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Anreize bei Aktienhändlern : EU-Finanzaufsicht nimmt Neobroker unter die Lupe

  • Aktualisiert am

Die App von Trade Republic im App Store von Apple auf einem iPhone. Bild: dpa

Rückvergütungen für Handelsaufträge ermöglichen Trade Republic und anderen günstige Gebühren. Droht aber damit ein Interessenkonflikt zulasten der Kunden?

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          Für Kleinanleger schwer zu durchschauende Anreizsysteme bei Aktienhändlern rufen die EU-Finanzwächter auf den Plan. Dabei geht es um die Geschäftspraxis des sogenannten „Payment for Order Flow“ (PFOF),  bei dem Broker Kundenaufträge an bestimmte Handelsplätze vermitteln und dafür eine Vergütung erhalten. Oftmals seien dies zugleich solche Händler, die ihre Angebote zum Nulltarif anböten, erklärte die europäische Wertpapieraufsicht ESMA am Dienstag. „PFOF lässt ernsthafte Sorgen um den Anlegerschutz aufkommmen“, bemängelten die Aufseher. In den meisten Fällen sei die Praxis mit den Wertpapiergesetzen in der EU nicht vereinbar. Sogenannte Neobroker, die mit gebührenfreien Angeboten auf Kundenfang gehen, haben in den vergangenen Jahren auch in Deutschland ein rasantes Wachstum hingelegt.

          Aufseher in den Mitgliedsstaaten rief die ESMA dazu auf, sie sollten dieses Thema 2021 oder Anfang 2022 vorrangig im Blick haben. Es müsse geschaut werden, inwieweit EU-Vorschriften eingehalten werden. Denn aus Sicht der Finanzwächter führt die PFOF-Praxis zu einem klaren Interessenskonflikt zwischen Firma und Anleger. Sie setze Anreize für Unternehmen, denjenigen Anbieter auszuwählen, der das meiste für das Orderbuch vergüte statt denjenigen, der bei Ausführung der Aufträge für die Kunden das beste Ergebnis erziele, erklärte die ESMA.

          Die Finanzwächter wiesen außerdem darauf hin, dass von Brokern verlangt werde, ihren Kunden die PFOF-Praxis offenzulegen. Speziell Null-Tarif-Aktienhändler erinnerte die ESMA daran, dass sie ihren Kunden faire, klare und nicht-irreführende Informationen über alle Kosten und Gebühren geben müssten. Werbung mit kostenfreien Diensten könne Kleinanleger zu spekulativem Verhalten verleiten, warnten sie. Die Finanzaufsicht befürchtet einen möglichen Interessenkonflikt, weil die Neobroker wie zum Beispiel Trade Republic, Justtrade, Gratisbroker oder Smartbroker die für Privatanleger sehr attraktiven Konditionen nur deshalb anbieten können, weil sie Rückvergütungen von ihren Partnern im Wertpapierhandel, den sogenannten Market Makern, erhalten. Diese sogenannten Kickbacks ermöglichen den Neobrokern deutlich günstigere Gebühren als Banken oder anderen Wertpapierhäusern.

          Dabei dürften die Aufseher untersuchen, ob deren Kunden an anderer Stelle Nachteile erleiden. Hier dürfte die ESMA insbesondere prüfen, ob die Rückvergütungen für Handelsaufträge die Anforderungen der EU-Finanzmarktrichtlinie (Mifid 2) hinsichtlich Interessenkonflikten, bestmöglicher Ausführung und Anreizen erfüllen.

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