https://www.faz.net/-gum-97jqj

Interview zur Grippewelle : Warum stecken Sie sich nicht an, Herr Doktor?

Wartezimmer in Brandenburg: Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr dort? Bild: dpa

„Der positive Stress in der Praxis hält mich aufrecht“: Der Darmstädter Internist Burkhard Weimer über die heftigste Grippewelle der vergangenen Jahre, die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer – und seine Methoden, das Infektionsrisiko niedrig zu halten.

          Herr Dr. Weimer, wann waren Sie das letzte Mal krank?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Ganz klassisch: Im Urlaub im vergangenen Herbst. Der positive Stress in meiner Praxis hält mich aufrecht. Erst wenn der Stress nachlässt und der Körper runterfährt, werde ich krank. In der Praxis bin ich in den vergangenen Jahren gar nicht krank geworden. Es kann für das Immunsystem gut sein, ständig mit Erkrankten konfrontiert zu sein. Das sind Herausforderungen, die es stärker machen. Erst wenn es nicht mehr gefordert wird, erkrankt man plötzlich. Auch in meinem Praxisteam ist das so, wir haben keine Ausfälle grade.

          Wie schützen Sie sich und Ihr Team vor der Grippewelle?

          Wir machen das, was wir auch unseren Patienten empfehlen: Wir halten uns an eine hohe Desinfektionsdisziplin. Ich wasche mir nach jedem Patientengespräch die Hände mit Seife und Wasser. Zweimal vormittags und zweimal nachmittags desinfizieren wir die Türen und die Flächen, genauso oft lüften wir die Praxis. Wir sind alle gegen die Grippe geimpft, ich nehme außerdem Vitamin C, Zink und esse viele Vitamine – das hat zumindest einen Placebo-Effekt. Im Herbst, Winter und Frühjahr gilt außerdem: Abstand halten, keine Hände schütteln.

          Internist Burkhard Weimer in seiner Praxis in Darmstadt

          Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr im Wartezimmer für Patienten?

          Wir haben überall Infomaterial, in dem erklärt wird, mit welchen einfachen Maßnahmen man die Gefahr reduzieren kann: In die Ellbogenbeuge niesen, zum Beispiel. Aber auch wenn wir ständig lüften, gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. Krankenhäuser in Amerika haben schon mal mit Influenza-Zelten vor dem Krankenhaus gearbeitet, um das Infektionsrisiko zu verringern. Auch niedergelassene Ärzte haben damit schon experimentiert, aber alleine aus Platzgründen ist das kaum praktikabel.

          Sind die Zeitschriften im Wartezimmer nicht auch gefährlich?

          Das kann schon ein möglicher Übertragungsweg sein. Da ist die Frage, wie weit gehe ich in der Prophylaxe. Wenn ich in der Praxis ein Schild aufhänge, dass jeder seine eigenen Zeitungen mitbringen soll, sehen das die Leute ja erst, wenn sie da sind. Und dann ist es zu spät. Aber auch hier hilft: Die Hände ordentlich mit Wasser und Seife waschen. Wir benutzen auch ausschließlich Einmal-Handtücher.

          Ist die Grippewelle in diesem Jahr wirklich heftiger als sonst?

          Ja, wir haben einen Anteil von 40 bis 50 Prozent an Grippepatienten. Das ist seit etwa fünf Jahren die stärkste Welle, die wir erleben. Und das deckt sich mit den deutschlandweit erhobenen Zahlen: Es gab in diesem Winter schon 136 Grippe-Tote, im Vergleichszeitraum vergangenes Jahr gab es keinen einzigen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Zerstörung der CDU“ bei Youtube : Kommt damit klar!

          „Ihr sagt doch immer, dass die jungen Leute mehr Politik machen sollen“: Ein politisches Video des Youtubers Rezo sorgt unter Jugendlichen für Aufregung. Sein Titel: „Die Zerstörung der CDU“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.