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Frankfurt Skyliners : Mit Würfen und Worten: Die Skyliners-Doppelspitze

Antreiber: Jacob Burtschi findet die richtigen Würfe und Worte. Bild: Wonge Bergmann

Jacob Burtschi und Andy Rautins führen das junge Team an. Nachdem Dawan Robinson aus dem Kader flog, übernimmt Jacob Burtschi nun Verantwortung als Kapitän-

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          Jacob Burtschi hatte auf dem harten Parkett der Ballsporthalle Platz genommen, um ein paar Dehnübungen zu machen. Was dem amerikanischen Basketballprofi dieses Mal viel leichter fiel als vor vier Tagen. Da hatten die Fraport Skyliners in Weißenfels überaus deutlich mit 57:87 verloren. Am Mittwoch ging es in der Achterbahnfahrt der Basketball-Bundesliga wieder steil aufwärts. 79:53 schlugen die Frankfurter die Braunschweig Phantoms, denen vor 3300 Zuschauern gegen die erstaunlich stark spielenden Hessen kaum etwas gelang. „Wir haben die richtige Antwort gegeben“, sagte Burtschi, der als Kapitän der Skyliners wieder wichtige Akzente gesetzt hatte. Mit dem Blick zurück halten sich Profis wie er nicht lange auf – nicht nur, weil sie als Berufssportler einem positiven Denken geradezu verpflichtet sind. Die Erklärung Burtschis war ganz pragmatisch: „Eine Niederlage ist eine Niederlage.“ Und da sei es ziemlich egal, ob man mit 30 Punkten oder nur mit einem Zähler Differenz verliere.

          Burtschi hat sich in seine Rolle bei den Skyliners schnell eingefunden. Nachdem Dawan Robinson die Erwartungen des Trainers nicht hatte erfüllen können, die Qualifikation zum Führungsspieler verpasste und schließlich aus dem Kader flog, übernahm der einstige Air-Force-Offizier Burtschi Verantwortung. Er tut dies nicht ganz alleine, denn als zweite Führungsspitze hat sich Andy Rautins mit Nachdruck empfohlen. Der kantige Kanadier, der auch einen amerikanischen Pass besitzt, ist einer der spektakulärsten Neuzugänge in der Basketball-Bundesliga. Gegen Braunschweig erzielte er 26 Punkte. In der Liga steht er in der Rangliste der Topscorer auf Platz drei. 17,7 Punkte pro Spiel steuert Rautins bei. „Während Jacob Burtschi seine Führungsrolle mehr mit Persönlichkeit und Worten ausfüllt, macht Andy Rautins dies mit seiner Härte und Athletik“, sagt Skyliners-Headcoach Gordon Herbert. Von der Doppelspitze können die Skyliners in dieser Spielzeit vermutlich noch oft profitieren.

          „Tez ist schon eine große Last“

          Burtschi ist als Power Forward zwar nicht so als Scorer präsent, wie dies Rautins immer wieder mit feiner Wurftechnik und eisernen Nerven gelingt. Dafür ist Burtschi der perfekte Kommunikator und Motivator. Wenn es mit den Schiedsrichtern etwas zu erläutern gibt, findet Burtschi die richtigen Worte, wird nie ausfallend und bleibt stets verbindlich. „Jake hat einen überragenden Basketball-IQ“, sagt Herbert, „er verkörpert als Führungsspieler genau das, was Trainer erwarten.“ Bei Rautins sieht das, was die Amerikaner gerne „Leadership“ nennen, etwas anders aus. Der smarte Guard ist ein exzellenter Scharfschütze von jenseits der Dreipunktelinie. Gegen Braunschweig trafen sechs seiner neun Dreier-Versuche in den Korb der Phantoms. Rautins zeigt auf dem Parkett eine gewisse Gnadenlosigkeit. Sein Trainer Herbert erkennt bei ihm eine „kanadische Eishockey-Härte“. Hinzu komme die Tatsache, dass Rautins vor zwei Jahren in der amerikanischen Profiliga NBA für die New York Knicks gespielt hat. In Frankfurt, so sagt Rautins, fühle er sich pudelwohl. „Ich habe mich in die Stadt und die Menschen hier verliebt.“

          So unterschiedlich die beiden Führungsspieler der Skyliners sind, haben sie so eine große Gemeinsamkeit: „Ihre Erfahrung“, sagt Herbert. „Die jungen Spieler blicken zu ihnen auf.“ Die Frankfurter haben derzeit aber nicht nur auf, sondern auch neben dem Parkett Führungspersönlichkeiten. Marius Nolte und Quantez Robertson beteiligen sich trotz ihrer Verletzungen, die sie zurzeit auskurieren, stark am Geschehen, spornen an, geben Tipps, jubeln und kritisieren. Robertson hatte nach der Partie gegen Braunschweig neben Burtschi auf dem Hallenboden Platz genommen. Auf die Frage, wie hilfreich Robertson trotz seines Wadenbeinbruchs denn für die Skyliners sei, grinste Burtschi seinen Nebenmann an, seufzte theatralisch und befand: „Tez ist schon eine große Last, die wir mit uns herumschleppen.“ Robertson schaute mit großen Augen in die Runde, wo sich seine Kollegen vor Lachen krümmten.

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