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Karoline Herfurth : Weniger Ideale, mehr Souveränität

Abschied von Idealen, Gewinn an Souveränität: „Man guckt einfach, was entspricht mir. Und je älter man ist, umso mehr traut man sich das auch.“ Bild: Daniel Biskup/laif

Karoline Herfurth galt lange als Nachwuchshoffnung des deutschen Films. Jetzt ist sie ein Star – und erwachsen. Heute läuft ihr Film „Traumfrauen“ an, in dem sie an der Seite von Iris Berben und Hannah Herzsprung spielt. Ihr Leben werde immer besser, sagt sie. Eine Begegnung.

          7 Min.

          Wenn die Schauspielerin Karoline Herfurth diesen Winter anderthalb Stunden im Hinterzimmer einer traditionellen Konditorei in Berlin-Zehlendorf sitzt, wo die Tasse Kaffee 1,75 Euro kostet und neben spektakulären Torten auch Bio-Brot verkauft wird, fallen im Gespräch immer wieder dieselben drei Worte: Ideale. Souveränität. Erwachsensein.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Ideale sind Quatsch“, sagt Herfurth zum Beispiel. „Ich finde, es gibt so einen Punkt im Leben, wo man merkt, es ist jetzt auch sehr anstrengend, einem Ideal hinterherzustreben oder sich für den Rest des Lebens damit auseinanderzusetzen, wo man nicht perfekt ist.“

          Oder wenn sie von der Zusammenarbeit mit Iris Berben erzählt: „Was mich am meisten beeindruckt hat, ist, dass sie ihre eigene Souveränität bewahrt. Sie konzentriert sich so auf sich. Das wäre ein Vorbild, wie man mal als ältere Schauspielerin sein will.“

          Dann wiederum lacht Herfurth, zerreißt ihr Croissant und erklärt mit vollem Mund, dass sie, anders als ihre Filmfigur, sich überhaupt nicht danach sehne, noch einmal acht Jahre alt zu sein. Nicht, dass das keine gute Zeit gewesen wäre damals. Aber: „Ich finde Erwachsenwerden, ehrlich gesagt, ganz schön. Je älter ich werde, desto schöner wird mein Leben.“

          Eine Traumfrau für sich selbst

          Karoline Herfurth ist jetzt Dreißig, was bedeutet, dass sie schon die Hälfte ihres Lebens als Schauspielerin arbeitet. Mit 15 wurde sie vom Pausenhof einer Berliner Waldorfschule weggecastet, um neben Robert Stadlober und Tom Schilling in „Crazy“ zu spielen. Mit Anfang Zwanzig war sie das Mirabellenmädchen in Tom Tykwers „Das Parfum“, ein kurzer, nahezu stummer Auftritt, der ihr markantes Gesicht und ihre beinahe transparente, mit Sommersprossen übersäte Haut zum Inbegriff makelloser Schönheit machte.

          Spätestens mit „Im Winter ein Jahr“ wurde sie 2008 endgültig zur Nachwuchshoffnung des deutschen Films, weil sie die Figur einer traumatisierten jungen Frau so ungeheuerlich verletzlich spielte, und trotzdem sexy. Es folgten Rollen als Hochleistungssportlerin, als Magersüchtige, als Vampirin. In „Fack ju Göhte“, als neunmalkluge, aber überforderte Referendarin, sahen sie mehr als sieben Millionen Zuschauer.

          Ihr neuer Film, der am Donnerstag in die Kinos kommt, ist eine romantische Komödie. Karoline Herfurth spielt darin eine junge, sich mit Kuchen vollstopfende Anwältin, die weder im Job noch bei den Männern Erfolg hat, weil sie sich in ihrer Unsicherheit selbst im Weg steht. „Traumfrauen“ heißt der Film, und damit sind neben Herfurth noch Hannah Herzsprung, Palina Rojinski und Iris Berben gemeint. Aber mit diesem Begriff kann Herfurth ohnehin nicht viel anfangen. „Ob jemand eine Traumfrau ist, wird ja von außen beurteilt, nicht von einem selbst“, sagt sie. „Ich glaube, ich würde daran arbeiten, mir selbst eine Traumfrau zu sein.“

          Kinotrailer : „Traumfrauen“

          Von den Filmmonstern verschont geblieben

          Sie nippt an ihrem Kaffee, den sie schwarz trinkt, weil keine laktosefreie Milch serviert wird. Seit knapp drei Jahren bezahlt die Schauspielerin eine Stylistin dafür, ihre Outfits für öffentliche Auftritte zusammenzustellen, und die Schauspielerin ist souverän genug, offen darüber zu reden. „Die hat einen sehr großen, guten Einfluss auf mich, finde ich“, sagt Herfurth und lacht fröhlich.

          Einmal im Monat treffe man sich zu einer mehrstündigen Anprobe und kreiere komplette Looks, von den Schuhen über die Tasche bis hin zu Frisur und Lippenstift. „Das ist aufwendig, aber es macht totalen Spaß, weil man Experten ranlässt. Ich bin ein großer Freund davon, Begabung anderer Leute geschickt einzusetzen. Man muss nicht alles selbst machen. Und ich hätte dazu auch einfach nicht die Zeit.“

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