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Die Botschaft aus der Lederjacke : Eingenähte Weisheit

Was heißt das bloß? Bild: F.A.Z.

Man kennt sie doch, diese Zettel, die in Kleidung der Modekette Primark eingenäht waren. Jetzt wurde so einer auch in einer Jacke von Street One gefunden. Wie wir fast einen Skandal enthüllt hätten.

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          Vor kurzem schrieb eine Frau eine E-Mail an diese Zeitung: „Vor ein paar Tagen habe ich mir eine neue Lederjacke von Street One gekauft und gestern in einer Tasche einen Zettel gefunden mit einer mir nicht bekannten Schrift. Nun bin ich natürlich daran interessiert, was diese Aufschrift bedeutet, hat man doch in naher Vergangenheit von den Umständen gehört, unter denen Primark produzieren lässt. Vielleicht können Sie die Sprache und deren Bedeutung entziffern. Vielleicht ist eine wichtige Nachricht dahinter verborgen.“ Angehängt war ein Foto von einem kryptischen Schriftzug, der sehr asiatisch aussah.

          Katrin Hummel
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nur zu gut erinnert man sich an die Nachrichten, die vor drei Monaten um die Welt gingen: Kundinnen hatten in Kleidungsstücken von Primark schriftliche Hilferufe gefunden, in denen sich asiatische Textilarbeiter über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in Fernost beschwerten. „Gezwungen, bis zur Erschöpfung zu arbeiten“, lautete die eine, „Erniedrigende Arbeit in einem Ausbeuterbetrieb“ die andere.

          Zwar hatte Primark Ende Juni nachgewiesen, dass es sich bei den eingenähten Nachrichten um Fälschungen handelte. Aber was, wenn solche Nachrichten nun auch in Stücken von anderen Kleidermarken auftauchen würden? Dann wäre doch mehr an der Sache dran. Man müsste eine Reise nach Fernost planen und die menschenunwürdigen Bedingungen enttarnen, denen die Arbeiterinnen dort ausgesetzt sind!

          Aber da war noch die Frage: Was steht eigentlich auf dem Zettel? Eine Kollegin, die gerade zu Recherchezwecken in Afghanistan war und alle möglichen asiatischen Sprachen spricht, konnte zumindest ein bisschen helfen: „Das ist Dari, aber ich kann’s nicht lesen.“

          Dari? Eine persische Sprache, die in Afghanistan gesprochen wird. Einige Tage später - die Kollegin war inzwischen weiter nach Indien gereist - bot sie an: „Wenn’s noch nicht aufgeklärt ist, kann ich den Zettel mal jemandem schicken.“

          Die Spannung stieg. War der Reisepass noch gültig? Gegen was müsste man sich impfen lassen, wenn man nach Afghanistan flöge? Gab es dahin günstige Flüge? Man würde die Ausbeutung dieser armen Textilarbeiter öffentlich machen!

          Am nächsten Morgen dann die E-Mail von der Kollegin: „Es ist doch nicht Dari, sondern Urdu, und es heißt: Bitte den Taillenumfang ändern.“

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