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Scherbaums Börse : Fielmann: Die Zeiten der stabilen Kurse sind vorbei

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Die Optikerkette Fielmann wird durch die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie und den Online-Handel bedrängt. Bild: dpa

Bei Fielmann gab es zuletzt ungewohnt negative Aussagen durch das Management. Anleger reagierten zum Teil geschockt. Bleibt die Frage, wie ernst die Lage bei der führenden deutschen Optikerkette tatsächlich ist.

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          In Quartalsberichten versuchen Unternehmen in der Regel selbst schlechte Marktsituationen halbwegs positiv darzustellen und hervorzuheben, dass man Herausforderungen ganz gut meistern könne. Wenn es jedoch heißt, dass der Vorstand das aktuelle Marktumfeld „mit Sorge“ betrachten würde, ist das eine gewisse Abweichung von den üblichen Floskeln. Bei Fielmann war dies jüngst der Fall.

          Die Optikerkette teilte mit, dass die andauernde Coronavirus-Pandemie im Laufe des ersten Halbjahres in den meisten ihrer Märkte zu anhaltenden Einschränkungen, Rekordwerten im Krankenstand unter den Beschäftigten und einer niedrigen Kundenfrequenz geführt habe. Die bekannten Faktoren Inflation, der Ukraine-Krieg, die Aussicht auf eine Rezession sowie weitere Unsicherheitsfaktoren wie Covid-19 sorgen dafür, dass das Geld bei vielen Verbrauchern augenscheinlich nicht mehr allzu locker sitzt. Da kann es schon einmal vorkommen, dass bei der Augengesundheit oder zumindest beim neuen modischen Brillengestell gespart wird.

          Gewinnwarnung schockt Aktionäre

          Diese Entwicklungen führten dazu, dass Fielmann seine Aktionäre mit einer Gewinnwarnung regelrecht schockte und für einen Kurssturz der im deutschen Kleinwerteindex S-Dax gelisteten Optiker-Aktie sorgte – und dies, nachdem der Kursverlauf in den vergangenen Jahren ohnehin nicht besonders geglänzt hatte. Ein Grund für die zuletzt schwächere Ergebnisperformance waren höhere Ausgaben für Mitarbeiter. Im Kampf gegen den Fachkräftemangel in der Augenoptik und Hörakustik wurden in mehreren Märkten die Gehälter erhöht und angepasst. Damit stieg der Personalaufwand im ersten Halbjahr um rund 22 Millionen Euro.

          Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Christoph Scherbaum

          Zwar konnte der Konzernumsatz zwischen Januar und Juni im Vorjahresvergleich zwar um knapp 8 Prozent auf rund 851 Millionen Euro gesteigert werden, aber dafür schrumpfte das Vorsteuerergebnis (EBT) von 96 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 89 Millionen Euro. Dies entspricht einer EBT-Marge von 10,4 Prozent. Beim Wachstum bleibt Fielmann auf diese Weise in Bezug auf die mittelfristige Strategie Vision 2025 auf Kurs, wenn es jedoch um die Profitabilität geht, wird es nun schwieriger, die Ziele zu erreichen.

          Bis zum Jahr 2025 hatte sich der Konzern bei einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum von 5 Prozent eine EBT-Marge von mindestens 16 Prozent vorgenommen. Auf der Hauptversammlung am 14. Juli will das Management über strategische Initiativen berichten, wie die Profitabilität kurz- und mittelfristig gesteigert werden soll. Die nun für das Geschäftsjahr 2022 ausgegebene Prognose impliziert eine EBT-Marge von rund 10,6 Prozent. So soll der Umsatz von knapp 1,7 Milliarden Euro im Vorjahr auf etwa 1,8 Milliarden Euro leicht steigen, während das EBT gegenüber 2021 von 209,7 auf 190 Mio. Euro sinken soll. Bislang stellte Fielmann im besten Fall ein Umsatzwachstum von rund 10 Prozent und eine „spürbare“ Verbesserung der Gewinnmarge in Aussicht.

          Hoffnungsschimmer im Online-Handel

          Es sind jedoch nicht nur die aktuellen Probleme, die Fielmann meistern muss. Seit vielen Jahren macht der Online-Handel der Optikerkette zu schaffen. Lange Zeit wurde die Annahme vertreten, dass so etwas wie Brillen nur vor Ort durch geschultes Personal verkauft werden könnte. Inzwischen versucht Fielmann jedoch selbst, den Online-Handel zu etablieren. So kam es auch, dass die Fortschritte im E-Commerce zu den Hoffnungsschimmern des Unternehmens gehörten. Im ersten Halbjahr wurde die Zahl der europaweit versendeten Pakete um 31 Prozent auf mehr als 640.000 gesteigert. In Zukunft sollen es noch deutlich mehr werden.

          Dass die Zukunft von Fielmann wieder besser ausschaut, dürften viele langjährige Anteilseigner der Optikerkette hoffen. Konnte die Aktie von Fielmann über viele Jahre hinweg mit einer relativ hohen Kursstabilität und überdurchschnittlichen Kursrenditen überzeugen, so ist dies seit knapp fünf Jahren nicht mehr der Fall. Nachdem im Oktober 2017 das jüngste Rekordhoch bei 77,70 Euro markiert wurde, verwandelte sich die Aktie in einen sehr volatilen Seitwärtsläufer, der nur noch Gewinnchancen für spekulativ ausgerichtete Anleger bot.

          Aktienkurs weiter stark belastet

          Mittlerweile hat sich die charttechnische Lage deutlich eingetrübt. Nach einem Zwischenhoch im Januar 2021 bei 72,45 Euro wechselte die Fielmann-Aktie in einen bis heute anhaltenden Sinkflug. Dabei brach der Kurs, zuletzt nochmals schwer belastet durch eine Gewinnwarnung des Konzerns, auf rund 37 Euro am tiefsten Punkt ein. Das bedeutete den niedrigsten Kursstand seit dem Jahr 2013.

          FIELMANN

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          Charttechnisch zeigen die Trendpfeile klar nach unten, sodass kurzfristig sogar eine weitere Korrektur bis in den Bereich der 30er-Marke folgen könnte. Sollte die Fielmann-Aktie dagegen einen Boden ausbilden und danach eine Erholungs-Rally starten, könnte die bei 54 Euro verlaufende 200-Tage-Linie mittelfristig wieder in den Fokus rücken. Ein Ausbruch nach oben würde dann ein neues Kaufsignal bedeuten.

          Von den Analysten, die Fielmann beobachten, gab es nach der jüngsten Konzern-Gewinnwarnung sowohl Halte- als auch Kaufempfehlungen. Die DZ Bank beispielsweise hat das Kursziel wegen der reduzierten Fielmann-Jahresziele von 58 auf 41 Euro gesenkt, hält aber an der Empfehlung „Halten“ fest. Deutlich optimistischer ist dagegen Warburg Research. Das Analysehaus spricht weiterhin eine Kaufempfehlung aus. Das Kursziel wurde zwar von 72 auf 50 Euro gesenkt, liegt damit aber noch immer um 25 Prozent über dem aktuellen Fielmann-Kurs.

          Möglicherweise nutzen auch einige Dividendensammler die derzeit niedrigen Aktienkurse zum Einstieg. Denn bei der Fielmann-Aktie errechnet sich aktuell eine vergleichsweise hohe Dividendenrendite von 3,8 Prozent.

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