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Hadsch und Opferfest : Deshalb pilgern Muslime jedes Jahr nach Mekka

  • Aktualisiert am

Tausende von muslimischen Pilgern verrichten das Gebet und den Tawaf um die Kaaba in der Großen Moschee in der heiligen saudischen Stadt Mekka während der jährlichen Hadsch-Pilgerfahrt. Bild: dpa

Jedes Jahr pilgern Tausende Muslime nach Mekka. Der sogenannte Hadsch gehört zur Pflicht für jede Muslimin und jeden Muslim. Warum das so ist, wie der Hadsch abläuft und was er in etwa kostet – ein Überblick.

          5 Min.

          Mekkas Straßen sind wieder gefüllt mit weißgewandeten Gläubigen aus der ganzen Welt. Die heiligste Stadt im Islam bereitet sich auf den größten Hadsch seit Beginn der Corona-Pandemie vor, der in diesen Tagen beginnt. Transparente begrüßen die Pilger, Plätze und Straßen sind geschmückt und bewaffnete Sicherheitskräfte patrouillieren durch die Stadt, den Geburtsort des Propheten Muhammad. Abdel Kader Cheder aus Sudan sagt, er empfinde pure Freude. „Ich kann fast nicht glauben, dass ich hier bin. Ich genieße jeden Moment.“

          Zum Höhepunkt des Hadsch wird das islamische Opferfest stattfinden, das zugleich das höchste islamische Fest ist. Es dauert vier Tage, beginnt in diesem Jahr am Abend des 9. Juli und endet am 13. Juli.

          Was ist der Hadsch?

          Der Hadsch ist die große muslimische Pilgerreise in die Stadt Mekka im Westen Saudi-Arabiens und gehört neben dem öffentlichen Glaubensbekenntnis, dem täglichen Gebet, dem Fasten im Monat Ramadan und der Unterstützung von Bedürftigen zu den fünf Säulen des Islam.

          Wo liegen die Ursprünge des Hadsch?

          Die rituelle Abfolge der Pilgerreise geht auf die „Abschiedswallfahrt“ im Frühjahr 632 zurück. Bei ihr legte Muhammad, der Prophet der Muslime, alle bis heute befolgten Einzelheiten fest. Er ging mit einigen tausend Muslimen die Wege ab, die 1400 Jahre nach ihm Millionen von Pilgern beschreiten. Vielen Muslimen gilt die „Abschiedswallfahrt“ als der Höhepunkt in Muhammads Wirken und als sein Vermächtnis. Er starb wenige Monate darauf.

          Warum muss man als Muslim nach Mekka pilgern?

          Für jede Muslimin und jeden Muslim gehört es zur religiösen Pflicht, einmal im Leben nach Mekka zu pilgern – sofern sie es sich finanziell und körperlich leisten können. Wer die Voraussetzungen für die mehrtägige, strapaziöse Reise nicht mitbringt, gilt theologisch von der Pilgerreise als befreit.

          Für jede Muslimin und jeden Muslim gehört es zur religiösen Pflicht, einmal im Leben nach Mekka zu pilgern – sofern sie es sich finanziell und körperlich leisten können.
          Für jede Muslimin und jeden Muslim gehört es zur religiösen Pflicht, einmal im Leben nach Mekka zu pilgern – sofern sie es sich finanziell und körperlich leisten können. : Bild: dpa

          Wie viel kostet der Hadsch?

          Der Hadsch kostet umgerechnet mindestens rund 4800 Euro pro Person. Er ist eine Goldgrube für Saudi-Arabien, den größten Öl-Exporteur der Welt, und bringt zusammen mit weiterem Religionstourismus etwa zwölf Milliarden Euro pro Jahr ein.

          Die Pilgerfahrt ist außerdem eine Chance für das Land, sich nach außen reformbereit zu zeigen, während es nach wie vor regelmäßig Berichte über Menschenrechtsverletzungen gibt.

          Wann ist der Hadsch 2022?

