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Dialog Semiconductor : Das Apple-Problem

  • -Aktualisiert am

Das Logo von Dialog Semiconductor Bild: Reuters

Die Sorgen um die Beziehung zum Großkunden Apple setzen den Aktienkurs von Dialog Semiconductor unter Druck. Die Aktie verliert am Freitagmorgen über 6 Prozent.

          Die Sorgen um den Hauptkunden Apple haben in den vergangenen Monaten im Aktienkurs des schwäbisch-britischen Halbleiterentwicklers Dialog Semiconductor  tiefe Spuren hinterlassen. Im vergangenen halben Jahr gab der Kurs zumeist kräftig nach – kurze Erholungsphasen ausgenommen.

          Anfang Dezember vergangenen Jahres kostete die Dialog-Semiconductor-Aktie noch 31,20 Euro. Am Freitagmorgen rutschten die Papiere um sechs Prozent auf 17,20 Euro ab. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 1,5 Milliarden Euro. Rund 86 Prozent der Aktien sind im Streubesitz.

          Ende April waren die Aktie von Dialog Semiconductor schon bis auf rund 17 Euro und damit auf den tiefsten Kurs seit 2014 abgesackt. Zuletzt hatte es immer wieder Befürchtungen gegeben, dass Apple eigene Produkte als Alternative zu den Energiemanagement-Chips von Dialog entwickeln lässt.

          DIALOG SEMIC.

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          Der kalifornische Konzern steht für rund zwei Drittel des Dialog-Jahresumsatzes von zuletzt 1,2 Milliarden Dollar. Doch der Vorstandsvorsitzende des deutsch-britischen Chipentwicklers Jalal Bagherli versucht, die Bedenken zu zerstreuen. Er verweist darauf, dass Apple weiterhin auf Halbleiter von Dialog setzt. „Wir wurden jetzt mit weiteren Designs für Chips beauftragt, die 2019 ausgeliefert werden“, wurde Bagherli kürzlich in einem Interview zitiert.

          Dialog lässt seine Mikrochips für amerikanische und asiatische Mobiltelefone in Asien produzieren. Die Forschung und Entwicklung sitzt im schwäbischen Kirchheim unter Teck, die operative Führung erfolgt vom britischen Reading aus.

          Im ersten Quartal profitierte das Unternehmen von der Übernahme der kalifornischen Chipfirma Silego. Sie entwickelt und stellt sogenannte Configurable Mixed-Signal Integrated Circuits (CMIC) her, also Chips, die mehr Informationen speichern können und zudem flexibel bestückbar sind. Sie werden für das Internet der Dinge, in der Automobilindustrie sowie im Mobile Computing eingesetzt. Der Zukauf soll langfristig dazu beitragen, die Abhängigkeit von Apple und dem Markt für Mobiltelefone zu senken.

          Zurückhaltende Analysten

          Im ersten Quartal stieg Dialogs operatives Ergebnis um 13 Prozent auf fast 33 Millionen Dollar. Das Unternehmen erzielte einen Rekordumsatz von 332 Millionen Dollar, ein Plus von 23 Prozent. Dabei kam dem Konzern auch ein starkes Geschäft mit Bluetooth-Produkten mit geringem Stromverbrauch zugute.

          Für das laufende Quartal rechnet der Apple-Zulieferer mit einem Umsatz zwischen 275 und 305 Millionen Dollar. Dialog sei zuversichtlich, „dass 2018 ein Jahr mit ordentlichem Umsatzwachstum sein wird“. Dabei baut das Unternehmen vor allem auf die zweite Jahreshälfte.

          Etwas mehr als die Hälfte der von der Finanznachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten empfiehlt, die Dialog-Aktie zu halten. Immerhin ein Sechstel rät zum Verkauf, während ein Drittel sich dafür ausspricht, die Dialog-Aktie neu ins Depot zu nehmen. Die Finanzfachleute erwarten in den nächsten zwölf Monaten einen Kurs zwischen 14 und 38 Euro, also eine breite Spanne rund um den gegenwärtigen Kurs von rund 19 Euro.

          Die Verbindung mit Apple sei gesund und nachhaltig, und das Geschäft mit anderen Kunden dürfte auf Sicht einiger Jahre prozentual zweistellig wachsen, zeigt sich etwa die Investmentbank Oddo BHF überzeugt. Sie hat die Einstufung für Dialog Semiconductor auf „kaufen“ mit einem Kursziel von 27 Euro belassen. Diese Story sei noch nicht vorbei, schrieb Analyst Veysel Taze.

          Die Baader Bank hingegen hat das Kursziel von 25,50 auf 22,00 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf „halten“ belassen. Bei dem Chiphersteller herrsche weiterhin Unsicherheit mit Blick auf das Geschäft mit dem Hauptkunden Apple, schrieb Analyst Günther Hollfelder. Zudem hätten sich im ersten Quartal die sonstigen Aktivitäten von Dialog uneinheitlich entwickelt.

          Die amerikanische Bank JP Morgan ließ die Einstufung nach den Zahlen für das erste Quartal auf „neutral“ mit einem Kursziel von 23 Euro. Analyst Sandeep Deshpande kürzte seine Umsatz- und Gewinnschätzungen für den Chipentwickler spürbar. Sein Kursziel basiere aber weiter auf dem Mittelwert zwischen einem bestmöglichen und dem schlimmsten Szenario – abhängig vor allem von der Geschäftsentwicklung mit Apple.

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