucht, auf jede erdenkliche Art und Weise hereinzuschmuggeln“, sagt der Ministeriumssprecher.

          Die Justiz will Handys aus vielen Gründen aussperren. Im Besitz Gefangener können Zeugen unter Druck gesetzt, aber auch Drogenhandel organisiert werden. Sie können zum Aufbau extremistischer Organisationen dienen und zur islamistischen Radikalisierung. Selbst Geiselnahmen und Fluchtversuche sind damit leichter möglich. Aber auch Bono wird nicht alle Handys finden, seine Erfolgsquote ist nicht 100 Prozent. „Aber er findet die Geräte auf jeden Fall häufiger als Beamte bei Durchsuchungen.“

          Weitere Themen

          Nächtlicher Lärm macht krank

          Immer weniger Ruhezeit : Nächtlicher Lärm macht krank

          Nächtlicher Verkehrslärm kann für den Menschen gravierende Folgen haben: Forscher unter der Leitung des Mainzer Uniklinikums konnten Schäden bei Herz, Stoffwechsel und Psyche nachweisen.

          Topmeldungen

          Die Moderatorin Susan Link vertritt den erkrankten Moderator Frank Plasberg in der WDR-Talkshow „Hart aber fair“. Hinter ihr die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, der CSU-Generalsekretär Markus Blume und die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl (von links)

          TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Aktien als Allheilmittel

          Die Deutschen sind ein Volk der Sparer. Doch in Zeiten von Negativzinsen muss man umdenken. Bei „Hart aber fair“ raten alle Gäste zu einer Lösung – bis auf Sahra Wagenknecht: Sie setzt auf ein Konzept, das viele als überholt ansehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.