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Insolvente Bank : Einlagensicherung fordert 2 Milliarden von Greensill

In Insolvenz: Firmengebäude am Hauptsitz der Greensill Bank in Bremen Bild: AFP

Der deutsche Bankenverband will die Greensill-Milliarden zurückholen – zumindest einen Teil davon. Doch steht er in einer langen Schlange von großen Gläubigern wie Softbank oder Credit Suisse.

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          Von der britisch-australischen Finanzgruppe Greensill Capital fordern die Gläubiger insgesamt 3 Milliarden Euro zurück. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB), dessen Einlagensicherungssysteme an Kunden der deutschen Tochtergesellschaft Greensill Bank 3,1 Milliarden Euro auszahlen müssen, will Forderungen von rund 2 Milliarden Euro geltend machen, wie ein BdB-Sprecher am Freitag mitteilte.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zusätzlich sind auf dem ersten Gläubigertreffen am Freitag in Australien nach Angaben der dort als Insolvenzverwalter zuständigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton 1,75 Milliarden australische Dollar (umgerechnet 1,14 Milliarden Euro) zurückgefordert worden. Davon entfällt mit knapp einer Milliarde Euro der größte Teil auf die japanische Beteiligungsgesellschaft Softbank.

          An dem virtuellen Gläubigertreffen nahmen neben Softbank und Credit Suisse auch Vertreter des deutschen Bankenverbandes, australische sowie deutsche Finanzaufseher teil. Den Gläubigern solle in etwa drei Wochen ein Bericht vorgelegt werden, eine zweite Versammlung werde am 22. April folgen, kündigte Grant Thornton an. Dann soll darüber entschieden werden, ob Greensill Capital liquidiert wird oder ein Restrukturierungsvorschlag grünes Licht bekommt. Die australische Greensill Capital Pty hat ihr operatives Geschäft in der britischen Tochter Greensill Capital UK gebündelt.

          Verdacht auf Bilanzmanipulation

          Der Bankenverband dürfte versuchen, seine Forderungen sowohl gegen die australische als auch gegen die britische Gesellschaft durchzusetzen. Bei den 2 Milliarden Euro soll es sich um Forderungen handeln, die von der GFG Alliance, einem Unternehmen des britischen Stahlmagnaten Sanjeev Gupta, stammen. Diese hatte die von der deutschen Finanzaufsicht Bafin geschlossene und nun in einem Insolvenzverfahren befindliche Greensill Bank von der Muttergesellschaft angekauft. Das enorme Bilanzwachstum der Greensill Bank – seit 2015 von 353 Millionen auf zuletzt 4,5 Milliarden Euro – lag vor allem an dem Ankauf von GFG-Forderungen.

          Diese Bilanzposten stehen auch in der Strafanzeige der Bafin gegen die Verantwortlichen der Greensill Bank wegen des Verdachts auf Bilanzmanipulation im Mittelpunkt. Nach Angaben der Bafin kann das Institut nicht den Nachweis über die Existenz von bilanzierten Forderungen erbringen, die sie von der GFG Alliance angekauft hat. Deshalb will die Aufsicht auch gegen die für die Greensill Bank zuständige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Ebner Stolz, vorgehen.

          Die Greensill Bank wird in Deutschland der erste Entschädigungsfall sein, in dem Kunden Einlagen verlieren werden. Von den Einlagen über insgesamt 3,6 Milliarden Euro sind 500 Millionen Euro nicht geschützt. Die ungeschützten Einlagen entfallen zu einem großen Teil auf öffentliche Investoren, darunter das Bundesland Thüringen und Dutzende Kommunen. Aber auch Finanzinstitute werden als professionelle Investoren seit Oktober 2017 von der Einlagensicherung der privaten Banken nicht mehr geschützt.

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