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Depfa steht zum Verkauf : Altlasten der Finanzkrise

Für die fast 100 Jahre alte ehemalige Preußische Landespfandbriefanstalt Depfa soll ein neues Kapitel beginnen. Bild: Tobias Schmitt

Mit dem nun eingeleiteten Verkauf der Depfa könnte ein weiteres Kapitel der Finanz- und Bankenkrise vor zwölf Jahren geschlossen werden - obwohl die Ursprünge weiter zurückreichen als 2008.

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          Die FMS Wertmanagement, die 2010 als Abwicklungsanstalt (“Bad Bank“) der Bank Hypo Real Estate, die in der Finanzkrise traurige Berühmtheit erreichte, gegründet wurde, hat die Depfa Bank zum Verkauf gestellt. Die Depfa (ursprünglich Deutsche Pfandbriefanstalt) war 2007 von der Hypo Real Estate übernommen worden und hatte viel zu deren Untergang beigetragen, weil sie in erheblichem Umfang in amerikanische Hypothekenpapiere investiert hatte.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die in Irland ansässige Depfa ist vornehmlich als Staatsfinanzierer konzipiert. Die FMS hatte nach der Übernahme der Depfa im Jahr 2014 deren Bilanzsumme von 48,5 Milliarden Euro auf 8,9 Milliarden zum Jahresende 2019 verringert. Das Portfolio besteht im Wesentlichen aus Krediten und Staatsanleihen westeuropäischer Schuldner, vor allem Deutschlands. Die sogenannte CET1-Quote liegt bei 152,3 Prozent.

          Alle Übersee-Filialen sind geschlossen worden, derzeit werden alle anderen „nicht-strategischen“ Niederlassungen aufgelöst. Die Bank hat noch 111 Mitarbeiter. Angebote können bis zum 3. August bei der beratenden Barclays Bank eingereicht werden.

          Die Depfa war ursprünglich 1922 als Preußische Landespfandbriefanstalt zur Finanzierung des Kleinwohnungsbaus gegründet worden und erhielt 1951 den Namen Deutsche Pfandbriefanstalt. Von 1954 an war die Bank im Besitz des Bundes, der sie 1991 durch einen Börsengang für umgerechnet etwa 275 Millionen Euro privatisierte. 10 Jahre später spaltete die Depfa den Immobilienfinanzierer Aareal Bank ab. Die verbleibende Depfa machte vor allem Geschäfte durch Fristentransformation, also die Aufnahme kurzfristiger Darlehen und Ausreichung langfristiger Finanzierungen.

          2007 übernahm die Hypo Real Estate die Depfa für insgesamt 5,2 Milliarden Euro. Die Refinanzierungsschwierigkeiten der Depfa trugen in erheblichem Umfang zur Schieflage der Hypo Real Estate im September 2008 bei. Allein die Depfa Bank benötigte seinerzeit etwa 10 Milliarden Euro an Finanzhilfen.

          Die Hypo Real Estate (HRE) war ihrerseits von der mit schlechten Immobilienkrediten in Nöten geratenen Hypovereinsbank (HVB) als Immobilienbank abgespalten  worden. Zu diesem Zweck verwendet die HVB ihrerzeit eigens einen großen Teil einer Kapitalerhöhung (rund 900 Millionen Euro), um die HRE mit ausreichend Kapital zu versorgen. Dringend restrukturierungsbedürftig war seinerzeit das in der Hypo Real Estate Bank Deutschland. gebündelte deutsche Portfolio, für das die HRE von der HVB für 2003 und 2004 eine Ausfallgarantie von 590 Millionen Euro erhielt.

          Die HVB war ihrerseits 1997 durch Fusion der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank (Hypobank) und der Bayerischen Vereinsbank entstanden. Kein Jahr nach der Fusion tat sich bei der ehemaligen Hypobank ein Loch von 3,5 Milliarden D-Mark aus Immobiliengeschäften auf, vor allem in den neuen Bundesländern.

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