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Streit mit Stiefeltern : „Ich finde, du störst“

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Nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen: Eine Szene aus dem Film „Eltern“ von Robert Thalheim. Bild: Kundschafter Filmproduktion GmbH

Kindern fällt es oft schwer, ihre Stiefeltern zu akzeptieren. Zu groß ist die Angst, man müsse jetzt teilen. Therapeut Wolfgang Krüger und seine erwachsene Stieftochter erzählen, wie aus Feindschaft ein Vertrauensverhältnis wurde.

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          Katharina, heute, mit 30 Jahren: Wie würden Sie diesen Mann hier vorstellen?

          Katharina: Ich würde sagen, Wolfgang ist ein liebenswürdiger Mann, der mich über Jahre unterstützt hat und dem ich für viele Sachen dankbar bin.

          Und Sie, Herr Krüger? Ist Katharina Ihre Tochter?

          Wolfgang Krüger: Wenn ich mit Fremden spreche, bezeichne ich sie immer als Tochter. Vor Jahren bei einer Rundfunksendung, wo ich sie als Tochter vorgestellt hatte, sprach man sie als Katharina Krüger an, und sie hat nicht protestiert. Ich war verwundert. Aber sie sagte: Wenn du mir Essen machst und dich kümmerst, wenn ich krank bin, kann ich auch deinen Namen tragen.

          Das hat Ihnen viel bedeutet?

          Krüger: Für mich war es ein Symbol, dass eine tiefe Vertrautheit entstanden war. Wir kannten uns da fünf Jahre. Am Anfang wäre das undenkbar gewesen.

          Erzählen Sie doch bitte einmal von Ihrer ersten Begegnung.

          Krüger: Als ich mich in eine Frau verliebte, die eine neun Jahre alte Tochter hatte, fand ich das klasse. Ich hatte keine Kinder, kam aber immer gut mit Kindern zurecht. Bei unserem ersten Treffen fand ich Katharina etwas reserviert, aber ich war überzeugt: Nach wenigen Wochen würde sie von mir begeistert sein und es würde anregende Gespräche geben.

          Katharina: Als meine Mutter mir mitteilte, dass sie jemanden kennengelernt hatte, war das für mich ein Schock. Ich hatte ja gerade erst die Trennung meiner Eltern zu verdauen und dachte: Jetzt habe ich meine Mama für mich. Und weil sie mir gesagt hatte, dass Wolfgang 16 Jahre älter war als sie, dachte ich vor unserem ersten Treffen, da kommt jetzt ein ganz, ganz alter Mann. So schlimm war es dann nicht. Aber ich wollte ihn nicht haben in meinem Leben.

          Er war Ihnen peinlich, schreiben Sie in Ihrem gemeinsamen Buch „Über-Leben in der Patchworkfamilie“: ein „alter Sack“, der aufdringliche Fragen stellte, ein Wessi. Hätte ein anderer Mann es leichter gehabt?

          Katharina: Wahrscheinlich nicht. Ein anderer hätte vielleicht drei Kinder mitgebracht oder wäre Extremsportler gewesen. Entscheidend ist, dass man seine Mutter plötzlich teilen muss.

          Nach sieben Wochen sagte Katharina zu Ihnen, Herr Krüger: „Nimm es nicht persönlich, aber ich finde, du störst.“

          Krüger: Ich fand sie in ihren Aussagen immer sehr klar. Schwieriger finde ich, wenn jemand mit Dingen hinterm Berg hält. Aber sie hatte immer sehr offensive Strategien.

          Was meinen Sie damit?

          Krüger: Wenn wir zum Beispiel beim Essen saßen, kam ich eigentlich nie zu Wort, weil sie Themen aufbrachte, zu denen ich nichts sagen konnte: Weißt du noch, damals, die Mücken? Als wir zusammen mit Papi, auf der Luftmatratze, beim Zelten? Erst jetzt, beim Schreiben habe ich begriffen, dass da eine faustdicke Strategie hinter stand.

          Was haben Sie unternommen, um diesen Typen an der Seite Ihrer Mutter wieder zu vergraulen?

          Katharina: Keinen Raum geben, war die Devise. Es gab viele Gesellschaftsspiele, wo er erst mal nicht mitmachen konnte. Und ich habe geguckt, dass wir nichts gemeinsam unternehmen, dass wir keine Ausflüge zusammen machen.

          Krüger: Einmal bin ich mit einer Kollegin zu Ikea gefahren, weil wir zu wenig Geschirr für die neue Spülmaschine hatten. Als Katharina nach Hause kam, rief sie sofort ihre Mutter an: Wolfgang ist mit einer fremden Frau in der Wohnung. Ich dachte nur: du Stinktier. Sie hatte Glanz in den Augen, weil sie wirklich dachte: Jetzt bin ich ihn los. Als dann ihre Mutter kam und die Kollegin normal begrüßte, sah man, wie die Mundwinkel runtergingen.

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