          Der Hadsch findet jedes Jahr im letzten Monat des islamischen Mondkalenders statt. Dieser Monat wird Dhu al Hadsch genannt. In diesem Jahr fällt der Hadsch auf die Zeit ab dem 7. Juli. Wegen der beständig wachsenden Zahl vor allem ausländischer Pilger hat Saudi-Arabien ihre Zahl je Land begrenzt. Die strengen Beschränkungen hatten bei vielen Muslimen im Ausland für Unmut gesorgt. In den vergangenen beiden Jahren hatte die Pilgerfahrt nach Mekka zudem wegen der Corona-Pandemie nur in stark reduzierter Form stattgefunden.

          Wie viele Pilger werden in Mekka erwartet?

          Eine Million Menschen sind beim diesjährigen Hadsch zugelassen, davon 850.000 aus dem Ausland. 650.000 von ihnen sind bereits am Sonntag angereist, teilen die Behörden in Saudi-Arabien mit.

          Vor drei Jahren nahmen etwa 2,5 Millionen Menschen an der Pilgerfahrt teil. Um keine massenhaften Ansteckungen mit dem Coronavirus zu befördern, waren 2020 Ausländer vom Hadsch ausgeschlossen und insgesamt nur 10.000 Pilger zugelassen. In 2021 durften 60.000 vollständig geimpfte Gläubige aus Saudi-Arabien teilnehmen.

          Dieses Jahr dürfen nur Pilger unter Einhaltung strenger Hygieneregeln teilnehmen, die geimpft und unter 65 Jahren alt sind. Während Saudi-Arabien die Maskenpflicht in den meisten geschlossenen Räumen abgeschafft hat, ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Großen Moschee Pflicht. Ausländer müssen zudem einen negativen PCR-Test vorweisen.

          Den Behörden zufolge wird die Große Moschee während des Hadsch „zehn Mal am Tag gereinigt“ von „mehr als 4000 männlichen und weiblichen Arbeitskräften“. Jedes Mal sollen dabei mehr als 130.000 Liter Desinfektionsmittel zum Einsatz kommen.

          Seit Beginn der Pandemie hat Saudi-Arabien mehr als 795.000 Coronavirus-Fälle verzeichnet, 9000 davon tödlich, bei einer Bevölkerung von etwa 34 Millionen Menschen.

          Das würfelförmige Gebäude im Innenhof der Heiligen Moschee von Mekka ist die Kaaba. Sie wird als „Haus Gottes“ verehrt.
          Das würfelförmige Gebäude im Innenhof der Heiligen Moschee von Mekka ist die Kaaba. Sie wird als „Haus Gottes“ verehrt. : Bild: dpa

          Was passiert beim Hadsch?

          Der Hadsch umfasst unter anderem die Umkreisung der Kaaba, das würfelförmige Gebäude im Innenhof der Heiligen Moschee von Mekka, die Versammlung am Berg Arafat sowie die symbolische Steinigung des Teufels in Mina.

          Nach dem Eintreffen in Mekka haben die Pilger die Kaaba sieben Mal links zu umrunden. Anschließend gehen sie ebenfalls sieben Mal den Weg zwischen den Hügeln Safa und Marwa und trinken vom Brunnen Zamzan. Mit dem Ritual wollen sie der Gotteserfahrung Hagars nahe kommen, der Nebenfrau Abrahams, der sich mit ihrem Sohn Ismael in der Wüste die rettende Quelle Zamzan auftat. Am siebten Tag des Pilgermonats hören die Pilger in Mekka eine Predigt, am achten machen sie sich auf den Weg zum „Gnadenhügel“ am Berg Arafat, der 25 Kilometer von Mekka entfernt liegt. Sie übernachten in Mina, bevor sie den neunten Tag schweigend an den Hängen des Arafat verweilen – der spirituelle Höhepunkt der Pilgerfahrt. Laut der islamischen Überlieferung hielt der Prophet dort seine Abschiedspredigt vor seinen Anhängern, die ihn auf der Pilgerreise am Ende seines Lebens begleitet hatten.

