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Dialog Semiconductor : Dieser Chiphersteller hängt am Tropf von Apple

  • -Aktualisiert am

Auch von Pokemon-Go-Fans landet Geld bei Dialog Semiconductor. Bild: dpa

Dialog Semiconductor liefert Chips fürs iPhone. Deshalb geht der Kurs mit jeder Apple-Unsicherheit nach unten. Doch das soll sich jetzt ändern. Analysten sind positiv gestimmt.

          Die Furcht vor einem Absatzeinbruch bei den iPhone-Modellen 8 und 8 Plus hat in den vergangenen Wochen die Runde gemacht. Inzwischen lobt Apple die Zahl der Vorbestellungen für das iPhone X. Doch vielleicht ist die Unsicherheit gut für Aktionäre. Denn nicht nur der Aktienkurs des Herstellers Apple ist zeitweise unter Druck geraten, sondern auch der von Zulieferern wie dem deutsch-britischen Chipentwickler Dialog Semiconductor plc.

          Der im Tec-Dax notierte Anteilschein erreichte Anfang März dieses Jahres mit 50,18 Euro seinen Höchststand. Seitdem fiel der Kurs des Papiers zeitweise kräftig zurück, erholte sich dann aber auch wieder. Am Freitag wurde es mit 40,06 Euro gehandelt. Die von der Finanzagentur Bloomberg befragten Aktienanalysten empfahlen mit großer Mehrheit, dieses Papier zu kaufen und erwarten in den kommenden zwölf Monaten einen Kursanstieg auf 47,12 Euro.

          Das Unternehmen stellt unter anderem Chips für das Energiemanagement und Bluetooth-Funkverbindungen her. Die Teile sind in Apple-Geräten eingebaut und der amerikanische Konzern somit einer der Hauptabnehmer. Um das zu ändern, hatte Dialog Semiconductor in den vergangenen Jahren mehrmals erfolglos versucht, andere Unternehmen zu übernehmen – um seine Basis zu verbreitern und weniger abhängig von Apple und den Anwendungen in Mobiltelefonen und Tablets zu sein. Mit dem vor kurzem angekündigten Zukauf von Silego in Amerika ist dem Chipentwickler aber nun eine Übernahme zur weiteren Diversifizierung des Produktportfolios gelungen. Dadurch wird vor allem das Geschäft mit Technik für das Internet der Dinge gestärkt.

          Dialog Semiconductor kauft jetzt Silego

          Das deutsch-britische Unternehmen übernimmt laut Mitteilung für 276 Millionen Dollar (rund 235 Millionen Euro) in bar die kalifornische Firma Silego, die Chips mit mehr Funktionen auf weniger Fläche anbietet. Der Kaufpreis könne sich um bis zu 30,4 Millionen Dollar erhöhen, wenn bestimmte Umsatzziele erreicht werden. Silego visiert mit seinen rund 235 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von mehr als 80 Millionen Dollar an. Dieser solle bis 2020 jährlich um rund 15 Prozent zulegen. Wie viel Gewinn der Chipentwickler aus Santa Clara einfährt, blieb offen.

          DIALOG SEMIC.

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          Dialog Semiconductor will mit der Übernahme einen neuen Markt erschließen und selbst zum größten Anbieter von sogenannten CMICs aufsteigen, wo bislang Silego führend ist. Diese kleinen, leistungsfähigen Chips, mit denen sich höhere Preise erzielen lassen, werden für die zukunftsträchtige Vernetzung von Maschinen, Geräten und Infrastruktur zum Internet der Dinge eingesetzt. Ebenso werden sie in Mobiltelefonen und Laptops oder in Navigationsgeräten und anderer Elektronik-Ausstattung im Auto verbaut.

          Warum Analysten den Kauf empfehlen

          Das deutsch-britische Unternehmen mit Wurzeln aus Kirchheim unter Teck bei Stuttgart und dortiger angesiedelter Forschung und Entwicklung ist eine Aktiengesellschaft nach englischem Recht. Es hat seinen Sitz in London und setzt nun vor allem darauf, das Geschäft mit der Autoindustrie auszubauen. Die Halbleiterbranche wird nach Ansicht von Marktforschern in diesem Jahr erstmals seit langem wieder kräftig zulegen. Nach früheren Angaben des amerikanischen Beratungsunternehmens Gartner dürften die weltweiten Umsätze 2017 auf gut 364 Milliarden Dollar anwachsen – das wären 7,2 Prozent mehr als im Jahr zuvor und deutlich mehr als die 1,5 Prozent Plus, die der Halbleitermarkt 2016 verbuchte. 2015 war das Geschäft mit Mikrochips geschrumpft.

          Im zweiten Quartal setzte Dialog Semiconductor 256 Millionen Dollar um – das waren 4 Prozent mehr als vor einem Jahr. So lief es im Bereich Power Conversion, wo unter anderem Ladekabel und USB-Adapter produziert werden, wiederholt recht gut. Hier gab es mit einem Plus von 7 Prozent das siebte Quartal in Folge ein Umsatzwachstum. Noch besser schnitt das Segment Connectivity ab: Bei den Produkten zur Datenübertragung wie Bluetooth-Geräten stiegen die Erlöse mit 14 Prozent sogar doppelt so stark. Das operative Ergebnis ging unter anderem wegen stark gestiegener Forschungs- und Entwicklungskosten um 13 Prozent auf 20 Millionen Dollar zurück. Die Zahlen für das dritte Quartal sollen am 7. November veröffentlicht werden.

          Die Investmentbank Oddo BHF empfahl „Kaufen“ für das Papier mit einem Kursziel von 50 Euro. Die Übernahme von Silego erweitere das Portfolio sowie die Kundenbasis des Halbleiterunternehmens und dürfte maßgeblich zum Wachstum beitragen. Vor den Zahlen für das dritte Quartal lies es die britische Investmentbank Barclays bei „Übergewichten“ und einem Kursziel von 51 Euro. Es würden weiterhin Titel von Unternehmen mit einem starken Wachstum wie die Halbleiterkonzerne ASML und Dialog empfohlen, Letztere seien klar unterbewertet. Die Bank Credit Suisse senkte hingegen das Kursziel kürzlich von 48,50 auf 46 Euro, die Einstufung wurde aber auf „Kaufen“ belassen. Dabei wurde für den Halbleiterhersteller und Apple-Zulieferer nun die verspätete Markteinführung des iPhone-Modells X berücksichtigt.

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