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Aktienanlage : Chinesen zocken, Neuseeländer sind cool

Lang ist der Schnabel des neuseeländischen Streifenkiwis, langfristig die Investitionen der Neuseeländer Bild: dpa

Welches Volk hält seine Aktien wirklich lang? Die Deutschen sind es nicht, die Amerikaner nicht – und die Asiaten schon gar nicht.

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          Das Verhältnis zu Aktienanlagen ist überall auf der Welt unterschiedlich. Vor allem in Asien, so hat man den Eindruck, steht mehr ein spielerischer Aspekt im Vordergrund: man setzt auf eine Aktie, wie man ein Lotterielos kauft – wenn man Glück hat, wird man reich, einen Einfluss, auf das, was passiert hat man ohnehin nicht.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Betrachtet man die Daten, die das Family Office HQ Trust exklusiv für die F.A.Z. zusammengestellt hat, so sieht man sich zunächst sofort bestätigt: Ob an den Börsen von Taiwan, China, Korea oder Japan – überall bleiben Aktien weniger als ein Jahr im Depot. Den Rekord hält die Börse von Taipeh, wo eine Aktie durchschnittlich keine fünf Monate im Depot verbleibt.

          Amerikaner, so das übliche Bild, betrachten Aktienanlagen pragmatisch und gehen mit den Papieren um wie mit Arbeitnehmern: Solange alles gut geht, darf sie bleiben. Läuft etwas schief, fliegt sie raus. Und so ist die Verweildauer in Depots auch nicht so viel länger als in Asien. An der Nasdaq schaffen es Aktien durchschnittlich kaum acht Monate in einem Depot zu bleiben, an der New York Stock Exchange ist es mit einem Jahr und rund zwei Monaten etwas mehr. Auch das entspricht der üblichen Vorstellung: Die Nasdaq als rasche Computerbörse, die ehrwürdige New York Stock Exchange ist eben etwas langsamer.

          Doch wie immer passt vieles nicht ins Bild. Das fängt schon hierzulande an. Die Deutschen glauben zwar von sich, eher langfristig zu agieren. Tatsächlich bleibt in Deutschland eine Aktie durchschnittlich ein paar Tage kürzer im Depot wie an der New York Stock Exchange. Egal, wie genau man langfristiges Investieren in Aktien definieren mag - im Durchschnitt zählen die Deutschen nicht dazu.

          Echte Langfristinvestoren finden sich viel mehr in den sogenannten „Grenzmärkten“, Ländern, in denen die Aktienbörse eher unterentwickelt ist. Dazu zählen etwa Sri Lanka oder Nigeria mit einer Verweildauer im Depot von durchschnittlich mehr als 14 Jahren. Das nennt sich langer Atem. Aber auch in Jordanien, Tunesien, Oman und Palästina sind es mehr als zehn Jahre.

          Das mag aber an zwei Dingen liegen: Zum einen an den unterentwickelten Börsen, an denen der Handel ohnehin eher sporadisch ist. Zum anderen sollte man vielleicht die Qualität der von den Börsen gelieferten Daten nicht überschätzen.

          Unter diesen Umständen müssen die Neuseeländer als die wirklichen Langfristinvestoren gelten. Hier bringt es eine Aktie ebenfalls im Durchschnitt auf mehr als sieben Jahre im Depot. In Europa hält Rumänien mit 8,4 Jahren den Spitzenplatz und am anderen Ende findet sich die Türkei, wo eine Aktie ähnlich schlechte Chancen hat auf Dauer im Depot zu verweilen wie in Taiwan.

          Dabei ist die Aktie im Grunde eine echte Langfristanlage. Statistisch gesehen war es in den vergangenen 150 Jahren kaum möglich, mit Anlagen in Qualitätsaktien länger als fünf Jahre am Stück Verluste einzufahren. Diese daten beziehen sich allerdings auf entwickelte Länder und es mag in Schwellenländern oder „Grenzmärkten“ anders sein, wo Langfristdaten aber sowieso fehlen.

          Die aktuellen Verweildauern sind indes nur eine Momentaufnahme.1974 etwa lag die Haltedauer an der New York Stock Exchange noch bei 6,25 Jahren  und in den Fünfziger Jahren sogar teilweise bei mehr als acht.Danach fiel die Haltedauer bis 2008 auf weniger als neun Monate, seitdem ist sie tendenziell wieder gestiegen.

          Vor der Weltwirtschaftskrise war die Haltedauer ähnlich kurz wie heute.  Zwischen 1900 und 1929 betrug sie weniger als ein Jahr, lag also unter der aktuellen. Eine Ursache könnte sein, dass in Phasen der Deregulierung die Geschwindigkeit des Handels  zunimmt.

          Für Reinhard Panse, Anlagevorstand des Family Office HQ Trust, das hauptsächlich große Familienvermögen verwaltet, ist die aktuelle Haltedauer immer noch eher kurz. Je öfter ein Anleger die Kurs seiner Kapitalanlage überprüfe, desto eher entdecke er einen Verlust. „Dann wird er nervös und verkauft.“

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