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Nebenwerte 2018 : Die Geduld der Drägerwerk-Aktionäre

  • Aktualisiert am

Eine Drägerwerk-Produktionshalle in Lübeck. Bild: dpa

Der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern Drägerwerk investiert seit Jahren, um sein Geschäft wieder flott machen. Die Kosten belasten zunehmend das Konzernergebnis. Der Aktienkurs fällt seit Monaten. Ist Besserung in Sicht?

          Das 1889 gegründete Familienunternehmen Drägerwerk steckt seit mehreren Jahren im Umbau, um wieder profitabler zu werden. Zwischenzeitlich hatte sich die Ertragslage auch wieder verbessert. Doch höher als geplante Kosten für den Ausbau von Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung drücken kräftig auf den Gewinn. Gegenwind kommt zudem von der Währungsseite.

          Deshalb senkte die im S-Dax notierte Gesellschaft Mitte Oktober die Prognose für das Gesamtjahr zurück. Ende Oktober wird das Unternehmen nun die endgültige Bilanz für das dritte Quartal präsentieren. Analysten sind skeptisch und nicht wenige Aktionäre unzufrieden, wenn sie die Aktienposition im Depot anschauen.

          Nach ersten Berechnungen fiel das Betriebsergebnis (Ebit) im dritten Quartal deutlich. Unter dem Strich steht voraussichtlich ein Verlust von 4,4 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Drägerwerk noch einen Gewinn von 24,4 Millionen Euro erzielt.

          Keine Besserung in Sicht

          Für das laufende Jahr kappte Drägerwerk deshalb das Ergebnisziel. Die betriebliche Marge (Ebit), die angibt, wie viel vom Umsatz als Gewinn beim Unternehmen bleibt, soll 2018 nur noch zwischen 2 und 3,5 Prozent liegen. Zuvor war der Konzern von einem Wert am unteren Ende der Brandbreite von 4 bis 6 Prozent ausgegangen. Aufgrund der aktuellen Währungskurse rechnen die Lübecker auch im kommenden Jahr mit keiner Besserung bei der Profitabilität.

          Die Umsatzprognose für das laufende Jahr behält Drägerwerk bei und geht weiterhin von einem währungsbereinigten Anstieg von 2 bis 5 Prozent aus. Drägerwerk stellt in der größeren Sparte Medizintechnik etwa Anästhesie- und Beatmungsgeräte für die Intensivmedizin her. Im Sicherheitstechnikgeschäft produziert das Unternehmen unter anderem Atemschutzmasken für den Bergbau.

          Die Mehrzahl der Analysten, die den Wert beobachten, war bereits vor der aktuellen Prognosesenkung skeptisch. Die LBBW und das Bankhaus Metzler votieren mit „Verkaufen“.

          Analysten sind skeptisch

          Auch die britische Investmentbank HSBC gibt mit „Reduce“ ein negatives Votum ab und senkte nach der Gewinnwarnung ihr Kursziel von 54 auf 41 Euro. Das dritte Quartal habe an ein enttäuschendes erstes Halbjahr angeknüpft, schrieb Analyst Daniel Grigat. Die Aussichten bleiben seiner Ansicht nach schwach. Die operative Gewinnmarge habe wohl ihren Zenit für die kommenden Jahre erreicht, und steigende Investitionen dürften sich frühestens ab 2020 auszahlen.

          Analyst Bernhard Weininger vom Analysehaus Independent Research zeigte sich ebenfalls von dem gekappten Gewinnziel enttäuscht und reduzierte das Kursziel für die Dräger-Aktie von 54 auf 48 Euro mit einem „Halten“-Urteil. Drägerwerk schaffe es nach wie vor nicht, den währungsbereinigt positiven Auftragseingang auf die Umsatzentwicklung zu übertragen, moniert er.

          Alexander Neuberger vom Bankhaus Metzler empfiehlt dem Dräger-Management, die geschäftlichen Aktivitäten ernsthaft zu überdenken, um zu einer nachhaltigen Profitabilität zurückzukehren. Das gelte vor allem für die geografische Aufstellung, die Drägerwerk nicht zum ersten Mal zu schaffen mache.

          Aktionäre haben viel Geld verloren

          Die Privatbank Hauck & Aufhäuser hat derweil am Mittwoch das bisherige Verkaufsvotum aufgegeben und die Aktie aus Gründen der niedrigen Bewertung auf „Hold“ hochgestuft.

          DRAEGERWERK VZO O.N.

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          Die Prognosekürzung Mitte Oktober hatte der Talfahrt des Aktienkurses weitere Dynamik verliehen. Der Aktienkurs sackte nach Veröffentlichung der vorläufigen Quartalszahlen am vergangenen Montag mit 43,66 Euro auf ihren tiefsten Stand seit 2010 ab. In diesem Jahr haben die im S-Dax notierten Titel nun schon knapp ein Drittel ihres Börsenwertes verloren. Innerhalb eines Jahres hat sich dieser sogar halbiert.

          Wer vor zehn Jahren bei Drägerwerk eine Summe von 10.000 Euro investierte, kann heute immerhin noch auf eine Position von etwas mehr als 15.000 Euro im Depot blicken. Doch das ist lang vorbei. Aus 10.000 Euro wurden auf Sicht von fünf Jahren rund 5400 Euro, auf Sicht von drei Jahren, knapp 7000 auf Sicht von einem Jahr 4600 Euro. Die bekannte Börsenweisheit „buy on bad news“ scheint bei Drägerwerk zuletzt keinen Bestand gehabt zu haben.

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