          Nach Sonnenuntergang gehen sie zurück nach Mina, wo sie am zehnten Tag sieben Steinchen auf einen Felsen werfen, der den Teufel symbolisiert. Danach schlachten die Pilger in Mina ein Opfertier. Das Opferfest markiert zugleich den Höhepunkt und das Ende der Pilgerfahrt und wird auch von den daheim gebliebenen Muslimen in der ganzen Welt gefeiert. Zum Abschluss der Pilgerreise umrunden sie abermals die Kaaba sieben Mal.

          Was ist die Kaaba?

          Die Kaaba ist das würfelförmige Gebäude im Innenhof der Heiligen Moschee von Mekka, das als „Haus Gottes“ verehrt wird. Es gibt auch die Gebetsrichtung für Muslime vor. Auf der ganzen Welt beten Muslime in Richtung dieses heiligen Gebäudes, das nach islamischem Glauben von Adam errichtet und später von dem Propheten Abraham und seinem Sohn Ismael wieder aufgebaut worden sein soll.

          Der Name Kaaba ist gleichzeitig die Beschreibung des Gebäudes: Kaaba ist arabisch und heißt übersetzt Würfel. Die Kaaba ist etwa 15 Meter hoch, 13 Meter lang, 13 Meter breit und ihre Ecken zeigen in die vier Himmelsrichtungen. In der östlichen Mauer liegt ein schwarzer Stein, den die Pilger gerne berühren. Woraus er besteht und woher der Stein stammt ist allerdings unklar, er wurde bislang nicht wissenschaftlich untersucht.

          Ein islamischer Kalligraph arbeitet an der Abdeckung der heiligen Kaaba während der jährlichen Hadsch-Pilgerfahrt.
          Ein islamischer Kalligraph arbeitet an der Abdeckung der heiligen Kaaba während der jährlichen Hadsch-Pilgerfahrt. : Bild: dpa

          Alle Seiten und das Dach der Kaaba sind mit einem riesigen schwarzen Tuch bedeckt. Der gewebte Stoff heißt Kiswa und ist mit Goldverzierungen und Versen aus dem Koran bestickt. Vor dem Pilgermonat bekommt die Kaaba in jedem Jahr ein neues Tuch.

          Im Inneren der Kaaba befinden sich ein kleiner Raum, der als „Buße-Raum“ bezeichnet wird, und drei Säulen, die die Decke stützen. Die Wände sind bis zur halben Höhe mit Marmor verkleidet, in den Tafeln mit Koraninschriften eingelassen sind. Nur zweimal im Jahr wird das Gebäude für ein Reinigungsritual geöffnet, ansonsten bleibt die Kaaba geschlossen.

          Was ist der Unterschied zwischen Umra und Hadsch?

          Neben dem großen, auf ein Datum festgelegten Hadsch können Muslime jederzeit eine kleine Pilgerfahrt nach Mekka antreten. Sie wird Umra (auf Deutsch Omrah) genannt.

          Warum tragen Muslime in Mekka weiße Gewänder?

          Während des Hadsch kleiden sich die Pilger weiß. Die einheitliche Bekleidung soll die Gleichheit aller Muslime vor Gott symbolisieren.

          Herausforderung Hitze

          Für die Pilger ist momentan neben der Corona-Pandemie wohl die brennende Sonne die größte Herausforderung. Die Region gehört zu den heißesten und trockensten der Welt, die Erderwärmung macht das Wetter zunehmend extremer. Obwohl der Sommer gerade erst begonnen hat, wurden in einigen Gegenden Saudi-Arabiens bereits Temperaturen von mehr als 50 Grad Celsius gemessen.

          Pilger Ahmed Abdul-Hassan al-Fatlawi aus dem Irak denkt allerdings nicht ans Wetter, während er in Mekka ist. „Ich bin 60 Jahre alt, also ist es normal wenn ich wegen des heißen Wetters müde werde“, sagte er. Er sei aber „in einem Zustand von Gelassenheit und Gemütsruhe und das ist alles was für mich zählt“.

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